Übersetzung von: Lena Muchin:
„Rus, warum willst du mich nicht in den „Mega“ begleiten?“
„Ich mag nicht.“
„Wir haben doch Wochenende. Deine Mutter kommt zu Besuch. Wir haben schon alles gekauft.“
„Aber Rus.“
„Nein, Zami, nein. Ich gehe nirgends wohin. Ich habe doch noch die Betriebsfeier,“ Rustam wedelte selbstsicher mit der Hand und scrollte gleich mehrere Seiten auf dem Tablet weiter. „Ich muss noch Geschenke kaufen.“
„Warum wieder du? Hast du ihnen erzählt, dass du bald heiratest?“
„Sie wissen alle Bescheid, aber sie sind alle im Urlaub. Nur der Chef kommt zur Betriebsfeier,“
„Rus,“ Zamira hing zu dem über dem Tablet hängenden Rustam, bedeckte mit der Hand den Bildschirm und küsste ihn auf den Scheitel. „Rus, ich wollte es dir nicht erzählen, aber dort findet ein Wettbewerb statt. Für diejenigen, die heiraten wollen.“
„Was? Was für ein Wettbewerb?“ Rustan drehte sich verwundert zu Zamira.
„Was hast du dir wieder ausgedacht?“
„Weißt du, als wir den Antrag beantragten, hing da eine Anzeige. Die Mädels haben es mir gezeigt. Das ist zur selben Zeit wie der Stadtfeiertag. Ich habe gehört, man hat da letztes Jahr eine Wohnung verlost.“
„Zami, wir haben eine Wohnung.“
„Da wird noch mehr verlost…Rusik, Liebster, lass uns hin gehen. Alle meine Mädels werden da sein. Weißt du, sie haben großen Respekt vor dir. Almuša sagt, dass wir ohne dich, das letzte Spiel verloren hätten…
Ja, letzte Woche war es klasse beim „Quiz -please!“ Das ganze Spiel war Rustans Team auf dem zweiten Platz aber die Frage über Freitag den dreizehnten nahm nur er an. Die Spieler standen darauf hin auf, gingen zu ihm und drückten seine Hand…
„Nur sei bitte nicht wütend, ich habe dich bereits für den Wettbewerb angemeldet.“ Zamiras Stimme lockte Rustam in ihr Zimmer.
„Was? Zami, ich habe es dir grade erklärt, dass ich nicht mitmachen will!“
„Aber Rus…“ Zamira blies die Lippen auf, tat so als ob sie beleidigt sei, lächelte aber, hob unschuldig die Wimpern und gurrte. „Weißt du, wie sehr sich deine Mutter freuen würde.“
Das vor ein paar Tagen in der Hauptstadt eröffnete Zentrum „Mega-Galatika“ ähnelte einem aufgebrachten Ameisenhaufen. Im Vorfeld des Stadtfeiertags wurden auf der großen, extra aufgebauten Bühne ohne Unterbrechung Aufführungen populärer Musiker, Sänger und Zirkusleute inszeniert, außerdem gab es Modenschauen und Vorführungen verschiedener Neuheiten. Es sah so aus, als ob alle Handelsmarken der Welt hier versammelt wären, um der Stadt zu dienen. Sie verteilten in der Halle ihre Werbeschilder und Banner, schmückten diese mit Luftballons und anderen feierlichen Accessoires. Verschiedene Boutiquen und Cafés bemühten sich ebenfalls der sich der allgemeinen Stimmung anzupassen: in den einen wurden Souvenirs verkauft, in den anderen kostenlose Getränke angeboten und Meloman organisierte sogar eine Buchvorstellung von Ilya Odegov. Um es zusammen zu fassen, so machte „Meloman“ alles Mögliche dafür um am Tag der Stadt die Einheimischen und Besucher der Hauptstadt glücklich zu machen. Rustan saß schon die zweite Stunde auf dem Sofa neben der Bühne, wartete den Wettbewerb und kämpfte gegen den Wunsch an, diesem feierlichen Krach zu entfliehen. Die neben ihm sitzenden Eltern und seine kleine Schwester Malika warteten darauf, dass es endlich anfing. Die Mutter trug ihr feierlichstes Kleid mit Lehrer-Auszeichnungen, der Vater trug eine Krawatte, die er von Zeit zu Zeit versuchte auszuziehen, aber er richtete sie nur. Malikuša nutzte die gute Stimmung der Mutter aus und erbettelte zwei große Eiscremes der Sorte „drei Pinguine.