Timur Nigmatullin „Dämonen“

Übersetzt von: Lena Muchin:

Die Sonne über unserem Hof steht als letztes auf. Sie steigt langsam auf der Seite der Mehretagenhäuser und schaut erst gegen Mittag in meine Fenster rein. In diesem Moment ist in unserem Haus schon alles auf den Beinen.

„Es leben hundertdreiundzwanzig Bewohner hier und sogar die Sonne will sich nicht bei uns zeigen“ beschwert sich Tante Heba und schlägt mit dem Staubklopfer den staubigen Teppich auf dem Balkon. „Hundertdreiundzwanzig Bewohner, hundertzwanzig  von ihnen kann man noch ertragen, aber drei von ihnen sind wahre Dämonen.“ Sie nennt sie sie immer so – Dämonen. Das sagt sie über mich, über ihren Sohn Kolja Ivanidi und Onkel Naum.

„Welche  hundertdreiundzwanzig Bewohner?“ Antworte ich ihr und bewege meine Finger. „Ivanidi, das sind Sie, Muratovy, das sind wir, Pirkiny aus der ersten Etage, die sitzen schon auf ihren Koffern und Onkel Naum. Das sind elf.“ „Ist dir das etwa zu wenig? Elf Menschen im Treppenhaus, dieses hält ja nicht mal zwei aus. Weißt du überhaupt, wie alt das Haus ist?“

„Ich weiß, mein Vater hat mir erzählt, dass man das Haus extra für die Umsiedler gebaut hat. Damit sie in der Steppe nicht erfrieren, sagte er, nur für ein, zwei Jahre, und nicht mehr. Und stehen tut es schon seit dreißig Jahren. Und genauso lange wird es noch stehen, dann,“ er hob den arm hoch, „dann wenn die Losungen alle sind, beginnt das richtige Leben!“ „Fünfunddreißig Jahre ist dieses Holzteil,“ fährt Tante Heba fort, „wer braucht das, ein Container Einetagenhaus. Weißt du welche Häuser in Griechenland stehen? Aus Marmor. Und hier? Aus Schilf.“

„Ich blicke vom Balkon auf den Išim. Ich weiß nicht, wie es dir geht, Heba, aber mir gefällt es. Aber die Sonne könnte etwas früher zu uns herein schauen. Alle Bewohner des Hauses haben vor, es zu verlassen. Ivanidi nach Griechenland. Pirkiny nach Israel. Onkel Naum nach Deutschland. “Und wir,?“ Frage ich den Vater. „Wo fahren wir hin? In die Mongolei?“

„Wir werden hier sterben,“ antwortet der Vater und  dreht in seinen Händen  irgendein Detail vom Fernseher, „wo wir geboren wurden.“

„Wo wurde ich geboren?“

„In der ersten, städtischen.“

„Dort wählt man doch nach Nationalität aus?“

„Oh man,“ der Vater hat sich mit dem Lötkolben den Finger verbrannt, „Geh raus, spazieren, Ich erlaube es dir.“

Unser Hof, das ist Unkraut vom Schilfrohr, mit einem kleinen Fleck Sand, welcher direkt neben dem Damm ausgeschüttet wurde. Die Arbeiter haben die Leiter nicht zu Ende gebaut, welche zum Betonzaun führt und wir klettern auf dem Damm und erobern sie immer wieder auf der selben Stelle. Der Pfad führt direkt zum Damm. Unten rauscht der Išim. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Park. Hinter dem Park noch ein Park. Und dahinter ist Steppe!

„Wetten,“ schlägt Kolja Ivanidi vor, „dass ich es schaffe den Išim mit einem Arm zu überqueren?“

„Ich habe es bereits geschafft.“

„Wetten,“ hört er nicht auf zu reden, „dass ich von der Autobrücke in den Fluss springe?“

„Ich bin schon gesprungen.“

„Wie ein Hecht?“

„Nein, wie ein Soldat.“

„Und wie ein Hecht? Hast du etwa  Angst?“

„Wie ein Hecht in den Fluss zu springen, in dessen Tiefe verlassene Betonblocks liegen, das ist sehr dumm. Obwohl, wenn man so sieht, ist es auch dumm, wie ein Soldat zu springen. Es ist im Allgemeinen dumm dahin zu springen, wo die Chance besteht, nicht mehr zurück zu kehren. Für Dava Pirkin ist es dumm. Und für mich und Ivanidi ist es völlig in Ordnung.“

„Deppen seid ihr,“ warnt uns Dava, „Ihr habt ja überhaupt kein Gefühl.“

„Welches Gefühl denn?“ fragt Ivanidi.

