Al’ka und Buhtik
Och, wie langweilig es in den Ferien sein kann! Al’ka konnte sich so etwas nicht vorstellen und die ganze erste Klasse wartete, wann endlich der Sommer kommt. Und nun sitzt er auf dem Balkon und langweilt sich. Alles deswegen, weil sein bester Freund Danja zu seiner Großmutter gefahren ist. Nun hat er niemanden, mit dem er Fußball spielen kann und Mädchen ärgern. Dazu kam noch, dass die Mutter das Internet ausgeschaltet hat und ihn zwingt, ein Buch zu lesen. Und lesen wollte Al’ka nun wirklich nicht.
Nun lenkte sich Al’ka von seinen traurigen Gedanken ab, weil aus dem Treppenhaus der Bärenkerl Timka heraus ging, der es liebte irgendeinen Mist zu quatschen und anzugeben.
„Hallo!“ rief er und lächelte breit. Sein rundes Gesicht wurde noch breiter, die schmalen Augen und dünnen Lippen verwandelten sich in Bindestriche und die Nase ähnelte einer gekochten Teigtasche.
„Guten Tag,“ grunzte Al’ka.
„Ich habe gestern eine große Meeräsche gefangen,“ Timka breitete die Arme breit aus und zeigte: So groß!“
„Du lügst!“
„Ehrlich! Neben den Adlerfelsen gibt es viel Fisch, der schwimmt dort scharenweise. Komm, ich zeige es dir,“ sagte Timka und streichelte sich über die strubbligen schwarzen Haare. Der ganze Hof wusste, dass wenn er das tat, er nicht die Wahrheit sagte.
„Keine Lust,“ antwortete Al’ka,
„Wie du willst,“ Timka zuckte mit den Schultern und verschwand hinter der Ecke.
Al’ka beschloss auch zum Meer zu gehen, nur an einem anderen Ort. Er lebte in einem Haus, welches sich fast am Ufer des Kaspischen Meeres befand und seine Eltern erlaubten ihm alleine spazieren zu gehen. Er legte den Angelköder in den Eimer, nahm die Angel und sprang nach draußen.
Bald kam er zu dem Muschelfelsen. Ein Wind wehte, das Meer war vom winzigen Kräuseln bedeckt. Hinter dem Muschelfelsen verbarg sich eine kleine Bucht, wohin die Schwärme fröhlicher Fische schwammen. Al’ka warf die Angel ins Wasser und begann zu warten.
Die Sonne brannte unauffällig auf den Kopf und Al’ka beschloss sich zu erfrischen. Er zog das Shirt aus, die Shorts, doch das silberne Amulett behielt er an seiner Brust. Als der Großvater ihm zum Geburtstag dieses Schutz-Amulett geschenkt hatte, befahl er streng, dieses nie abzulegen.
Al’ka sprang ins Wsser und schwamm schnell zur kleinen Grotte.
Plötzlich hörte man in der Nähe ein Fauchen. Al’ka drehte sich um und sah in der Tiefe der Grotte zwei leuchtende Augen. Dann sah er eine kleine Robbe mit einem weißen Streifen auf dem Kopf.
„Warum versteckt sie sich da?“ sagte Al’ka laut.
„Ich bin stecken geblieben,“ fauchte wehleidig das Tier zur Antwort.
„Du kannst sprechen?!“ fragte Al’ka.
„Natürlich kann ich,“ fauchte die Robbe und war etwas beleidigt.
Al’ka war natürlich sichtlich verwundert, doch er ließ es sich nicht ansehen. Als ob man jeden Tag sprechende Tiere trifft! Die Robbe wedelte mit den Flossen, welche sich in einem Fischernetz verheddert hatten.
„Och, du bist wirklich dort stecken geblieben! Warte, ich werde ein Messer holen,“ sagte Al’ka und schwamm zu dem Platz, wo er seine Sachen gelassen hatte. Er nahm ein Taschenmesser aus der Tasche und schwamm eilig zurück.