“ Zamira flatterte zwischen Rustam, seinen Eltern und ihren Freundinnen hin und her aber auch sie begann nervös zu werden wegen des verzögerten Konzerts, welches das wichtigste Ereignis des Abends einleitete. Und dann, als Malika neue Eiscreme holen wollte, beendete plötzlich die Jazzband auf der Bühne ihr Kozert und zu den Klängen der Fanfare kam auf die Bühne, noch aus den Zeiten der ersten KWN-Shows, der dem Publikum gut bekannte Moderator des Wettbewerbes mit dem Namen Timur. Zamira rief sofort Malika zu sich und setzte sich neben Rustam. Timur begnadete alle mit seinem sonnigen Firmen- Lächeln, winkte jemandem im Saal zu, neigte den Kopf etwas zur Seite und breitete begrüßend die Arme aus. Er verstand, dass der Wettbewerb mit Verzögerung begann und machte kenntlich, aus welchem Grund alle in das Zentrum „Mega-Galaktika“ gekommen sind: „Guten Abend sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste! Wir fahren mit unserem Programm fort, das dem Tag der Stadt gewidmet ist! Wie ihr alle wisst, führt unser Kaufhaus im Rahmen der feierlichen Veranstaltungen den Show-Wettbewerb „Du bist einfach super!“ durch. Den Titel des Wettberwerbs sprach Timur accrescendo aus und dehnte die Wörter so, wie es Moderatoren von Boxkämpfen machen. Die vom langen Warten gequälten Zuschauer belohnten die Bemühungen Timurs mit einem stürmischen Applaus. Mit einer Handbewegung bat er das Publikum, sich zu beruhigen und fuhr mit der selben wachen Stimme fort: „Für die Teilnahme an dieser ungewöhnlichen Show luden wir heute diejenigen ein, die beschlossen ihre Herzen einander zu schenken und so zu sagen den Bund der Ehe in genau in einer Woche ein zu gehen – Am Tag der Stadt. Hier sind sie – sie sitzen in den ersten Reihen unserer improvisierten Halle und warten ungeduldig auf den Beginn des Wettbewerbes! Lasst uns sie begrüßen! Ein neuer Applaus erklang und die in den ersten, und nicht ersten Reihen sitzenden Teilnehmer begannen sich gegenseitig an zu schauen, so als ob sie sicher gehen wollten, dass die Teilnehmer des Wettbewerbs nervös sind. Timur wartete ab, bis die visuellen Express-Bekanntschaften vorbei waren und erhob theatralischdie Hände zum Himmel: „ Verehrte junge Paare, unser Einkaufzentrum bereitete für euch Hochzeitsgeschenke vor! Vom Salon „Bajan-Sulu und Kozy-Korpeš“ gibt es Sets mit Bettwäsche und Handtüchern! Das Geschäft „Bogemija“ verlost Geschirr für 24 Personen! Vom Kaufhaus „Severnyj Veter“ bekommt ihr ein Filmtheater für Zuhause mit einem Blueray-System! Das alles und vieles mehr schenken wir Ihnen! Aber…“ Timur gab seiner Stimme das Maximum an Rätselhaftigkeit: „Zuerst müsst ihr uns überzeugen, dass ihr wirklich super seid! Ihr werdet es beweisen, indem ihr verschiedene Aufgaben löst. Diejenigen von euch, die die Aufgabe erfolgreich gelöst haben und uns damit bewiesen , dass sie einfach super sind, denjenigen versichere ich, dass staunen werden über den Super-Preis.“ Timur genoss die Stille im Saal, erklärte und zählte die Preise auf, ging, ohne sich zu beeilen, zum Computertisch und fuhr mit einer Alltagsstimme fort. „So, auf der Seite unseres Kurses haben sich siebenundfünfzig Brautpaare registriert. Ich werde nun ein Random-Programm starten, welches per Zufall einen Wettbewerb-Teilnehmer bestimmt. Timur hob feierlich die Hand über die Tastatur, ihm näherten sich sofort eine Videokamera. Die Aufnahme der Hand des Moderators tauchte auf dem großen Bildschirm auf, welcher neben der Bühne stand. „Eins, zwei, drei!“ Timur drückte auf die Taste Enter und auf dem Bildschirm schlugen die Nachnamen der registrierten Teilnehmer Purzelbäume, schubsten sich gegenseitig weg und liefen in alle Richtungen. Rustam machte die Augen zu, um nicht mit einem Blick oder auf eine andere Weise seinen Nachnamen unter den Gewinnern zu wissen.