„Dava, ich habe eine Vorahnung!“ sage ich.

„Und was sagt sie dir?“

„Dass ich springen soll. Als Hecht ist noch keiner der Jungs gesprungen. Wir sind die ersten.

Zu diesem Zeitpunkt hat Ivanidi schon sein Unterhemd ausgezogen. Er hatte nur noch eine rote Unterhose an, welche Tante Heba entweder aus ihrer eigenen genäht hat oder eine Flagge dafür  verwendete. Gleichzeitig hätte man den Stoff auch für Vorhänge verwenden können. Die Unterhose flatterte auf Ivanidi wie eine Flagge. Manchmal plusterte sie sich auf wie eine Kugel, ein anderes Mal rutschte sie nach unten und zeigten die männlichen Stellen meines Freundes.

„Macht nichts,“ sagte Kolja und rieb seine Beine, „Vielleicht fehlt es an Gefühl, dafür gibt es ein Ziel und das Ziel rechtfertigt das Gefühl.“

„Selbsterhaltung,“ beendigte seine Warnung David. „Denkt nochmal drüber nach!“

Kolja und ich kletterten auf die Brücke, lehnten sich an das Geländer, krochen in die Mitte, dort wo der Išim ca. fünfundvierzig Meter tief war. Vom Rand zu springen war zu gefährlich. Und in der Mitte hatte man noch eine Chance.

„Wer zuerst?“ fragte Ivanidi, welcher auf den Knien, auf dem engen Platz vor mir kroch. Ich drehte mich ständig weg von der im Wind flatternden Unterhose meines Freundes und sagte: „Lass uns zusammen springen.“

„Händchen haltend?“

„Als Hecht Händchen haltend?“

„Ich habe es auf der Olympiade in Seul gesehen. Synchronspringen nennt sich das,“ sagte er und hielt seine Unterhose fest.

„Gut.“ war ich einverstanden, kroch zur Mitte der Brücke und hielt dort an. Nach unten zu schauen versetzte mich in Schrecken. Die Strömung des Išims war unter der Brücke stärker, im Fluss hat sich ein Sog gebildet, drehte sie wie ein Trichter mit einer solchen Kraft, dass man das Gefühl hatte, er  wolle den Grund öffnen, sich nach unten kämpfen, die unterirdischen Wasser umgehen. Auf den Seiten der Trichter – wie  Felsenriffe, erhoben sich die Betonblöcke. Aus diesen schauten schwarze Armaturen heraus, wie Muränen aus ihren Höhlen. Das Wasser selbst war trüb von von dem in der Nähe arbeitenden Baggerschiff und diese Trübe, die nach oben stieg, verdeckte den ganzen Blick auf die für den Sprung ungefährlichen Stellen.

„In den Trichter…“ sagte ich und stand aus der Kniehocke auf. Es gibt nur eine Variante, wir springen in diesen Trichter,“ ich zeigte Ivanidi den größten Sog, „springen bis zum Flussgrund, stoßen uns mit den Füßen ab, lassen ca. zehn Meter hinter uns – dorthin zum Ufer!“

Ivanidi hielt seine Unterhose fest, stand ebenfalls auf und stand am äußersten Rand der Brücke. In diesem Moment erinnerte er mich an Gavroša auf den Barrikaden. Nur, im Gegensatz zum echten Gavroša, hat Ivanidi  die französische  Flagge zerrissen, nahm  sich von der Freiheit die rote Farbe der Unterhose,

„Einverstanden,“ bekräftigte Kolja meinen Plan, „eine gute Entscheidung.“  Er führte den Kopf vom linken zum rechten Flussufer des Išims und fügte hinzu: „Lass uns etwas durchatmen, und dann springen.“

„David!“ schrie ich zum Freund, der auf der Brücke stehen geblieben war. „Komm zu uns!“

Er gab keine Antwort. Ich lehnte mich an das Geländer und stand leicht auf. David war nirgends zu sehen..