Er hat es gerade so geschafft, das Netz durch zu schneiden, und die Robbe sprang fröhlich ins Wasser, so, dass die Spritzer, einer Fontäne gleich, durch die Luft flogen.
„Ich heiße Al’ka, und du?“ fragte Al’ka als die Robbe wieder auftauchte.
„Wir haben keine Namen, wir sind ja keine Menschen,“ fauchte die Robbe.
„Lass uns einen ausdenken!“ schlug Al’ka vor. „Buhtik! Ich habe dich schließlich in einer Bucht gefunden.“
„Ihr Menschen seid so seltsam, doch gegen Buhtik habe ich nichts einzuwenden,“ antwortete die kleine Robbe und verschwand im Wasser. Al’ka tauchte ebenfalls unter, ihm folgend. Buchtik und Al’ka schwammen schnell, sie hatten das Gefühl, die Wellen zu überholen.
„Och, meine Mutter wartet!“ bemerkte plötzlich die Robbe. „Ich bin noch klein, ich darf mich nicht zu weit von der Kolonie entfernen.“
„Bist du morgen hier?“ fragte Al’ka.
„Das weiß ich nicht,“ sagte Buhtik. „Meine Mutter sagt, dass hier überall Gefahr lauert.“
„Wozu bin ich da? Ich werde auf dich aufpassen,“ versprach Al’ka.
Die kleine Robbe sah ihn verständnislos an. Al’ka war hoch und dürr, mit herausstehenden Knien, Rippen und Ohren. Die dunklen Haare standen zu allen Seiten ab. Um es mit einem Wort zu sagen – er machte nicht den Eindruck eines Bärenkerls.
„Und ich werde auf dich aufpassen,“ antwortete die kleine Robbe, wedelte zum Abschied mit den Flossen und verschwand im Wasser.
Auf dem Nachhauseweg war Al’ka traurig, dass Dani nicht in der Stadt war. Der Vater ist zu ernst, er wird ihm nicht glauben, dass er eine sprechende Robbe getroffen hat, und Mutter wird sich erschrecken und ihn zum Arzt schicken.
Am Morgen hat Al’ka gewartet, bis Mutter und Vater zur Arbeit gegangen sind. Er wusch sich schnell, schnappte sich ein Brot mit Käse und lief zum Meer. Von weitem sah er die kleine Robbe, dieser schaukelte auf den Wellen.
„Hey!“ schrie Al’ka ihr zu.
„Spring ins Wasser!“ rief Buhtik.
Sie spielten miteinander fast bis zum Mittag. Al’ka brachte dem neuen Freund bei, wie man Steine aus dem Wasser holt und Buhtik lehrte ihn wie man tief taucht.
Am nächsten Tag lief Al’ka wieder zum Ufer, doch anstatt Buhtik erblickte er Timka neben der Grotte. Er stand bis zur Taille im Wasser, zog an einem Fischernetz, in welches sich jemand verheddert hat.
„Komm her und hilf mir! Alleine kann ich das nicht heraus ziehen!“ Schrie Timka.
In der Falle zappelte verzweifelt Buchtik, der mit allen Kräften versuchte, heraus zu kommen. Timka hielt das Netz fest.
„Lass ihn frei!“ – schrie Al’ka und warf sich auf Timka. Dieser schlug Al’ka direkt ins Auge, so dass Funken entstanden. Er fiel ins Meer, doch tauchte bald wieder auf und krallte sich wie eine Bulldogge in Timka, diesen ins Wasser zehrend. Sie plätscherten und schlugen sich gegenseitig mit den Fäuste.
Die kleine Robbe konnte sich in der Zeit befreien, sie kreiste um sie herum und machte sich Sorgen um den Freund.
„Buchtik, schwimme schnell fort!“ schrie Al’ka.