„Hier ist unser erster Teilnehmer!“ erklang sie Stimme des Moderators. „Lasst uns im Chor seinen Namen rufen und den Glücklichen bitten auf die Bühne zu kommen. Und plötzlich hörte Rustam den fröhlichen Schrei Zamiras und fast gleichzeitig einen polyphonen Chor, welcher seinen Namen und Nachnamen rief. Rustam machte die Augen auf und sah die Gesichter seiner Eltern, Malikas und Zamiras, die mit irgend einer erschrocken-fröhlichen Begeisterung auf ihn schauten. „Al, balam, mach schon!“spürte Rustam die Worte der Mutter, anstatt sie zu hören. Und dann hörte er auch die Stimme Zamiras: „Los Rus! Viel Erfolg!“ Rustam stand auf und bewegte sich mit dem Gang eines Zombies zur Bühne. „Hier ist er!“ schrie Timur. „Heißen wir den ersten Teilnehmer unseres Wettbewerbs-Programms willkommen.“ Zu einem schwachen Applaus begab sich Rustam auf die Bühne, wusste nicht, was er als nächstes machen sollte und verbeugte sich vor dem Publikum. Das wirkte jedoch irgendwie krumm und unnatürlich – irgend jemand lachte laut. Rustam schaute sich im Saal um und sah zu seinem Schrecken die Köpfe der Freundinnen und Bräute. Der Moderator machte einen Schritt zur Seite und sprach in sein Mikrofon: „Guten Abend, Rustam! Es ist eine Ehre für uns, dass du an unserem Wettbewerb teil nimmst und wir sind froh darüber, dass der Computer dich ausgewählt hat.“ „Danke,“ Rustam erkannte seine eigene Stimme nicht. „Ich bin auch sehr froh.“ „Womit beschäftigst du dich, Rustam?“ Der Moderator blinzelte ihm zu. „Studierst du? Arbeitest du?“ „Ich arbeite in einer Firma.“ „Oh, und in welcher Sphäre? Womit beschäftigt sich die Firma wenn es kein Geheimnis ist?“ „Mit Bau und Verkehrslogistik.“ „Ausgezeichnet!“ Timur blinzelte wieder Rustam an. „Und du selbst besitzt sicher ein Auto?“ „Ja, habe ich. Einen Toyota. Vierziger.“
„Dann denke ich, sind ein Geschirrset und ein Minigrill der Firma „Picknick am Wegesrand“ was für dich?“ Timur zeigte in irgend eine Richtung. „ Ja, das sind sie.“ antwortete Rustam sofort. „Ausgezeichnet. Wir können beginnen. Bis du bereit?“ Timur näherte sich Rustam. „Ja ich bin bereit.“ „Kannst du dir vorstellen, Rustam, welche Aufgabe dich in unserem Wettbewerb erwartet?“ Timur hielt Rustam am Ellenbogen und schaute ihm in die Augen. „Nein.“ „Dann kann ich sagen – es ist keine Aufgabe, sondern ein Bonbon.“ Der Moderator lachte kurz. „Aber dieses Bonbon kann alles andere als süß sein!“ Timur wandte sich zum Publikum und lud dieses dazu ein, mit ihm zu lachen. Das Publikum unterstützte ihn. Dann fuhr er fort: „Für den Anfang, verehrte Gäste, erlauben Sie es mir, Sie daran zu erinnern, dass Rustam in einer Woche heiratet. Ist es so?“ „Ja. Die Hochzeit ist nächste Woche.“ „Und die Braut ist auch hier?“ „Ja,“ Rustan fand Zamira in der Menge. Sie winkte ihm zu. „Da drüben sitzt sie. Und die Eltern sind auch hier und die Schwester auch.“ „Ausgezeichnet,“ Der Moderator nickte den Verwandten Rustams zu und wandte sich wieder zu ihm. „Wahrscheinlich haben die Eltern schon eine Wohnung für euch ausgesucht und vorbereitet?“ „Ja, da geht langsam die Renovierung zu Ende.“ „Wenn das so ist, dann könnt ihr sicher eine Spülmaschine inklusive Trockner gebrauchen, der Marke „Tap-Taza“ und einen Kühlschrank mit zwei Bereichen „Arktika“ mit integriertem Display?“ „Ja natürlich, können wir das.“ „In diesem Fall gehören sie euch,“ Timur fügte Feierlichkeit in seine Stimme. „Und es gibt noch viel mehr Geschenke, so viele, dass man sie nicht zählen kann..“ Das gehört alles euch unter der Bedingung, dass du die Aufgabe lösen kannst…Verstanden?“ „Ja.