„Er hat doch dieses komische Gefühl,“ sagte nachsichtig Kolja, „ist deswegen abgehauen. Gott sei mit ihm, er wird so wieso nicht springen.“

Ca. fünf Minuten saßen wir auf dem Platz, wackelten mit unserem Beinen über dem Išims, beobachteten, was der Trichter macht, in den wir springen wollten. Auf der Brücke fuhren Autos vorbei, sie sich auf das linke Ufer der Stadt beeilten. Dieses war voll mit Datschen und aufgeforstete Stellen.

„Hast du eine Datscha?“ fragte, warum auch immer, Ivanidi. „Wir haben keine, Mutter sagt, dass wir in Griechenland eine haben werden. Wir werden Oliven anbauen.“

„Wir haben eine. Dort, „ich zeigte mit der Hand über die Brücke, „Kartoffeln und Himbeeren.“

„In Griechenland gibt es alles,“ atmete  Ivanidi auf.

„Du mit deinem Griechenland,“ hielt ich es nicht aus, „wann fahrt ihr denn?“

„Du bist einfach nur neidisch,“ antwortete Kolja ruhig, „alle fahren weg. Onel Naum, David. Nur ihr fahrt nirgends wohin.“

„Doch, fahren wir.“

„Und wohin?“

„Nach Ulaanbaatar!“

Ivanidi begann mit Kraft seine Beine zu reiben.

„Du lügst?“

„Dich anlügen? Ich lüge niemanden mehr an. Und dich habe ich erst recht nie angelogen.“

„In die Mongolei? Was, ehrlich?“

„Ehrlich. Das sagte Vater mir heute. Wir werden Chingiskhans Schatz suchen. Sein Grab“

Vor Begeisterung grunzte Ivanidi.

„Das gibt es doch nicht. Könnt ihr mich mitnehmen?“

„Und was ist mit Griechenland? Mit dem Oliven? Tante Heba lässt dich nicht gehen“

„Zum Teufel mit dem Griechenland! Was habe ich da schon alles gesehen? Und die Oliven sind eklig. Hast du sie probiert? Ich habe sie dir mal zum Probieren gegeben. Du hast sie ausgespuckt. Hast nicht einmal probiert. Und  wozu brauche ich diese Oliven dort? Bin ich etwas ein Datschen-Besitzer?“

„Ich denke darüber nach. Wie Valentina Pawlowna sagt, wir beobachten Ihr Verhalten, Nikolaj Stavrovich Ivanidi. Und wenn das Benehmen gut ist, dann werden sie ein Oktjabrenok sein.“

Kolja lachte und spuckte in den Fluss. Der Spuckfaden wirbelte im Wind und setzte sich auf mein Bein.

„Das war keine Absicht,“ entschuldigte sich Ivanidi, „wir müssen den Wind mit berücksichtigen. Sollen wir aufstehen? Uns an den Händen halten?“

Ich nickte mit dem Kopf um noch einmal zu schauen, wohin Dava verschwunden war. Von der Seite der Straße, die direkt zur Brücke führte, liefen zwei Menschen. Ein winziger, das war David, und ein hoher, glatzköpfiger, in einem grauen, ausgezogenem Unterhemd.

„Bleibt stehen, ihr Dummköpfe!“ schrie der hohe Kerl. „Bleibt stehen, ich warne euch!“

Ivanidi drehte sich auch um.

„Ich habe Onkel Naum gefunden. Die Verwandten sind alle auf Arbeit. Hier ist der Käfer,“ Kolja spuckte erneut in den Fluss. Diesmal erreichte die Spucke den Trichter. In dieser Zeit waren Onkel Naum und David bereits auf der Brücke, fuchtelten mit ihren Armen und schrien uns zu, dass wir nicht springen sollen.

„Muratov, so dumm bist du doch nicht. Spring nicht. Ivanidi. Hör nicht auf diesen Zigeunerjungen. Denkt nicht einmal daran zu springen. Ihr sei beide Deppen. Bleibt stehen!“

„Es ist schon zu spät,“ sagte entschlossen Ivanidi, nahm mich an der Hand und wir sprangen runter.

