Elena Klepikova Zhanik und Zhenik

Die grüne Rettung oder wie Zhanik und Zhenik zu Außerirdischen wurden

Bei Zhenik zuhause lebte ein Kater, ganz weiß, wie erster Schnee. Die Mutter kämmte den Kater mit einer speziellen Bürste und träumte davon, dass dieser beim Kater-Wettbewerb den ersten Preis bekommt. Die Ausstellung war schon am nächsten Tag, am Samstag, und die Mutter bat Zhanik, als sie zur Arbeit ging, nach dem Kater zu schauen: ihm spezielle Vitamine zu geben und ihn mehrmals zu kämmen. Damit das Fell ganz seidig wurde.

Zhenik kämmte den Kater zwei Mal  und wollte ihm gerade Vitamine geben, als Zhanik anrief und ihn zu einem Spaziergang einlud.

„Ich kann nicht, ich habe eine verantwortungsvolle Aufgabe, ich bereite den Kater für den Wettbewerb vor.“ sagte Zhenik selbstsicher, „Komm lieber zu mir, dann können wir spielen.“

Zhanik kam schon bald, doch als Zhenik die Tür öffnete, sah er, dass der Freund zerschlagene Knie hatte.

„Ich habe mich zu sehr beeilt,“ Zhanik zeigte auf die steile Treppe. „Ich stolperte und fiel hin.“

„Wir müssen die Knie mit Zelönka bearbeiten,“ Zhenik machte sich Sorgen.

„Das wird weh tun…“ Zhanik igelte sich ein.

„Natürlich wird es, doch es muss sein,“ sagte Zhenik selbstsicher. „Oder willst du dir irgendwas einfangen?“

Die Freunde nahmen den Arzneikoffer heraus. Darin lag ein Verband, Watte, Tabletten, ein Fläschchen mit Baldriantropfen und ein Glas Zelönka.  Zhenik riss ein Stück Watte ab und nahm den Gummideckel vom Glas ab, als sich in sein Bein, durch die Shorts, scharfe Krallen hinein bohrten. „Mjau!“ schrie der Kater verlangend, er roch den Baldrian. Vor Überraschung verlor Zhenik das Glas aus den Händen. Dieses fiel auf den Kater, sein schneeweißes Fell mit Zelönka bedeckend und den Rücken entlang laufend auf den Boden.

„Mama!“ flüsterte Zhenik erschrocken,“ „Die Ausstellung…“

Zhanik verstand – den Freund muss man retten:

„Schnappe dir schnell den Kater, wir waschen ihn!“

Die Jungs eilten ins Badezimmer. Zhanik füllte die Wanne mit Wasser und sie versuchten, den Kater rein zu setzen. Doch dieser kämpfte wie ein Löwe. Die Hände der Freunde wurden von Kratzern bedeckt, doch sie schafften es, den Kater ins Wasser zu setzen.  Die Spritzer flogen in alle Seiten. Bald wurde im Umkreis alles grün. Die Zelönka ging nicht ab, sie vermischte sich mit Wasser.

Der Kater jaulte, befreite sich von den Händen und lief davon, grüne Spuren hinter sich lassend. Die zerkratzten Freunde schauten sich gegenseitig an.

„Oh, oh, oh,“ Zhenik bedeckte die Augen mit den Händen, die Tränen flossen wie Bäche – die Ausstellung…Mama…“

„Hör auf zu heulen! Hast du etwa zu wenig Wasser?! Schrie Zhanik. „Die Tränen werden deiner Sorge nicht helfen, lass uns hier aufräumen und uns dann uns mit diesem grünen Wasser waschen. Alles gerecht, der Kater ist grün und wir genauso.“

„Man wird uns so nicht in die Schule lassen!“

„Wird man. Wir sagen, dass wir Opfer des Katers und der Zelönka sind.

Als die Mutter nachhause kehrte und das Zimmer betrat, glaubte sie ihren Augen nicht. Auf dem Sofa saßen zwei grüne Jungs und zwischen ihnen, ein flauschiger grasgrüner Kater.

Die Mutter war sehr enttäuscht, doch ließ sie es sich nicht anmerken und sagte:

„Ihr werdet morgen beide mit mir zur Ausstellung gehen! Und den Kater werdet ihr mitnehmen. Außerirdische…“

Natürlich bekamen sie nicht den ersten Preis. Dafür bekamen sie  die aller wichtigste Auszeichnung – den Preis der Sympathie der Zuschauer.

