Rote Mohnblumen
Irgendwo im Wald erklang ein Schuss.
„Und im Schnee erblühten wieder die roten Mohnblumen…“ flüsterte Sjaomin ohne den Blick von dem düsteren Wald abzuwenden.
Die Großmutter machte irgendetwas im Haushalt:
„Sjaomin, hör endlich auf, aus dem Fenster zu blicken, bald kehrt der Herr von der Jagd zurück, und das Abendessen ist noch nicht fertig. Geh und bring etwas Holz aus dem Schuppen.“
Sjaomin ging eilend aus dem Haus. Der Schnee legte sich mit weißen Flocken auf die Erde und stürzte die Welt in eine Illusion der Einheit. Die mit Schnee bedeckten Simse der Dächer schienen massiv zu sein und die Figuren darauf – rätselhaft.
Das Traben der Pferde und die Geräusche der Stimmen lenkten sie von ihren Aufgaben ab – der Herr Kang kehrte von der Jagd zurück. Berauschte und fröhliche Freunde des Herren stürmten zuerst in das Haus und erklärten einander laut irgend etwas.
Die Nacht bedeckte das Dorf. Doch es schliefen nicht alle. Ein einsamer Reiter im Wald, welcher sich durch die Bäume vordrang, stieß auf Unebenheiten und Gruben. Endlich fand er das, was er gesucht hat. Das war ein Mensch.
Der Reiter beeilte sich und befestigte das Pferd an den Baum. Er nahm aus der Reitertasche einen weißen Stoff heraus und legte diesen dem Menschen in den Mund.
„Ein goldener Pfeil, leider…atmet er nicht,“ wandte er sich an das Pferd.
Er nahm die Leiche am Zaum, legte sie auf das Pferd und führte dieses zur Wiese.
Er sammelte Holz und zündete ein Lagerfeuer an.
Dann fiel er auf die Knie und begann zu beten.
Und plötzlich entflammte ein riesiges Feuer: Die Feuerzungen berührten fast den Himmel. Im Feuer brannte, möglicherweise jemandes Vater oder Bruder, jemandes Hoffnung oder jemandes Leid – der Reiter fügte immer mehr Holz hinzu und schaute mit leeren Augen auf das Feuer. Das Lagerfeuer war der letzte Tribut.
Das Feuer erlosch: unwahrscheinlich, doch dieser hinterließ nur saubere Asche. Der Reiter stand auf und sammelte diese in eine selbst gemachte Urne ein. Er vergrub sie so tief, wie es die gefrorene Erde zuließ.
Bevor er weg fuhr, band er an den Baum, welcher in der Nähe stand, ein Tuch…mit einer roten Mohnblume darauf.
***
„Herr, er hat wieder nicht auf Sie gehört, stellen Sie sich vor, wieder!“ Die aufgesperrten Augen des Helfers machten den Anschein, als ob sie es nicht gesehen hätten.
„Warum erzählst du mir das, wenn du immer noch nicht erkennen kannst, um wen es sich handelt. Wie ein Tuch mit Mohnblumen darauf?“ Kang wurde böse.
„Leider ja, mein Herr. Wir fanden ein Rosenkranz,“ er gab Kang einen alten, abgeschabten Rosenkranz aus Sandelholz.
„Solche hat mal meine Witwe gehabt.“ Kang zählte die Perlen, schaute sich jede genau an und versuchte in Gedanken, diese zum Sprechen zu bringen. „Er soll sich nicht bemühen, richte es ihm aus. Er kann nicht alle retten, welche ihre Schulden nicht bezahlen.“ sagte Kang.
Der Helfer entfernte sich leise und ließ Kang mit seinem Zorn allein.
„Sjaomin! Wein!“ schrie Kang.
Sie brachte eine Flasche auf einem silbernen Tablett.
„Schenke ein!“ er deutete auf die Schale.
„Natürlich, Herr!“
Gerade hatten sich ihre schneeweißen Hände zum Wein bewegt, schnappte sich der Herr ihre Handgelenke. Kang riss den Ärmel ihres Kleides bis zu Schulter auf und sah eine Vielzahl an Kratzern.
„Was ist das?“ er ließ ihre Hand nicht los.
„Ich habe Feuerholz gesammelt und mich dabei verletzt,“ versuchte sie sich zu befreien.
