
Danik schaute auf die Uhr, richtete den Halswickel und ging zum Fenster. Von der fünfzehnten Etage aus hatte man einen guten Blick auf das rosa Zweietagenhaus neben dem Park. Ein Auto näherte sich dem Treppenhaus und hupte. Danik stellte das Fernglas richtig ein und begann das Geschehen hinter der Tür zu beobachten. Bald ging diese auf und ein Dackel kam heraus und darauf hin ein Junge mit einem Schlitten, beide rannten sie zum Auto. Der Junge mit offenem Mantel flog zum Mann. Der Mann fing ihn im Flug, warf ihn in die Luft, fing ihn wieder auf und drückte ihn an sich. Dann setzte der Mann den Jungen auf den Schlitten, riss den Dackel mit sich und fuhr zum Park. Der Dackel wedelte mit den Schwanz und kreiste um sie herum. Danik beobachtete diese, bis sie aus dem Blickfeld verschwanden und setzte sich dann an den Tisch. Seine Mutter hat ihn gebeten einen Wunschzettel zu schreiben. Er nahm einen roten Filzstift und schrieb mit großen Buchstaben: ICH WILL, DASS PAPA MICH MIT DEM SCHLITTEN FÄHRT. Er hörte Schritte auf der Treppe, knüllte schnell den Zettel zusammen und warf diesen in den Mülleimer. Die Großmutter mochte den Vater nicht.
„Zhanym, warum bist du aus dem Bett aufgestanden?“ fragte die Oma als sie die Wohnung betrat. Sie stellte eine Platte mit dem Abendessen und Arzneien auf den Tisch.
„Mama bat mich, einen Wunschzettel zu schreiben zum Neuen Jahr.“ sagte Danik.
„Gut, Zhanym , lass uns erst einmal essen, die Arznei einnehmen und dann kannst du schreiben. Тәңірі қолдасын – Gott wird helfen!“
Nach dem Essen wusch sich Danik die Hände, gurgelte mit der Mixtur und kehrte in das Zimmer zurück. Er setzte sich an den Tisch und schrieb ordentlich auf der Rückseite der Postkarte:
Ich bitte den Weihnachtsmann um:
- Ein Lehrbuch über das Schachspiel „Die Debüte. Der ganze Kurs“
- „Einen gestrickten Pullover
Vor ein paar Tagen, als er aus dem Badezimmer heraus ging, hörte er zufällig, wie sich die Mutter und die Großmutter über Geschenke für ihn unterhielten, die Großmutter hatte für ihn einen warmen Pullover gestrickt, mit einem Halskragen, und die Mutter hatte vor ein Tablet zu kaufen. Er dachte kurz nach und fügte hinzu:
3. Tablet
Dann legte er die Karte in einen Briefumschlag, klebte diesen zu und legte ihn unter den Tannenbaum auf einen nicht sichtbaren Platz.
***
Makpal schaute nach dem Mittagessen in der Buchhandlung vorbei.
„Guten Tag, ich hatte ein Buch bestellt,“ sagte sie als sie zum Tresen im Zentrum des Geschäfts ging.
„Guten Tag! Die Nummer der Bestellung, bitte.“
„378.“
„Die Debüts. Der ganze Kurs“?
„Richtig!“
Die Verkäuferin packte das Buch in leuchtendes, festliches Papier ein und legte es in eine Tragetasche. Makpal bezahlte den Einkauf, ging heraus und setzte sich in das Auto. Sie hatte gerade den Motor gestartet als ihr Handy anfing zu klingeln.
„Ja, ich höre.“
„Hallo! Wie geht es dir?“
„Alles in Ordnung. Was willst du? Ich bin in Eile.“
„Ich wollte mich mit dir beraten, was ich Danik zum Neuen Jahr schenken soll.“
„Kauf ihm ein Tablet , nur nicht den aller günstigsten, um einfach davon zu kommen, sondern einen ordentlichen.“
„Gut, ich habe gerade mein Honorar bekommen. Übrigens die Alimente wurden heute transferiert.“
„ Du hast vielleicht ein Glück!“ sagte Makpal und bewegte sich vom Parkplatz weg.