Der goldene Fisch oder wie Zhanik und Zhenik sich etwas wünschten

Zhanik hat einen Fisch geschenkt bekommen. Keinen einfachen – einen Goldfisch. Zusammen mit einem Aquarium. Im Aquarium war ein Sauerstoffkompressor und elektrisches Licht, verschiedene Algen und ein Steinberg und sogar ein Spielzeug-Taucher. Ein cooles und schönes Aquarium. Doch der Goldfisch ist noch schöner. Zhanik rief den Freund Zhenik zu sich, um gemeinsam den Fisch zu bewundern.

So saßen die Freunde da. Sie saßen zehn Minuten, zwanzig, eine halbe Stunde – beobachteten wie der Fisch die Flossen im Wasser bewegt. Und den Jungs schien es als ob der Fisch sie durch das Glas beobachtet und irgend etwas sagen möchte.

Da drückte Zhenik seinen Freund mit der Schulter:

Zhanik, der Goldfisch hat dem Alten alle Wünsche erfüllt. Lass uns ihn auch um etwas bitten.

„Au ja!“ freute sich Zhanik. „Lass uns das machen!“

Sie begannen Wünsche zu äußern: über ein Mountainbike, über längere Ferien, über einen Bulldoggenwelpen  und einen Eimer Eiscreme. Der Fisch erfüllte keinen einzigen Wunsch. Er wedelte bloß mit dem Schwanz und versteckte sich hinter dem  Steinberg.

„Nein, so geht es nicht,“ Zhenik kratzte sich am Nacken, „Damit sie uns unsere Wünsche erfüllt, müssen wir sie mit einem Fischnetz fangen.

„Wir haben kein Fischnetz,“ sagte Zhanik traurig.

„Dann fangen wir ihn mit einem Kescher!“ Zhenik war sehr selbstsicher.

Die Freunde nahmen einen Kescher und fingen den Fisch. Sie begannen neue Wünsche zu äußern. Doch wieder alles umsonst – nichts geschah. Der Fisch riss das Maul weit auf, als ob er bitten würde: „Lasst mich raus.“

Was sollte man tun? Sie ließen den Fisch ins Wasser zurück. Sie gingen um das Aquarium herum, machten das Licht an und den Sauerstoffkompressor auf volle Stärke. Die Luftblasen im Wasser begannen vom Boden in die Höhe zu steigen und der Fisch wurde davon eingefangen und erstarrte. Endlich sagte Zhanik:

„Ich habe verstanden. Der Fisch hat nur dem Alten die Wünsche erfüllt. Aus Respekt zum Alter.“

„Wir sind doch keine Alten. Wir müssen bis zum Alter – och – noch ewig warten.“

„Nein, so lange warten möchte ich nicht. Wir müssen mit Hinterlist vorgehen.  Wir müssen so tun, als wären wir der Alte,“ Zhanik brachte einen Fuchskragen von Mutters Mantel und befestigte ihn wie einen Bart. Doch der Bart nutzte auch nichts. Der Fisch erfüllte keinen einzigen Wunsch. Nicht mal den aller kleinsten.

Die Freunde wurden ganz traurig. Und da erinnerte sich Zhanik plötzlich:

„Ohne Fleiß wirst du keinen Fisch aus dem Teich fangen! Wir müssen ihn ins Meer lassen, dann mit einem Fischernetz fangen und dann wieder frei lassen. Und erst dann uns etwas wünschen.

„Das hast du dir gut ausgedacht,“ Zhenik schaute mit Respekt auf den Freund. „Nur das Meer ist so weit weg, und wir sind hier.“

„Vielleicht fahren wir im Sommer zum Meer und nehmen den Fisch in einem Glas mit.“ zuckte Zhanik mit den Schultern. „Dann werden wir es überprüfen.“

Die Freunde fütterten den Goldfisch und begannen auf den Sommer zu warten.

Ein unechter Name oder wir Zhanik und Zhenik ein Buch schrieben

Eines Tages hatte Zhanik eine geniale Idee: ein Buch zu schreiben. Entschieden – getan. Er bereitete den Arbeitsplatz vor – räumte alles weg von seinem kleinen Schreibtisch, wischte die Tischfläche mit einem Tuch ab. Er fand ein sauberes dickes Heft mit Linien, einen neuen Kugelschreiber und setzte sich an den Tisch. Was weiter? Zhanik wusste es nicht. Dann legte er das Heft vor sich und schrieb darauf „Buch des Schriftstellers Zhandos“.