“ „Ausgezeichnet,“ Timur nickte einem der Helfer zu, „Nun, wir fangen an. Hier folgende Aufgabe. Du sollst deine Exfreundin anrufen, die weiß, dass du vor hast, zu heiraten, und Achtung!…du sollst ein Treffen mit ihr vereinbaren. Du kannst alles sagen, bis auf zwei Dinge: Du darfst ihr nicht beichten, dass du an einem Wettbewerb teil nimmst und auch nicht, dass die Hochzeit nicht statt findet.“ Im Saal achte jemand und jemand fing an zu lachen. Rustam zitterte innerlich. „Und? Nimmst du die Aufgabe an?“ Der Moderator blickte auf Timur. „Ich nehme an,“ sagte unsicher Rustam. „Welche Exfreundin?“ Der Moderator fing an zu lachen: „Das musst du selbst wissen. So, rufen wir an?“ „Ja.“ Rustam kramte in seinen Taschen nach dem Mobiltelfon. „Nein, nein!“ Timur wackelte mit dem Kopf: „Dein Telefon brauchen wir nicht. Du wirst aus einer dafür vorgesehenen Kabine anrufen.“ Timur winkte den Helfern zu und diese schoben auf die Bühne eine große Kabine aus Metall, die aussah wie eine englische Telefonbude. „Hier ist sie!“ sagte feierlich Timur und wandte sich an Rustam. „Darin auf dem Tisch liegt ein Mobiltelefon. Damit wirst du telefonieren. Dazu musst du wissen, dass wir alle hier im Saal hören werden, was du und was die junge Frau sagen werdet, uns hören werdet ihr aber nicht. Abgesehen davon, Rustam, werden wir dich auch sehen. Verstanden?“ „Verstanden,“ antwortete Rustam und irgend etwas knurrte in seinem Magen. „Fangen wir an?“ „Warten Sie, ich muss nachdenken.“ „Ich verstehe,“ Timur drehte sich wieder zum Publikum. „Und so lange Rustam nachdenkt, will ich dran erinnern, dass die Firma „Diline“ Sponsor dieses Wettbewerbs ist. Und wenn Rustam die Aufgaben richtig löst, werden er und seine Ehefrau als Geschenk zwei Smartphones der Marke „Starking MS-10“ bekommen, einen vergünstigten Tarif und kostenloses Internet für ein ganzes Jahr! Und, wie finden Sie das Rustam? „Keine Ahnung…irgendwie keine Ahnung.“ „Nun denn,“ der Moderator blinzelte zum tausendsten Mal Rustam zu. „Dann lass uns fragen, was deine Verlobte davon hält. Ich bitte die Braut aufzustehen. In der zweiten Reihe stand Zamira auf. „Ach, da ist sie, „ Der Moderator kniff die Augen zusammen, erhob seinen Kopf, zeigte Rustam den Daumen und sagte: „Eine Schönheit. Du hast Glück, Rustam. Und wie heißt deine Verlobte?“ „Zamira.“ Timur nickte mit dem Kopf: „Zamira, hast du die Aufgabe verstanden? Hast du nichts dagegen, dass Rustam es versucht? Oh, sie sagt sie hat nichts dagegen! Braves Mädchen! Dazu kommt noch, dass wenn ihr Glück habt, dann wird euch vom Reisebüro „Eurasia Travel“ eine zweiwöchige Reise auf die märchenhafte Insel Teneriffa gesponsert.“ Das Publikum klatschte in die Hände, der Vater zog an seiner Krawatte und die Freundinnen hoben die Plakate noch höher und riefen dreimal ihren Inhalt auf. Der Moderator drehte sich zu Rustam. „Und, Rustam? Was sagst du dazu?“ „Gut, ich versuche es,“ die innere Sorge, die ihn nicht locker werden ließ, wurde nun weniger und ihm wurde viel besser zu Mute. Timur spürte es, klopfte ihm auf die Schulter und fragte ihn: „Wie heißt die junge Frau, die du anrufen wirst?“ „Lena. Elena.“ „Wann hast du sie das letzte Mal gesehen?“ „Lange her. Vor ca. einem Jahr.“ „Weiß sie, dass du bald heiraten wirst?“ „Sie weiß es.“ „Okay,“ Timur öffnete die Tür der Telefonbude. „Lass uns beginnen. Erinnerst du dich an ihre Handynummer?“ „Ja…ich habe sie irgendwo bei meinen Kontakten gespeichert.“ „Ausgezeichnet, nur dein Handy musst du mir geben, deswegen such ihre Nummer aus, präge sie dir ein und geh in die Telefonbude.“ Rustam zog sofort sein iPhone heraus und gab ihn dem Moderator. „Ich hab ihre Nummer im Kopf.“ „Ausgezeichnet.