Er schnappte ihre Haare und roch daran. Sjaomin befreite sich erfolglos und tat sich noch mehr weh.
Kang ließ sie mit solch einer Kraft los, dass die junge Frau hinfiel und den Kopf an der Wand stieß. Er stand auf und beugte sich über sie:
„Warum riechen deine Haare nach Rauch?“
Sie hat noch nie solch bösen Augen gesehen.
„Herr, ich befinde mich immer beim Ofen…“ Sjaomin begann eilig ihr Kleid zu richten und hielt sich dabei am Ärmel fest.
„Was soll man dazu sagen, Mistding?“ er warf den Rosenkranz aus Sandelholz in ihr Gesicht, dieser stieß schmerzhaft ihre Wange und fiel vor ihr hin. „Ich erinnere mich, dass meine Frau sie dir geschenkt hat. Wir konntest du uns so verraten?“
Er nahm sein Gewehr und begleitete Sjaomin mit Kraft vor das Tor.
Dann schubste Kang die junge Frau, diese fiel auf die Erde, und dann schrie er: „Lauf!“ Sie stand langsam auf, wackelte und lief in den Wald. Der Schnee schien ihr heiß zu sein. Die Füße hörten auf, die Kälte zu spüren. Kang folgte ihr langsam. Sie stolperte bei jedem Schritt. Sie fiel hin und kroch. Plötzlich sah Sjaomin eine Gartenlaube. Sie sammelte all ihre Kraft zusammen, sprang auf die Füße und kletterte rein. Sie drehte sich um: Noch eines Sekunde konnte sie die Silhouette Kangs erkennen, und dann verlor sie das Bewusstsein.
Das Schloss Shi Hou
Pfingstrosen und Rosen waren die ersten, die morgens die Sonne begrüßten. Ihre Sonnenstrahlen wärmten die Blumen, die Steinwege und vergoldeten die mystischen Figuren auf den Ziegeln. Die Springbrunnen fielen melodisch mit Tropfen nach unten, um wieder nach oben zu fliegen. Der Garten lebte mit seinen Bewohnern: Irgendwo lief ein, den Schwanz aufgebauschtes, Eichhörnchen, irgendwo ging ein mit einem weichen Schritt, auf der Suche nach einem Schatten, weißer Tiger, und irgendwo ein schwarzweißer Bär, welcher das Bambusrohr auf der Flucht genoss.
Sjaomin öffnete halb die Augen. Das Aroma des Jasmintees und irgendeiner scharfen Suppe stieg ihr in die Nase. Eine Decke mit Drachenbildern, seidene Kissen, Früchte auf dem Nachttisch: sie konnte nicht verstehen, war es ein Traum oder haben die Vorfahren sie zu sich geholt.
Die Kraniche im Weiher beobachteten den winzigen Fisch, mit dem Schnabel die breiten Blätter der verwelkten Lotosblume berührend. Auf dem Hof eilten die Bediensteten hin und her.
„Sie werden heute den Herren Shi Hou sehen,“ sagte eine von ihnen, während sie das Zimmer aufräumte, „er wird im Hauptschloss zu Abend essen und lädt sie ein.“
Das Hauptschloss ähnelte anderen Schlössern dieser Epoche. Er zeichnete sich durch eine Vielzahl an Figuren aus, welche verschiedene Tiere darstellten, und die Fassade sowie den Hauptsaal schmückten.
„Sjaomin ging herein und sah einen gedeckten Tisch.
Plötzlich sprang jemand wie von einer Decke direkt auf den Tron.
„Guten Tag,“ lächelte der Herr des Schlosses.
Sjaomin wurde verlegen: Sie kannte ihn aus Märchen und hätte nicht gedacht, dass sie ihn irgendwann treffen würde.
Vor ihr stand „der die Leere kannte“ – Der König der Affen: der selbe Raufbold Shi Hou – der Magier, welcher die Unsterblichkeit suchte, der mutige Kämpfer und ewige Wanderer. Er sah aus wie ein Affe, doch trug er Menschenkleidung und sprach in der Sprache ihrer Vorfahren.
„Herr Shi Hou?“ fragte sie zögerlich.
„Ja,“ lachte er.