„Auf Wiedersehen!“ fauchte die Robbe und verschwand im Wasser.
Timka stieß Al’ka von sich fort und sagte mit Ärger:
„Das macht nichts, ich werde ihn noch fangen! Und ihn für Geld im Delfinarium verkaufen, verstanden?!
Al’ka kroch auf das Ufer, aus der Nase floss das Wasser, und in den Ohren rauschte es. Er beruhigte sich, ging nach Hause, um rechtzeitig das Shirt und die Shorts zu trocknen, so lange die Mutter noch nicht von der Arbeit zurück gekehrt war.
Nachts befiel Al’ka eine starke Hitze.
„Ich muss zum Meer. Buchtik wartet,“ er wand sich im Bett hin und her.
„Dir ist wieder schlecht…was soll man nur machen?“ weinte die Mutter und rieb ihn mit Wodka ein. Der Vater saß daneben und maß alle fünf Minuten das Fieber.
Buchtik schwamm drei Tage zum Muschelfelsen, kroch sogar aufs Ufer und riskiere dabei, gefangen zu werden. Doch Al’ka kam nicht wieder.
Als er gesund wurde, war das erste was Al’ka tat, zum Meer zu laufen. Er suchte den Freund jeden Tag und schwamm weit hinter die orangen Bojen. Buchtik war verschwunden.
Bald kam auch Danja wieder, seine hellen Haare wurden von der Sonne trocken wie Stroh, die Nase schälte sich und auf dem Gesicht tauchten Sommersprossen auf.
Al’ka hat ihm alles erzählt, über Buchtik und über den Kampf.
„Und diese Robbe kann sprechen?“ fragte der Freund ungläubig.
„Du glaubst es nicht? Irgendwann wird Buchtik sicher zurück kehren, dann wirst du es sehen! Sagte Al’ka. Er war gar nicht böse auf Danja, denn er war selbst verwundert, als er die sprechende Robbe traf.
„Lass uns am Abend zum Meer gehen?“ schlug Danja vor.
Doch nach dem Mittagessen wurde das Wetter schlechter: schwere Wolken tauchten auf und der Regen fiel wie eine Wand. Die See wurde ganz stürmisch – die Wellen schlugen mit aller Kraft gegen das Ufer. Das Unwetter hielt noch einige Tage an. Als die Sonne raus kam, gingen Al’ka und Danja zum Muschelfelsen. Auf dem Weg trafen sie Timka, doch sie wollten ihn nicht mitnehmen. Sie kletterten auf steinernen Felsen, sammelten Muscheln und hörten von unten ein plötzliches Fauchen – bei der Grotte zeigte sich die kleine Robbe mit dem weißen Streifen auf dem Kopf.
„Buchtik, schwimme hier her!“ schrie Al’ka und lief auf ihn zu.
„Hurra, also ist es die Wahrheit!“ freute sich Danja.
„Ich habe so lange gewartet, du bist nicht gekommen.“ fauchte Buchtik beleidigt.
„Ich war krank,“ sagte Al’ka schuldbewusst. „Warum bist du so lange nicht her geschwommen? Ich dachte schon, Timka hätte dich gefangen.“
„Wir haben uns auf den Robben-Inseln versteckt. Weit weg von hier,“ erklärte Buchtik.
Al’ka wandte sich an Danja:
„Siehst du, und du hast es mir nicht geglaubt!“
Danja schaute Al’ka seltsam an und sagte dann:
„Er faucht und spricht nicht.“
Al’ka wandte den Blick verstreut auf Buchtik.
„Nur du verstehst unsere Sprache,“ sagte die kleine Robbe.
„Aber warum?“
„Wegen des silbernen Anhängers,“ fauchte Buchtik.
Al’a wunderte sich, nahm das Amulett ab und begann es zu betrachten. Nichts besonderes – ein Anhänger wie ein Anhänger. Rund, alt, in der Mitte ist ein Wolf gezeichnet.