“ Timur nahm das iPhone, zeigte es dem Publikum und reichte dieses einem der Helfer. „Geh in die Kabine und wähle ihre Nummer. Erinnerst du dich an die Aufgabe?“ „Ich erinnere mich.“ „Gut! Viel Glück! Los geht’s!“ Rustam betrat die Telefonbude, der Moderator schloss hinter ihm die Tür, lächelte und wandte sich an das Publikum: „Er hat die junge Frau über ein Jahr lang nicht gesehen und erinnert sich immer noch an ihre Nummer. Oh, sieh dich vor, Zamira!“ Timur unterbrach sein Lachen. „Ist ja gut, ich mache nur Scherze! Verehrte Gäste, lasst uns Zamira und ihren Bräutigam, den Teilnehmer unseres Wettbewerbs, Rustam, mit einem Applaus unterstützten. Es wurde geklatscht, irgend eine einsame Frauenstimme schrie: „Rustam- Champion!“ Timur hob die Hand und sagte laut: „So, ich sehe, dass Rustam es sich in der Kabine gemütlich gemacht und das Handy in die Hand genommen hat.“ Timur zeigte mit der Hand in Richtung Bildschirm. „Und hier, liebe Gäste, könnt ihr ihn auf unserem Monitor sehen.“ Auf dem großen Bildschirm war Rustam zu sehen, er saß auf dem Stuhl und wählte eine Nummer. „Achtung!“ Timur schnippte mit den Fingern. „Machen wir den Ton an.“ Im Saal erzitterten viele, die Geräusche des Telefons schlugen auf die Ohren. Aber nicht wenigen fiel auf, dass Rustams Hand, die das Telefon hielt, etwas zitterte. Am anderen Ende nahm jemand den Hörer ab. „Hallo.“
„Hallo. Lena, bist du es?“
„Ja. Wer ist das? Hallo.“
„Hallo, Lena ! Ich bin’s – Rustam.“
„Rustam?“
„Ja.“
„Welcher Rustam?“
„Na, Rustam…Lena, ich bin’s…“
„Rustam?…Rus, bist du es?“
„Ja, ich.“
„Was ist mit deiner Stimme? Sie klingt irgendwie…anders…“
„Ja, wahrscheinlich, die Verbindung ist schlecht…
„Und die Nummer, die auf dem Display erscheint, ist eine andere. Bist es sicher du?“
„Ich bin’s Lena, ich.“
„Das kann nicht sein.“
„Ja, ich bin’s“
„Nein, das glaube ich nicht. Auf wiedersehen und stören Sie mich nicht mehr…“
Rustam sprang vom Stuhl auf:
„Lena, warte, leg nicht auf! Weißt du noch, als deine Jessika krank wurde, da haben du und ich zwei Stunden bei Regen auf den Arzt gewartet…Ich habe mich danach erkältet, hatte eine Angina und du hast gelacht, darüber, dass ich eine Stimme wie ein Clown habe, ein schlechter Clown…weißt du noch?“
„Ja, ich erinnere mich, nur sagte ich wie bei einem provinziellen Clown.“
„Ja, genau.“
„Bist du krank?“
„Nein. Habe nur was mit der Stimme…Und die Verbindung ist irgendwie…Erinnerst du dich, Lena, als die Angina weg war, da haben wir beide beschlossen Bier zu trinken. Wir saßen auf der Bank und wären beinahe von Polizisten mitgenommen worden.“
„Ich erinnere mich.“
„Wir wollten noch vor ihnen weg rennen, aber es hat nicht geklappt.“
„Weil du nicht wolltest.“
„Ja, ja. Und dann hattest du noch einen Pudel, so einen alten. Du hast ihn irgendwo draußen gefunden. Ich glaube er hieß Al’ba.“
„Ja, Al’ba. Daran erinnerst du dich?“
„Ich erinnere mich. Und es gab einen Kater. Charlie hieß er, glaube ich“
„An das alles kannst du dich erinnern? Wozu?“
„Damit du verstehst, dass ich es bin.“
„Ich habe verstanden…irgendwie seltsam…dass du anrufst. Was ist das für eine Nummer? Hast du ein neues Telefon?“
„Du glaubst es mir nicht? Frag mich irgendwas!“
„Was soll ich fragen?“
„Etwas, was nur du und ich wissen.“
„Erinnerst du dich an unsere Pizzeria?“
„Natürlich. „Pinocchio“. Und an unseren Tisch erinnere ich mich . Und an deine Lieblingspizza – „Milana.“ Weißt du noch, die Bedienung war so lustig?“
„Sie stotterte etwas und war die ganze Zeit so verwirrt.“
„Ja, und brachte dir einmal eine „Margarita“ anstatt eine „Milana“ Und ich sagte dir, das liegt daran, weil du der Margarita von Bulgakov ähnlich siehst.“
„Das war am Valentinstag. Im Februar. Am 14….