„So ein Dummkopf, kann nicht einmal ein Geschenk für seinen Sohn aussuchen. Was hat mich nur dazu getrieben, solch einem Nichtsnutz zu heiraten! Ich zog ihn, zog ihn, und alles umsonst. Und mein Danik ist klug, ruhig, bleibt zu hause, liest Bücher, spielt Schach. Bittet um nichts. Gut, dass ich mich habe von diesem Nichtsnutz scheiden lassen, wozu braucht er ein solches Vorbild. Das wichtigste ist, dass Danik glücklich ist und von Liebe umgeben. Nur ist er oft krank, das hat er von Saken, meine Mutter hat recht, wenn sie sagt, dass sie vom gleichen Schlag sind. Mal sehen, welches Tablet er kaufen wird?!“
***
Saken wachte nachts auf und öffnete die Augen. Aus dem Fenster fiel ein gemütliches, nebliges Licht. Die Uhr zeigte halb vier Uhr morgens, der Kopf dröhnte von dem Alkohol am Stehempfang. Er stand auf, schaute aus dem Fenster und pfiff. Die Straße, die Bäume, die Autos – alles leuchtete mit frisch gefallenem Schnee, das Thermometer zeigte minus achtzehn Grad an. Für eine Sekunde fürchtete er sich, hat er etwa das Neue Jahr verschlafen und Danik kein Geschenk gekauft?! Er schaute auf den Kalender: 29 Dezember, er atmete erleichtert aus. Dann nahm er das Telefon in die Hand und begann die Grafik des Gehaltes zu überprüfen, heute müssten sie den Rest des Honorars auszahlen. Er dachte lange darüber nach, was er dem Sohn kaufen sollte und beschloss dann Makpal zu fragen. Sie hat den Überblick mit den Neujahrsgeschenken, alle müssen ihre Wünsche aufschreiben, in den Umschlag legen und unter dem Tannenbaum verstecken und sie entscheidet im Namen des Weihnachtsmannes, wem man was schenkt. Sie liebt es alles zu kontrollieren, manchmal schien es ihm, dass sie in seine Hirnschale hinein kriecht. Makpal gibt nicht einmal den Untergebenen Ruhe. Sie ruft sie sogar an Wochenenden an und während des Urlaubs, da verlangt sie Rechenschaft. Doch das Schlimmste ist mit Danik, sie wird doch einen Muttersöhnchen aus ihm machen.
Saken bekam das Geld und kehrte zurück nach hause, er trank mit Vergnügen die verdienten hundert Gramm Kognak und fuhr in das Elektrowaren-Geschäft. Dort suchte er das aller letzte Modell heraus doch dann verstand er, dass das Geld nicht ausreichen wird. Dann sollte es halt die mittlere Variante sein. Er nahm das festlich verpackte Tablet in die Hände und ging in den nächsten Raum, um Ausschau nach einer Waschmaschine zu halten. Doch der Raum war mit einem gelben Streifen abgegrenzt, dort wurde gerade neue Ware entladen. Saken beschloss nach den Feiertagen wieder zu kommen. Er drehte sich gerade um, um zu gehen, als er einen Knirps sah, welcher sich hinter der Absperrung aufhielt und sich auf dem Weg zum Elektrowagen befand. Saken stürzte in seine Richtung, schnappte sich den Jungen und sprang zur Seite. Die Schachtel flog aus seinen Händen, stieß stumpf gegen den metallenen Korpus des Wagens und fiel auf den Boden. Der Fahrer bremste abrupt ab und starrte sie an. Eine Frau kam mit einem Schrei her gerannt und schnappte sich aus den Händen Sakens den verschreckten Jungen. Saken hob die Kiste vom Boden auf, berührte diese, im Inneren knackste irgendetwas. Er warf die Kiste wieder auf den Boden, verfluchte sein unglückliches Schicksal und verließ das Geschäft. Er fühlte in der Tasche einen letzten Geldschein und beschloss Wodka zu kaufen.