„Leg die das um den Hals,“ er reichte das Amulett Danja. „Das ist ein magisches Amulett!“
Danja legte ihn sich um den Hals, doch konnte er die Sprache Buchtiks trotzdem nicht erkennen.
„Das wird nicht klappen, denn es ist dein Amulett,“ fauchte Buchtik.
„Du bist ein wahrer Fantast, Al’ka!“ lachte Danja. „Lass uns lieber mit ihm spielen!“
Buchtik machte Purzelbäume, tauchte unter und nahm Steinchen vom Meeresboden mit, und Danja und Al’ka rannten auf dem Ufer hin und her.
Von Weitem wurden sie von Timka beobachtet.
Schon abends, vor dem Schlafengehen, fragte Al’ka den Vater:
„Stimmt es, dass das Amulett magisch ist?“
Der Vater zog die Vorhänge zusammen, erstarrte, drehte sich dann um und schaute auf den Sohn. Seine dichten Augenbrauen zogen sich zusammen, die braunen Augen wurden dunkler, er rieb sich den Nasenhöcker und sagte:
„So hat es Großvater gedacht. Das Amulett trug noch dein Urgroßvater, und davor der Urgroßvater des Urgroßvaters.“
„Ich traf eine sprechende Robbe und verstand sie von seinem ersten Fauchen an.“
„Nun schlafe, und rede keinen Unsinn, es ist schon spät,“ der Vater richtete die Decke, machte das Licht aus und ging heraus.
Al’ka nahm das Telefon von der Schublade, versteckte sich mit dem Kopf unter die Decke und rief den Großvater an. Al’kas Großvater lebte in einem kleinen Aul, nicht weit weg von der Stadt:
„Hallo, das bin ich,“ flüsterte er.
„Was ist los?“ fragte der Großvater besorgt.
Da hat Al’ka ihm alles erzählt: über Buchtik, über das magische Amulett, darüber, dass ihm niemand glaubt.
„Mhh,“ sagte der Großvater zur Antwort und verstummte.
„Glaubst es mir auch nicht?“ wurde Al’ka traurig.
Endlich konnte er am anderen Ende die Stimme des Großvaters hören:
„Versprich mir, das Amulett immer zu tragen und nichts zu fürchten,“ hörte er endlich die Stimme des Großvaters. „Es kommt die Zeit, da werde ich dir alles erklären.“
„Wann kommt die Zeit? Muss ich noch lange warten?“
„Halte noch etwas aus. Und nun geh schlafen.“
Al’ka atmete auf, wand sich ein paar Mal hin und her und schlief bald ein.
Al’ka und der schwarze Pinsel
Al’ka und Danja beschlossen Fahrrad zu fahren – morgens, so lange es noch nicht so heiß war. Sie fahren am Ufer entlang und bleiben stehen, um was zu trinken. Dann sehen sie ein Mädchen, welches neben ihrer Mutter auf der Bank sitzt. Sie scheint nicht mehr so klein zu sein, und weint in Strömen.
„Magst du Eiscreme?“ fragt ihre Mutter sie.
„Ich mag nicht!“ und sie weint weiter.
„Die Jungs schauen dich schon an. Es ist peinlich!“
„Wenn man ihnen den schwarzen Pinsel weg genommen hätte, würden sie auch weinen,“ sagte das Mädchen und griff nach dem Korb, der daneben stand.
Und da sitzt eine rote Katze. Blickt mit blauen Augen und wackelt mit den schwarzen Pinseln auf den Ohren.
„Wozu brauchst du ein solches Untier?? Sie beißt und kratzt,“ sagt die Mutter.
„Sie ist freundlich! Vielleicht behalten wir sie?“ fragte das Mädchen.