Sjaomin fiel auf die Knie und beugte vor ihm den Kopf:
„Ich danke Ihnen für meine Rettung, wobei ich selbst nicht verstehe, wie dies geschehen ist.“
„Gut-gut, nun steh wieder auf,“ Shi Hou lud sie mit einer Geste zum Tisch ein.
Irgendjemand im Garten spielte eine Flöte: Ihre Klänge, vermischt mit dem Wind flogen bis in den Saal.
Sjaomin unterbrach die Stille:
„Herr Shi Hou, wie haben Sie es geschafft mich zu retten? Ich sah meinen Herren ganz in meiner Nähe als ich in die Gartenlaube sprang…“
„Keiner der Sterblichen kann das Schloss Shi Hou finden, weil sich dieses im Nichts befindet. Und diese Laube ist ein Schutzkreis für diejenigen, denen man helfen soll, und sie wird nur von denen, die reinen Herzens sind, gesehen. Du verschwandest aus der Welt, nachdem du sie betratst und ich schaffte es, dich zu retten,“ antwortete er.
„Gut, dann wissen Sie auch, wie ich zurück komme?“
„Die Welt der Menschen ist ungerecht, ich glaube ihnen nicht, deswegen habe ich diesen Ort erschaffen, du wirst hier bleiben zu deinem Besten,“ er schaute in ihre Augen.
Sjaomins Herz erzitterte wie ein Vogel, welcher bereits im Käfig saß, doch dachte, dass er daraus fliegen kann.
Das Geheimnis Shi Hous
Die Dämmerung ist die aller rätselhafteste Zeit des Tages. Die Zeit, wenn der leuchtende, gesättigte Tag den Stab an die nachdenkliche und weise Nacht übergibt. Eine warme Luft und ein kühler Wind, wie Brüder, spielen miteinander, ohne zu streiten.
In den weit entfernten Zimmern lärmten und lachten laut die jungen Frauen. Sjaomin beschloss zu erfahren, was dort vor sich geht.
Die Frauen standen im Kreis, sprachen sich laut ab und nahmen voneinander den geheimnisvollen Gegenstand. Sjaomin ging näher und verstand, dass es sich um einen kleinen Spiegel handelte.
„Guten Abend,“ grüßte sie die Helferinnen.
Diese erschraken und begannen den Spiegel zu verstecken.
„Habt keine Angst, das bin nur ich. Warum versteckt ihr den Spiegel?“
Die jungen Frauen schauten sich um: Ihr Blick bedeutete, dass Sjaomin etwas nicht wusste.
„Verboten,“ sprach die Jüngste der Frauen, „Man darf den Spiegel nicht im Schloss aufbewahren. Der Herr sagt, diese seien voller böser Geister, welche von dort ausbrechen können.
Alle nickten.
„Das heißt ihr habt keine Angst vor diesen, wenn ihr in den Spiegel blickt?“ lachte Sjaomin.
„Wir…wir…“ sagten die Frauen, „Wir wollten nur hinein blicken, es ist so lange her, dass wir uns angeschaut haben im Spiegel…“
„Es ist doch nichts schreckliches passiert?“ Sjaomin ging zu ihnen und nahm den Spiegel. „Ich werde diesen aufbewahren, dann werdet ihr nicht bestraft werden, und wenn ihr einen Blick rein werfen wollt – kommt zu mir.“
Die Frauen bedankten sich bei ihr und Sjaomin ging zu sich.
Am nächsten Tag sah sie Shi Hou im Garten. Er spielte mit dem Tiger und streichelte dessen weißes Fell.
„Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?“ fragte Sjaomin plötzlich.
Shi Hou senkte die Augen und lächelte weich, plötzlich nahm er sie an der Taille und schmiss sie in den Weiher nebenan.
„Ich habe nur Angst vor Frauen, deren Frisur ruiniert wurde,“ lachte er und ging um nach dem Fuchs zu schauen, welchen er vor kurzem aus der Falle gerettet hat.
Sjaomin war entmutigt: Das heißt, er wird sein Geheimnis nicht einfach so verraten, doch man sollte aus dieser illusorischer Welt irgendwie heraus kommen.
Sie saß am Weiher und entfernte die Algen und Blätter der Lotosblume.
„Die armen Kaulquappen, die dachten, der Himmel hätte sie bestraft und dich geschickt,“ lachte immer noch laut Shi Hou, den Spott von Weitem heraus schreiend.