Ich rutschte auf dem Platz aus, konnte mich nicht richtig mit den Füßen abstoßen und fiel einfach runter. Ca. zwei Sekunden befanden wir uns in der Luft, hielten uns an den Händen und dann wurde  unser Flug schneller, wie eine Raketenstufe. Von dem Schlag auf dem Wasser wurde meine Brust erdrückt, die Luft, die ich während des Fluges gesammelt hatte, war schon nach Außen entwichen. Ich dreht mich im Trichter und sank nach unten um wenn ich den Grund erreichte, mich stärker mit den Füßen abdrücken zu können und weiter weg von der gefährlichen Stelle zu schwimmen. Wo Ivanidi gelandet war und was mit ihm geschah, konnte ich mir nicht erklären. Die Brust brannte und drückte immer fester auf meine Lungen. „Vielleicht reicht es nicht aus bis zum Grund,“ dachte ich mir und warum auch immer, erinnerte ich mich an Mutter und Vater. In solchen Momenten denke ich immer an sie. Als ich auf der Eisscholle schwamm und diese sich vom Ufer weg bewegte, dachte ich an sie. Als ich auf der Pappel saß, nicht runter klettern konnte, als mein Kopf zwischen dem Geländer feststeckte und ich den ganzen Tag dort verbracht habe, als die Zunge an der kalten, eisernen Schaukel fest klebte…so auch jetzt – ich sinke immer tiefer auf den Grund des Išims und denke nicht an Meerjungfrauen und an Kikimoren, die auf dem Meeresgrund leben, sondern an sie. An Mutter und Vater. Die sitzen auf ihrer Arbeit und arbeiten, um sich nächsten Sommer rumänische Bettwäsche zu kaufen. Irgendjemandes Hand schnappte mich an den Haaren und zog mich nach oben. Auf der linken Uferseite, inmitten von den Zweigen einer Weide und anderem Gestrüpp, schnappten Ivanidi und ich von beiden Seiten das Trikot, wrangen dieses aus und drückten Wassertropfen heraus.

„Dreht fester, ihr wandelndes Fischfutter,“ schrie Onkel Naum zu uns. Er selbst saß auf einem großen Steinblock, neben ihm trockneten die auseinander gefallenen Zigaretten.

„Besonders du sollst fester drehen, du Nackthintern.“ Dich hätte man gar nicht retten sollen. Welchen Sinn hat man mit dir? Sieben Jahre alt und soviel Vernunft wie der Zar Priam .Sag mal,“ er goss sich Wodka in sein Glas und fragte Ivanidi, „warum zum Teufel musste er sich gegen alle stellen?“ Ivanidi, der seine Unterhose beim Flug verloren hatte, stand nackt da , zitterte im Wind und drehte mit mir gemeinsam das nasse Trikot Naums.

„Unter euch, zurück gebliebenen Nachbarn, ist nur David Pirkin in der Lage, richtig nach zu denken. Murytov und Ivanidi haben es noch nicht gelernt. Und wahrscheinlich werden sie es auch nicht lernen.,“ er atmete laut aus  und leerte in einem Zug das halbe Glas Wodka. David saß daneben und stimmte ihm zu.

„Ich sagte es ihnen! Das ist eine Dummheit! Kommt zur Vernunft!“

„Sehr gut Dava! Du wirst es zu etwas bringen. Und wenn es so weit ist, vergiss nicht, dass du einen Nachbarn hattest, den man Onkel Naum nannte. Der wahrscheinlich noch am Leben ist und irgendwo lebt. . Du findest ihn, also mich und besuchst mich. Bist bei mir Gast?…“

„Was?“ fragte Dava.

„Man geht nicht mit lehren Händen. Dreht noch fester. Die Tropfen kommen ja gar nicht raus. Nackthintern! Wie willst du nach Hause gehen? Du musst über die ganze Brücke und dann noch auf die  Straße. Dann noch auf den Hof! Und dort ist die Mutter, und vielleicht ist Alisa zu Gast?Muratov! Vielleicht kommt Alisa zu Gast? Und der eine ist nackt, und der andere hat ein rotes Gesicht von dem Fall auf das Wasser. Da wird sie sich freuen.“

„Sie wir nicht zu Gast sein,“ sage ich und wringe weiter das Trikot aus, „sie ist mit der Großmutter ins Dorf gefahren.“

„Ich flechte mir aus den Weidenzweigen ein Kostüm,“ schimpfte Ivanidi, „wie die alten Griechen.“

Onkel Naum goss sich noch mehr Wodka ein.