„Uns gegenüber hing ein Fernseher und da wurde die ganze Noskov gezeigt. In einem seiner Videos war eine Frau…“
„Ja, du sagtest, dass sie mit ähnlich sieht.“
„Und wir haben noch dazu gesummt.“
„Ich liebe dich, und das ist wundervoll!“ Und dann sagtest du, wie Noskov, dass du zu weniger nicht einverstanden bist.“
„Und als wir raus gingen, fing es an zu schneien. Flocken…
„Und wir haben begonnen im Schnee ein Herz zu formen, wer als erster es schafft.“
„Und beim letzten Sprung…“
„Stießen wir uns gegenseitig und fielen fast um. Du hast mich zu dir geholt, umarmt und so standen wir noch lange da.“
„Und ich pustete die Schneeflocken von deinen Wimpern.“
„Ja.“
„Glaubst du es mir nun, dass ich es bin?“
„Ja.“
Rustam setzte sich auf den Stuhl und wischte sich mit seiner Hand über das Haar.
„Ja hallo Lena, wie geht es dir?“
„Gut, und selbst?“
„Auch gut. Bist du in der Stadt?“
„Ja, warum?“
„Nur so, du verreist ziemlich oft.“
„Das liegt an meiner Arbeit. Woher weißt du das?“
„Ich habe Gul’mira getroffen. Wir haben gequatscht. Sie sagte, du seist oft auf Dienstreise.“
„Verstehe. Und wo bist du zur Zeit?“
„Ich bin hier. Wo soll ich sonst hin sein?“
„Ich weiß es nicht. Das letzte Mal als wir uns gesehen hatten, plantest du nach Deutschland zu gehen.“
„Nein. Ich bin in der Stadt…“ Rustam hielt den Atmen an, zauste sich das Haar und atmete aus: „Lena?“
„Ja?“
„Lena, lass uns treffen,“
„Treffen?“
„Ja.“
„Wofür?“
„Ich will dich sehen.“
„Ist was passiert?“
„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich will dich einfach wieder sehen. Also?“
„Rus, was ist passiert?“
„Nein, es ist alles im grünen Bereich. Ich will mir dir reden.“
„Reden? Worüber?“
„Es gibt da was.“
„Dann rede.“
„So kann ich nicht. Kein Telefongespräch.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, was du mir sagen möchtest.“
„Es ist wichtig.“
„Ist irgend etwas mit der Mutter?“
„Nein, nein. Das geht nur uns beide was an.“
„Ich verstehe nicht. Hast du Unannehmlichkeiten?“
„Nein, ich sage doch, es ist alles in Ordnung. Ich muss dich treffen, dich sehen.“
„Sehen? Mich?“
„Ja, dich.“
„Soweit ich weiß, hast du vor kurzem geheiratet.“
„Noch nicht, erst in einer Woche.“
„Herzlichen Glückwunsch.“
„Danke. Lena, wirklich, wir müssen uns unbedingt treffen.“
„Willst du mich zur Hochzeit einladen?“
„Nein, ich will dich sehen, sehr.“
„Du willst mich sehen?“
„Ja.“
„Na, ich weiß nicht…“
„Wie wäre es mit morgen?“
„Morgen?“
„Ja. Abends.“
„Nein, morgen kann ich nicht.“
„Warum?“
„Ich habe morgen bereits ein Treffen. Mit einem Menschen. Übrigens dachte ich, dass er anruft. Er ruft mich oft um diese Zeit an.“
„Und übermorgen Abend?“
„Übermorgen kann ich auch nicht. Da ist auch ein Treffen.“
„Kannst du es nicht absagen?“
„Kann ich nicht.“
„Nun gut. Dann wähle du einen Zeitpunkt. Wann kannst du? Ein beliebiger Tag nächste Woche.“
„Ein beliebiger Tag?“
„Ja, es hat keine Bedeutung. Sag einfach, wann du dich treffen magst und wir treffen uns.“
„Du heiratest doch nächste Woche.“
„Ja, aber ich muss dich sehen. Ich muss dich unbedingt sehen.“
„Du willst mich unbedingt sehen, ja?“
„Nicht nur.“
„Was denn noch?“
„Das sage ich dir wenn wir uns treffen.“
„Willst du dich verabschieden?“
„Nein, das heißt, ja. Lena, nicht verabschieden…Lena…“
„Du machst mir Angst, Rustam. Bei dir ist irgend etwas vorgefallen.!“
„Ja, da ist was vorgefallen.“
„Was?“
„Es ist vorgefallen, dass ich dich unbedingt sehen möchte. Ich weiß nicht was mit mir los ist, aber ich will dich unbedingt sehen Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen soll.“
„Und ich weiß es auch nicht, was ich dir sagen soll.“
„Lena, willst du mich nicht sehen?“
„Ehrlich? Ich habe mich von dir entwöhnt…es tat sehr weh, Rus. Und ich bemühte mich, dich zu vergessen….“
„Und? Hast du mich vergessen?“
„So wie es aussieht, nein. Ich erinnere mich noch, erinnere mich noch an alles.“ Rustam streckte sich und berührte mit seinen Händen die Stirn. Auf dem Bildschirm sah man ganz groß, wie Rustams Adamsapfel sich bewegte, wie er die Spucke schluckte und mit einer bebenden Stimme sagte:
„Lena?“
„Was?“
„Ich fand es sehr schön mit dir!“
„Schön?“
„Ja, ich war glücklich mit dir!“
„Aber du hast es selbst zerstört.“
„Ich nicht“
„Nicht du, sondern deine Mutter. Und du nahmst mich nicht in Schutz.“