„Doch sei nicht beleidigt, die Algen verbessern sogar die Gesichtsfarbe,“ konnte er sich nicht beruhigen.
Am Abend rief Shi Hou wieder Sjaomin, um gemeinsam zu speisen.
Sie aßen leise, bis Sjaomin den Kopf hob und fragte:
„Wovor haben Sie denn die größte Angst?“
Er senkte den Kopf und wollte gerade im Scherz antworten, als er sich selbst erblickte. Im Spiegel.
Sjaomin hielt den Spiegel in ihrer ausgestreckten Hand.
Shi Hou erstarrte.
Er erkannte darin seine wahren Ängste und Schmerzen: einen kleinen Affen-Jungen, welcher am Fluss weint und vor Ärger Kieselsteine wirft. Lachende Frauen, welche auf ihn mit dem Finger zeigen. Einen Mönch, welcher ihn für sein schlechtes Verhalten mit dem Stock schlug.
„Gutes Mädchen,“ hörte sie die Stimme einer Alten und sah eine ältere Frau im weißen Umhang. „Ich bin eine der Bediensteten von Jan‘ Van, dem Beherrscher des Königtums der Toten. Danke, dass du uns geholfen hast mit diesem Raufbold Shi Hou. Er ist ein begabter Magier und versteckte eines Tages all seine Ängste in einem Spiegel, nun begegnete er sich selbst. Die Ängste schächten ihn und heute wird Shi Hou mit mit in das Land der Toten gehen.
Shi-Hou saß auf dem Thron und senkte den Kopf au die Brust.
„Er hat dafür bezahlt, dass er die ganze Zeit die Schicksalslinie verdrehte, in dem er alle heilte, die sterben sollten,“ sagte die Alte und hob den Körper Shi Hous wie eine Flocke.
Sjaomin fing an zu schluchzen und verdeckte das Gesicht mit den Händen. Sie hob den Kopf und verstand, dass die auf dem kalten Boden der Laube im Wald sitzt und um sie herum ist nur Schnee.
Der Weg in die Hauptstadt
Sajomin klaute den goldenen Pfeil aus dem Pferdestall Kangs, um zum großem Imperator zu fahren: Wer sonst kann den Landkreisbeherrscher stoppen?
Es begann zu dämmern. Sie ritt aus dem Dörfchen und ließ das Pferd im Schritt gehen. Als sich Sjaomin der Bergstraße näherte, sah sie fünf – sechs Menschen, welche am Lagerfeuer saßen in der Nähe des Pfades.
„Wer bist du? Ein Wanderer?“ zeigten sie Interesse.
Sjaomin bemühte sich, nicht zu antworten, um nicht zu verraten, dass sie eine Frau war. Sie nickte ihnen zu und wollte schneller vorbei reiten, als die Figuren sich vor ihr zeigten und sie von allen Seiten umkreisten.
„Warum beantwortest du nicht unsere Fragen, verehrter Herr? Bist du vielleicht stumm?“
„Nein, doch ich bin hungrig und meine Stimme ist schwach,“ sagte sie
„So sieht es aus. Dann kletter runter zu uns, wir geben dir was zu Essen,“ lud einer der Kerle sie ein und alle fingen an zu lachen.
„Ich danke euch, doch ich bin sehr in Eile.“
„Danach sieht es nicht aus. Du rittst das Pferd im langsamen Schritt und schliefst im Sattel, denkst du wir haben es nicht gemerkt?“
„Bitte lasst mich durch!“
„Nimm sie vom Sattel,“ befahl der Leiter.
„Ich werde Sie enttäuschen, Geld habe ich keines…“ Sjaomin dachte, dass sie Geld brauchten.
„Geld? Mädchen welches Geld, du bist uns teurere als jedes Gold, stimmt es Jungs?“
Einer von ihnen kam ganz nah und berührte mit der rauhen Hand ihre Wange.
„Och, welch eine…“ sagte er und schaute Sjaomin in die Augen.
Diese vergaß fast zu atmen.