„Es ist schon beschlossen, wir bringen sie in ein Zoogeschäft.“
Die Mutter griff nach dem Korb, als die rote Katze heraus sprang und zur Seite entwich. Die Mutter mit Geschrei hinter dem schwarzen Pinsel, das Mädchen hinterher. Al’ka und Danja fuhren ebenfalls hinter der Geflüchteten, mit den Rädern waren sie schneller. Doch iwo, kann man sie etwas einholen?
Al’ka hat sich dann den ganzen Abend an den schwarzen Pinsel erinnert, vor allem an die Augen – blau-blau.
Am nächsten Tag ging er los, um die rote Katze zu suchen. Er schaute am Ufer unter jeder Bank nach, hat alles Büsche durchsucht. Nirgendwo war der schwarze Pinsel zu finden. Al’ka wurde müde und beschloss den Freund zur Hilfe zu rufen.
„Danja, komm raus!“ schrie er in die Sprechanlage.
„Ich komme runter,“ antwortete Danja. Al’ka spazierte in Erwartung neben dem Treppenhaus.
Plötzlich sprang vom Baum der schwarze Pinsel und als er Al’ka erblickte begann er böse auf zu murren:
„R-R-R.“
„Wenn du murrst, wird dich niemand mit nach hause nehmen,“ sagte Al’ka streng und ging für alle Fälle einen Schritt zurück.
Da erblicke der schwarze Pinsel das silberne Amulett um seinen Hals und wich zurück.
„Ich bin ein Karakal, ein Steppenluchs. Ich habe nicht vor in einem Haus zu leben.“
„Oh, ich verstehe nicht nur Buchtik!“ wunderte sich Al’ka, schaute sich um und griff nach dem Amulett. „Ich dachte, du seist eine Katze.“
„Das auch noch!“ fauchte der schwarze Pinsel. Ich bin vom Plateau Ustjurt, dorthin werde ich auch zurück kehren – zu meiner Mutter.“
„Onkel Jegor wohnt dort. Das ist doch sehr weit! Wie kamst du hierher?“
„Ein böser Mensch hat mich in eine Falle gelockt und mich weg gebracht,“ beschwerte sie sich.
In diesem Augenblick kam Danja auf den Hof. Sie beschlossen beide, dass Danja Katzennahrung und einen Karton mitbringt , Al’ka fragt den Vater nach Hilfe.
„Bleib hier sitzen, lauf nirgendwohin,“ sagte Al’ka dem schwarzen Pinsel.
´“R-R-R,“ antwortete der schwarze Pinsel und versteckte sich hinter den Baum.
Al’ka stürmte schnell nach Hause und er schaffte es noch nicht herein zu kommen, schon schrie er:
„Papa, darf ich eine Katze mitbringen?“
Der Vater Al’kas ist ein ernster Mensch, er antwortete nicht sofort, zuerst kniff er die Augen zusammen, rieb den Nasenhöcker, ging hin und her und sagt dann irgendetwas.
Al’ka stand neben der Tür und wartete geduldig.
„Die Mama ist allergisch, weißt du es nicht mehr? Ich werde sie Onkel Jegor geben wenn er kommt.“
„Aha! Als ob er nicht genug wilde Tiere hätte.“
Al’ka lief wieder in den Hof.
„Und nun?“ fragte Danja.
„Man hat es mir nicht erlaubt,“ atmete Al’ka aus. „Lass uns sie auf meiner Etage einquartieren, ich werde sie bewachen.“
Sie stellten den Karton neben die Eingangstür, legten auf diesen Al’kas Schal, der schwarze Pinsel kletterte darein. Al’ka stand bis zum späten Abend bei ihr, bis seine Mutter ihn gerufen hatte:
„Al’ka, komm nach hause!“
„Darf ich noch etwas hier bleiben, Mama?“
„Nichts da, es ist Abendbrot-Zeit.“
Al’ka verabschiedete sich von dem schwarzen Pinsel und betrat die Wohnung. Dann lief er zur Tür und schaute in das Guckloch, ist dem schwarzen Pinsel auch nichts zugestoßen?“
„Was geschieht hier? Los, sag,“ forderte der Vater, als er ihn bei der Eingangstür erblickte.