„Das ist nicht zu korrigeren. Du, Ivanidi, bist selbst wie ein alter Grieche. Du lernst nicht, du liest nicht, du arbeitest  nicht. Bald fängst du an Zeus anzubeten. Wein trinkst du auch. Ja, Dava?“

„Ja, das macht er!“ sagte Dava feierlich. Heute war er auf der Seite unseres Retters, deswegen zeigte ich ihm die Faust, damit Onkel Naum es nicht bemerkt. „Ihr seid direkt falsch gesprungen, Man muss es so machen,“ David stand auf, machte den Rücken zu einem Buckel, streckte die Hände vor dem Kopf aus, „und ihr seid einfach nur gefallen. Onkel Naum hat es gerade so geschafft über das Geländer zu springen, mir die Flasche zu geben, nur die Zigaretten behielt er. Zuerst zog er Kolja heraus, dann dich. Du warst schon auf dem Grund. Noch eine Sekunde und das wäre zu spät gewesen. Stimmt’s Onkel Naum?“

Dieses Pärchen unserer Lebensretter begann mich zu nerven, das letzte Mal wrang ich das Trikot aus und gab es Onkel Naum.

„Gut es ist trocken, ich danke euch! Ich gehe nach Hause.“

Ivanidi, der wie ein Ziegenbock die Zweige der Weide abriss, machte sie daraus zwei Kränze. Den einen setzte er auf den Kopf, den anderen steckte er zwischen den Beinen fest  und trug ihn anstelle einer Unterhose. „Man sieht trotzdem deinen Pimmel“ sagte Onkel Naum zu ihm, „wenn man genau hin schaut. Wer braucht dich schon? Wer will dich schon genau anschauen? Niemand . Also geht zum Haus und bleibt dort ruhig sitzen. Und wenn ihr rebelliert, werde ich allen von eurem Sprung erzählen. Verstanden?“

„Verstanden.“ muhten Kolja und ich..

„Und vergesst nicht, dass ich euch gerettet habe, ihr schuldet mir noch was. Wir werden morgen auf dem Hof Krieg spielen. Verstanden?“

„Verstanden.“

Wir kletterten auf die Brücke und gingen Richtung Haus. Dava und Onkel Naum blieben auf dem Steinblock sitzen und warteten darauf, dass die Zigaretten trockneten.

Neben dem Haus sagte Ivanidi finster: „Meine Mutter wird mich wegen der Unterhose ausfragen. Was soll ich dann sagen?“

„Sag, sie ist zerrissen und du hast sie weg geworfen.“

„Wie zerrissen?“

„An den Büschen!“

„Gut,“ er drückte meine Hand, „mir fällt was sein, Übrigens, hast du den Grund berührt?“

„Nein,“ sagte ich.

„Ich schon,“ lächelte Ivanidi, „so weich wie Brei. Habe mit dem Fuß irgendein Schloss berührt“

„Einen Schatz?“ fragte ich verwundert. „Lügst du mich auch nicht an?“

„Wann habe ich dich angelogen?“ Morgen müssen wir vom Ufer aus dahin schwimmen und es überprüfen.“

„Morgen spielen wir Krieg.“

„Übermorgen. Da ist sicher irgend etwas.“

Am Abend schaute sich die Mutter meine Brust und mein Gesicht an.

„Hast du eine Allergie? Was hast du gegessen?“

„Oliven!“

„Mach das nicht mehr. Wo findest du sie nur?“

„Im alten Griechenland gibt es alles,“ sagte ich zur Mutter und wünschte ihr eine gute Nacht.

Die Sonne steht nur langsam über unserem Haus auf. Nach allen Bewohnern. Sogar später als ich,

Tante Heba sagt, dass gerade deshalb die Dämonen diesen Ort besuchen, deswegen muss man so schnell wie möglich von hier ausziehen.

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