„Verzeih mir Lena…Lena, weinst du? Lena?“
„Nein, jetzt nicht mehr.“
„Also, wie sieht es aus mit dem Treffen?“
„Gut.“
„Du bist einverstanden?“
„Ja.“
„Wann?“
„Jetzt.“
„Jetzt sofort?“
„Ja, kannst du nicht?“
„Ich kann Lena,natürlich kann ich!“
„Wo?“
„Wie du magst.“
„Dann lass uns ins Pinocchio“
„Abgemacht.“
„In einer Stunde.“
„Gut.“
„Ich werde in einer Stunde im Pinocchio sein.“
„Ich werde warte. Lena, ich bin sehr glücklich, dass du mich sehen willst. Ich danke dir herzlich dafür.“
„Und auch ich bin glücklich. Wirklich, Rus, einfach sehr, sehr glücklich.“
„Bist du wirklich glücklich?“
„Wirklich. Irgendwie seltsam, aber sehr glücklich. Gut, dann bis gleich!“
„Auf Wiedersehen!“
„Ja, genau. Auf Wiedersehen!“
Laute Signale des Telefons erklangen, viele im Saal erzitterten wieder. Das Publikum blickte immer noch auf die Tür der Telefonbude. Der Moderator näherte sich dieser und machte sie auf. Rustam verließ die Bude und hielt sich vor dem grellen Licht die Augen zu. Es brachen die Fanfare herein. Timur nahm das Mikrofon in die Hand: „Wau!Yes-yes-yes! Begrüßen wir unseren Helden. Unseren Rusa-Rustam! Wie clever hat er alles gedreht? Der Hübsche! Super! Ich wette die Hälfte aller Frauen in diesem Saal ist bereit zum Treffen in die Pizzeria zu laufen!“ Das Publikum lachte, es wurde geklatscht. Timur führte Rustam zum Mikrofon: „Nun, Rustam hat die Aufgabe blendend gelöst und bewiesen, dass er einfach super ist! Und ich drücke mit Vergnügen seine Hand.“ Mit Gefühl reichte er ihm die Hand. „Das war wahrlich keine leichte Aufgabe! Es hätte jeden Moment abbrechen können, so emotional war es! Aber Rustam war einfach super. Er hat das Ziel erreicht! Er ist ein Sieger!“ Timur klatschte, hob Rustams Hand und lud alle dazu ein, den Helden zu ehren. Dann wartete er auf den Applaus und trug feierlich vor:
„Verehrte Damen und Herren, Gäste unserer Show, lassen Sie mich die endgültige Liste aller Preise und Geschenke vortragen, die an Rustam und Zamira gehen, nach der Beendigung des Wettbewerbes! Das sind…“ „Warten Sie,“ unterbrach ihn Rustam. „Was ist nun mit dem Treffen? Das habe ich doch vereinbart?“ „Du musst nicht zum Treffen erscheinen.“ sagte Timur. „Wobei, wenn du unbedingt möchtest, dann geh.“ Und er wandte sich wieder zum Publikum und sagte theatralisch: „Ach, diese Jugend! Ach, diese Männer – Herzensbrecher!“ „Sie wird doch auf mich warten!“ Rustam griff den Moderator am Ärmel. Timur bedeckte mit der Hand das Mikrofon, neigte sich zu Rustam und sagte leise: „Wird sie nicht.“ „Aber sie ist wahrscheinlich schon los gefahren!“ „Ist sie nicht, mach dir keine Sorgen! Unsere Mitarbeiter rufen sie gerade an, um ihr zu verstehen zu geben was hier los ist.“ „Was?“ Rustam fröstelte. „Vielleicht mache ich das lieber? Lassen Sie mich das machen.“ „Nicht nötig, Rustam! Das ist doch eine Show!“ zischte Timur und sprach laut ins Mirkofon: „Es wird alles gut! Und dafür, dass Elena uns so echt an ihren Gefühlen teilhaben ließ und zu einem Schmuckstück unserer Show wurde, schenken wir ihr einen Ebook-Reader „Mac Air Pro“ mit einem doppelten System. Ja, ja! Er hat sogar die Option sich in ein Tablett zu verwandeln, mit verschiedenen Funktionen. Applaus, verehrte Gäste, für die Heldin unseres Abends!“ Der Saal wurde von einem Applaus erfüllt. Der Moderator fuchtelte mit den Händen, verursachte eine Welle von Emotionen und fröhlichen Schreien, dann mit einer dirigierenden Geste zwang er das Publikum zum Schweigen und führte wieder das Mikrofon zu seinem Mund: „So, unsere verehrten Damen und Herren, lasst uns zurück kehren zu unseren zukünftigen Ehepaar! Zu all dem, was ich bereits genannt habe, bekommen sie noch…“
„Hallo. Guten Abend! Ist da Elena?“
„Guten Abend, ja das bin ich.“
„Es ruft Sie der Manager des Show-Wettbewerbes „Du bist super!“ an.“
„Verzeihen Sie, wer? Welche Show?“
„Show-Wettbewerb „Du bist einfach super! Anlässlich des Tages der Stadt führt die Administration des Einkaufzentrums „Mega-Galaktika“ einen Wettbewerb durch.“
„Entschuldigen Sie, aber ich nehme an keinem Wettbewerb teil! Auf Wiederhören!“
„Warten Sie, Elena! Eben hat Sie Rustam angerufen, stimmt’s?“
„Eben? Ja. Aber woher…“
„Er bat Sie um ein Treffen und Sie stimmten ihm zu, stimmt’s?