Al’ka sagte ihm alles, bzw. fast alles, bis auf das Gespräch mit dem schwatzen Pinsel.
Der Vater schaute in den Korb und wählte sofort Onkel Jegors Nummer:
„Hallo, ich grüße dich, wir haben einen Karakal gefunden, wohl einen wilden.“
Weiter sagte er nichts verständliches, nur „aha“, „m-m“, „aha“, „m-m“, dann machte er das Telefon aus und sagte zu Al’ka:
„Du hast Glück, Jegor wird morgen hier sein, er wird schauen, was für ein Tier das ist.“
Nachts konnte Al’ka nicht schlafen, er sorgte sich um den Karakal.
Der schwarze Pinsel dagegen schlief fest. Er träumte vom Plateau Ustrjut. Davon, wie er und Mutter durch die gelbe Steppe rennen, so schnell, dass der Wind in den Ohren pfeift und die Pinsel sich bewegen.
Zum Mittag des Folgetages kam Onkel Jegor. Als er den Karakal sah, kniff er die Augen zusammen:
„Hör mal, das ist wirklich ein Steppenluchs. So sieht es aus.
„Sie sieht wie eine normale Katze aus,“ der Vater zuckte mit den Schultern.
„Ja, ich würde nur ungern eine solche Katze in der Steppe treffen. Sie kann vier Meter weit springen. Du kannst nicht weg laufen. Diese ist noch klein,“ sagte Onkel Jegor.
In dieser Zeit unterhielt sich Al’ka mit dem schwarzen Pinsel:
„Hab keine Angst vor Onkel Jegor. Er wird dich nach Ustrjut zurück bringen. Beiße und kratze nicht.“
„Danke dir,“ murrte zärtlich der schwarze Pinsel und sprang auf den Rücksitz des Geländefahrzeugs.
Onkel Jegor setzte sich ins Auto, winkte mit der Hand und fuhr davon.
„Sohn, du bist super!“ sagte der Vater.
„Papa, ich kann jetzt allen Tieren helfen.“
„Natürlich, nur hilf erst einmal der Mutter beim Staubsaugen, wie du es versprochen hast,“ lächelte der Vater, und als er die Enttäuschung im Gesicht Al’kas gesehen hat, fügte er hinzu:
„Sollen wir die Rettung des Karakals mit einem Essen und Getränk feiern?“
Sie gingen zum Café am Ufer, dort sah Al’ka wieder dasselbe Mädchen mit seiner Mutter.
„Die Katze ist verschwunden,“ beschwerte sie sich, ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Das war keine Katze, sondern ein Wildluchs! Sie wurde nach Ustrjut gebracht,“ sagte Al’ka. Als das Mädchen es hörte, freute es sich und wollte sofort ein Eis.
Al’ka, Tomka und die Möwe
Am Vorabend ging Al’ka spät schlafen. Er spielte zu lang Computer und bemerkte nicht, wie die Nacht begann.
„Hey Schlafmütze, steh auf,“ hörte man in der Frühe eine klingende Stimme.
Al’ka erinnerte sich mit Enttäuschung, dass bei ihnen seine Cousine zu Gast ist, Tomka. Überhaupt kommen im Sommer viele zu Besuch, weil Al’kas Familie am Meer wohnt, man kann sogar ein Stück des Strandes vom Fenster aus sehen.
In Wirklichkeit hieß Tomka Tamiris, wie eine altertümliche Skythenkönigin, weshalb sie sich wie eine Prinzessin verhielt, sie kommandierte herum und schmollte. Tomka war ein schönes Mädchen mit grünen Augen und kastanienbraunen Haaren. Wenn sie zusammen auf den Hof gingen, dann warteten sie Jungs auf sie. Sogar Timka, der aller geizigste Junge auf der Welt, schenkte ihr einen Notizblock und kaufte ihr ein Eis. Ach was, der Timka – Danja nahm sie mit ins Kino und vergaß Al’ka ganz!