„Was heißt, ihr braucht kein Geld? Warum habe ich diesen Sack den ganzen Weg lang mit mir geschleppt?“ sie hörte eine bekannte Stimme. Shi Hou stand daneben, lebendig mit einem großen Sack. Er begann diesen zu drehen, wie eine Feder und stieß damit alle Räuber, ohne Unterschied. Diese verloren das Bewusstsein und fielen auf den Boden.
„Danke, das wievielte Mal retten Sie mich?“ fragte sie
„Und du, wie es aussieht, wirst mich für jede Rettung töten. Interessant zu wissen, wie du es diesmal machen wirst.“ lachte er.
„Wie haben Sie es geschafft von dort weg zu laufen?“ Sie glaubte immer noch nicht daran, dass Shi Hou lebte.
„Du kannst dir nicht vorstellen, welchen Skandal ich ihnen bereitete wegen ihrer Lüge um meinen Tod. Sie mussten mich aus dem Buch der Toten wegstreichen. Nun, erlaubst du mir, mich auf dein Pferd zu setzen oder soll ich neben dir laufen?“
Der Weg zur Hauptstadt wurde um vieles einfacher. Shi Hou konnte das Essen aus der Luft her zaubern, manchmal verwandelte er das Wasser in Suppe, Kräuter in Brot und die Kieselsteine in goldene und silberne Münzen.
Der Weg zur Hauptstadt war weit, deswegen nächtigten Shi Hou uns Sjaomin in den Dörfern. An diesen vorbei fahrend, gingen sie in die Häuser von Armen und beschenkten sie mit allem Notwendigen, besänftigten die lokalen Räuber.
Manchmal in den Bergen, trainierte Sjaomin mit den Säbeln gemeinsam mit Shi Hou, welcher nicht eine Möglichkeit verpasste, sich über ihre schwachen Hände lustig zu machen.
„Ich bin für nichts zu gebrauchen,“ sagte sie einmal, „wenn nicht Sie, würde ich schon längst irgendwo tot liegen.“
„Du bist zu etwas zu gebrauchen, Sjaomin, denn dein Name bedeutet Sonnenaufgang. Du wurdest auch für mich zum Sonnenaufgang, als du mich aus der illusorischen Welt heraus geholt hast, in welcher ich nicht einmal meiner Angst in die Augen blicken konnte. Ich habe nicht darüber gesprochen, doch ich bin dir dankbar. Ich kehrte aus dem Königreich der Toten wegen dir zurück, weil ich deinen Wunsch sehe. Werde zum Sonnenaufgang für dein Volk. Das wird nicht leicht sein: Der Sonnenaufgang legt die Wunden frei, die Ängste, alles was die Nacht mit dem Schlaf verdeckt, deswegen begrüßt der Sonnenaufgang so viele Hindernisse. Doch mach dir keine Sorgen, dass du zu schwach bist, das ist nicht das Wichtigste, dein starker Geist leitet dich und lässt dich nicht fallen,“ dann lächelte er und fuhr fort: „Und wenn die schwachen Beinchen dich wieder im Stich lassen, dann werde ich dich halten.“
Der Ruhm ihrer Handlungen trat bis zu den Ohren des Imperators. Er befahl sie auf seinen Hof zu bringen.
„Ihre imperatorische Hoheit,“ Sjaomin wandte sich an ihn ohne einen Tropfen Angst, „wir sind sehr dankbar für die Einladung auf ihren Hof!“
„Ich danke euch für eure tugendhaften Taten im Verhältnis zu meinen Untergebenen,“ antwortete der Imperator.
Sjaomin erzählte ihm davon, was das Volk zu erdulden hat wegen Kang, worauf hin der Imperator befahl, den Herrscher in die Stadt zu bringen.
„Ihr habt eine imperatorische Auszeichnung verdient. Was hat der Himmel euch noch nicht geschenkt?“ fragte er Sjaomin.
Sjaomin setzte sich auf die Knie und sagte, ohne den Kopf zu heben:
„Ich habe genügend Menschen beerdigt, deswegen würde ich jene retten und heilen, lehren sie mich der Heilkunst.“
***
Sjaomin blieb am Königshof leben, und der Sohn des Waldes Shi Hou begab sich bald auf Wanderschaft.
„Er hat sich schon wieder nicht verabschiedet,“ flüsterte Sjaomin und betrachtete den Spiegel mit der Aufschrift: „ Habe keine Angst davor, der Sonnenaufgang zu sein.“