„Söhnchen, hast du Kinder?“ fragte ihn ein alter Mann, welcher mit Schlitten beim Eingang des Supermarktes stand.
„Habe ich, einen Sohn, acht Jahre alt,“ Saken atmete bitter auf.
„Hast du schon ein Geschenk für ihn?“ fragte der Großvater an-teilnehmend. „Hier, kauf ihm einen Schlitten, dieses Jahr haben wir viel Schnee, kannst ihn damit fahren!“
„Sie machen Scherze, wen sieht man heutzutage mit Schlitten? Wie viel kostet er?“
„Ich gebe ihn dir für zwei tausend. Morgens habe ich für drei verkauft. Warum denkst du so? Eine ganze Partie wurde innerhalb von ein paar Stunden verkauft. Das verbreitetste Geschenk dieses Jahr.“
„Gut, ich kaufe ihn!“ erklärte sich Saken einverstanden und gab dem Alten seinen letzten Fünftausendschein .
„Ich glaube, man ruft dich dort,“ sagte der Alte und gab ihm das Restgeld.
„Herr, Herr!“ rief von der Seite des Elektrofachgeschäfts eine Frau und winkte ihm mit der Hand.
„Meinen Sie mich?“ Saken zeigte mit dem Finger auf sich.
„Ja, ja, Sie! Sie haben Ihr Tablet vergessen!“ rief sie ihm zur Antwort.
„Wozu, der ist doch kaputt,“ murmelte er , nahm den Schlitten in die Hände und ging in die Richtung der Frau.
„Nehmen Sie es trotzdem mit. Gut, dass ich Sie eingeholt habe, sonst hätte man in der ganzen Stadt nach Ihnen suchen müssen. Die Aufnahmen zeigten, wie sie das Kind gerettet haben. Die Frau ist noch ganz außer sich, sie bat mich, ihr Ihren Namen und die Telefonnummer zu nennen, sie wird sie später kontaktieren.“
Nach ein paar Stunden klingelte das Telefon, auf dem Monitor stand eine unbekannte Nummer.
„Guten Abend, Saken! Ich heiße Alexej, ich möchte Ihnen für die Rettung meines Sohnes danken.“
***
31 Dezember. Danik beobachtete den ganzen Morgen das Fenster, Kinder, die auf dem Hügel mit dem Schlitten fahren, plötzlich sah er den Vater.. Dieser näherte sich dem Haus, in seinen Händen ein Schlitten. Danik rannte in den Flur und begann sich anzukleiden. Die Großmutter blickte aus der Küche heraus, als er schon die Tür öffnete.
„Wohin gehst du?“ fragte sie.
„Gleich, Azheka, ich komme gleich!“ schrie er und machte die Tür zu. Er drückte mit dem Finger auf den Knopf im Aufzug, dieser ratterte irgendwo unten, blieb ein Stockwerk drunter stehen und fuhr wieder nach unten. Danik hatte keine Geduld mehr zu warten. Er rannte die Treppe herunter. Als er aus dem Treppenhaus heraus lief, betrat der Vater den Hof durch das Tor.
„Papa! Papaaaa!“ schrie Danik, rannte zu ihm und breitete die Arme aus. Saken verschnellerte ebenfalls den Schritt. Er warf den Schlitten und die Tüte mit dem Tablet auf die Erde, fing den Sohn im Flug auf und drückte ihn an sich.
Danik drückte sich in den Kragen seines Mantels und dachte: Warum haben sich die Erwachsenen diesen seltsamen Alten mit seinem künstlichen Bart ausgedacht, wenn es doch Gott gibt?