Das Wort „Buch“ gefiel ihm nicht.  Er strich das Wort durch und schrieb oben „Roman“. „Roman“ gefiel ihm noch weniger und er strich auch dieses Wort durch. Dann dachte er nach und schrieb „Erzählung“. „Erzählung“ schien ihm irgendwie nicht solide zu sein. Dann schrieb er oben das Wort „groß“, das schien Zhanik zu wenig zu sein und er schrieb vor das Wort „groß“ das Wort „sehr“. Er las es vor und das Geschriebene gefiel ihm: „Eine sehr große Erzählung des Schriftstellers Zhandos“.

Zhanik lachte zufrieden und ging in die Küche um Tee mit Keksen zu trinken. Er kaute den Keks und dachte, dass er das Buch nicht unter seinem eigenen Namen schreiben wollte. Jeder Autor soll ein Pseudonym haben. Das hatte er einmal in einer zufälligen Serie über Literatur gesehen.

„Pseudonym, das ist ein ausgedachter, unechter Name,“ dachte sich Zhanik. „Damit das Buch gut wird, muss man sich ein gutes Pseudonym ausdenken. Zum Beispiel Zhan Vseznajskij oder nein, Zhan der Großartige…“ Seine Gedanken wurden von einem Schrei von draußen unterbrochen. Zhenik rief seinen Freund zu einem Spaziergang. Zhanik schaute aus dem Fenster:

„Zhenik, störe mich nicht! Ich denke mir gerade ein Pseudonym aus!“

Zhenik war so verwundert, dass er gar nicht verärgert wurde wegen des „störe mich nicht“:

„Was denkst du dir aus?!“

„Ein Pseudonym. Ein unechter Name.“

„Wozu brauchst du einen unechten Namen?“ Zhenik verlor den Ball aus den Händen. „Hast du vor, dich vor irgendwem zu verstecken?“

„Ich habe beschlossen, ein Buch zu schreiben!“ schrie Zhanik stolz aus dem Fenster.

„Und das nennt sich Freund!“ Zhenik war sichtlich beleidigt. „Vielleicht möchte ich auch ein Buch schreiben. Und diesen unechten Namen möchte ich auch.“

„Gut, komm zu mir hoch, wir werden gemeinsam schreiben, Doch zuerst suchen wir uns ein Pseudonym, sonst wird nichts klappen.“

Zhenik ging zu Zhanik, sie tranken noch etwas Tee und aßen Kekse. Eigentlich wollte Zhenik gar kein Tee, doch Zhanik sagte, dass echte Schriftsteller vor der Arbeit immer Tee trinken.

Nach dem Tee setzten sich die Freunde an den Schreibtisch und begannen sich ein Pseudonym auszudenken. Nach zwei Stunden war das Heft von beiden Seiten mit unechten Namen beschriftet . Zhenik war schrecklich müde: das schien eine schwere Arbeit zu sein – sich ein Pseudonym auszudenken. Am Ende sagte er:

„Zhanik, lass uns ein Pseudonym aus unseren beiden Namen machen. Schau: Zhandos – einen Seelenfreund haben wir schon. Und den Nachnamen machen wir aus meinem Namen Evgenij: Das Ev nehmen wir weg, dann bleibt „Genij“. Dann fügen wir eine Endung hinzu und es kommt raus „Genial“. Dann ändern wir die Stelle des Vor – und Nachnamen und ändern „eine große Erzählung“ in „Buch“ um. Und dann kommt raus…“ er machte die erste Seite auf und schrieb mit großen Buchstaben: Das Buch: Ein genialer Seelenfreund.“

„Es ähnelt zwar mehr einem Titel als einem Pseudonym. Doch das macht nichts.“

Zhanik umarmte Zhenik, vor Begeisterung konnte er nicht einmal zusammenhängend sprechen:

„Nun denn,geliebter  Mitautor! Wie wundervoll! Wann fangen wir an das Buch zu schrieben?“

„A!“ Zhenik winkte mit der Hand ab. „Wann wir wollen, dann beginnen wir auch. Das wird so oder so genial sein.

Und sie liefen auf die Straße, um Fußball zu spielen.

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