„Ja, ich stimmte zu. Ich verstehe nicht, wer sind Sie?“
„Ich bin der Manager des Show-Wettbewerbes. Die Bedingung des Kurses war, dass Rustam sie anrufen und mit Ihnen ein Treffen vereinbaren soll. Er hat es geschafft und gewann einen Preis und Sie bekommen ebenfalls einen Preis…Hallo, Elena, hören Sie mich?“
„Ja, ich höre…“
„So, Elena. Für die Teilnahme an der Show bekommen Sie einen Ebook-Reader „Mac Air Pro“ mit einem doppelten System! Ich beglückwünsche Sie! Nennen Sie uns Ihre Adresse…“
„Was? Wiederholen Sie es noch einmal. Ich habe es nicht verstanden…“
„Sie, Elena, bekommen einen Ebook-Reader. Sie müssen…“
„Nein, nein, ich rede vom Wettbewerb! Was ist das für ein Wettbewerb?
„Elena, ich wiederhole. Rustam hat an einer Show teilgenommen. Anlässlich des Stadtfeiertags. Er musste ein Treffen mit Ihnen vereinbaren. Das tat er, stimmt’s? Stimmt. Aber Sie müssen nirgends wohin fahren. Es ist bloß eine Show. Ein Spiel. Und Sie als Teilnehmerin bekommen ebenfalls einen Preis. Verstanden?“
„Ja, nun habe ich es verstanden.“
Nun denn, Elena…“
„Sagen Sie, war das wirklich Rustam am Telefon?“
„Ja natürlich. Er hat direkt beschlossen, Sie anzurufen. Und er ist so…“
„Danke, ich habe es verstanden.“
„Das ist gut. Diktieren Sie mir Ihre Adresse und morgen…“
„Was? Adresse? Nein, nein, ich brauche nichts! Danke, nicht nötig!“
„Elena…“
„Auf Wiederhören!“
„Ja-ja! All diese wunderbaren Preise schenkt Ihnen das Kaufhaus „Mega-Galaktika“, Rustam und Zamira! Wir wünschen Ihnen Rat und Liebe! Glück für all die Jahre! Und nun, Rustam…Rustam! Wo ist Rustam? Wo ist er hin?“ Der Moderator bemerkte jetzt erst die Abwesenheit Rustams und schaute auf seine Mitarbeiter. Von ihnen erhielt er irgend ein Zeichen, lächelte und klärte die Situation auf: „Wahrscheinlich packt unser Superman gerade einen Kühlschrank aus. Oder er empfängt gerade die Reiseunterlagen. Ein Guter ist das. Übrigens, Zamira, du kannst zu ihm stoßen! All eure Geschenke befinden sich im Büro der Administration „Magi“ im ersten Stock…“
Timur hielt die Pause aus, in der Zamira an den Eltern Rustams und an Malika vorbei ging und in der Tiefe des Saals verschwand, und sagte laut: „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich beneide sie“ und ohne Unterbrechung wechselte er zur maximalen Lautstärke. „Verehrte Damen und Herren, während unsere Helden und Gewinner des Wettbewerbes „Du bist einfach super!“ die Geschenke betrachten, fahren wir mit unseren Feierlichkeiten fort, mit unserem Fest, das dem Tag der Stadt gewidmet ist! Wie sagt man so schön, „show must go on.!“