Das nannte sich bester Freund! Oh, Al’ka war sichtlich enttäuscht.
„Aufwachen!“ die Mutter schüttelte die Decke, „Wasche dich, es ist Zeit zum Frühstück.“
„Mama, Tomka soll bald weg fahren, die nervt so,“ sagte Al’ka
„Ach was,“ sagte die Mutter und breitete die Arme aus. „Sie ist ein nettes und schönes Mädchen, ich mag diese Worte von dir nicht hören.“
„Aha, wenn du gesehen hättest, wie sie auf dem Hof angegeben hat, dann würdest du anders denken,“ murmelte Al’ka.
„Es reicht, hör auf dich zu beschweren, führ den Gast lieber zum Meer, macht einen Spaziergang. Ich habe auf der Kommode Geld für euch gelassen, nimm es mit.“
Die Mutter ging zur Arbeit.
Al’ka machte sich lustlos fertig, er und Tomka frühstückten fluffige Fladenbrote mit Honig.
„Nimm meine Kappe mit, sonst wird die Sonne dir auf den Kopf scheinen,“ sagte er zur Cousine.
Tomka würde um nichts in der Welt die rote Kappe aufsetzen mit dem Kleid von smaragdgrüner Farbe. Sie achtete auf die Mode und hat einen vollen Koffer mit Kleidung mitgebracht.
„Lass uns zu den rosa Felsen gehen,“ rief Al’ka sie.
„Ist es weit?“ beschwerte sich der Gast und probierte einen zuckersüßen Strohhut mit einem seidenen Band an.
Tomka liebte es eher in der Stadt spazieren zu gehen, damit die entgegenkommenden Menschen ihre Schönheit bewunderten. Doch sie hat noch nie im Leben rosa Felsen gesehen und wurde neugierig.
Als sie zum Ufer kamen, gefiel es Tomka dort. Sie machte Fotos von Felsen aus Meeresmuscheln und machte nicht weniger als hundert Aufnahmen.
Derweil konnte Al’ka flache Steinchen sammeln, auf dem Sand mit dem Ast eine Robbe zeichnen und am Ufer entlang laufen. Dann warfen sie Kieselsteine in Wasser und kletterten auf den Rollsteinen.
„Schau!“ Al’ka zeigte auf ein kleines Nest aus trockenen Grashalmen und Federn. Darin lagen drei kaffeefarbenen Eier.
„Oh, wie süß,“ Tomka wollte diese berühren.
„Rühre sie nicht an, sonst zerstörst du das Nest!“ Al’ka packte sie am Arm.
Plötzlich konnte man hinter der Wand ein böses „Sch-sch-sch“ hören.
Aus dem Gras schaute ein rautenförmiger Kopf heraus mit flimmerfreien Augen. Das war eine riesige Natter mit schwarzen Streifen.
„A-a-a! Eine Schlange! – rief Tomka erschrocken.
„Tomka, zurück!“ schrie Al’ka, diese wich zurück. Al’ka nahm einen großen Stein und holte aus:
„Geh weg, Natter! Rühre uns nicht an.“
„Ich brauche euch gar nicht,“ zischte die Schlange, streckte ihre lange Zunge heraus und streckte sich zum Nest. „Hier ist meine Beute.“
„Tomka, rette das Nest und lauf!“ schrie Al’ka und warf den Stein auf die Schlange.
Tomka schnappte sich das Nest doch dieses fiel auseinander. Dann zog sie schnell den Hut aus, legte die Eier rein und lief los. Doch plötzlich kam von oben eine silberne Möwe, die anfing Tomka mit den Flügeln zu schlagen, auf den Kopf zu piken. Tomka setzte sich auf die Erde, weinte vor Schmerz, doch ließ nicht den Hut aus den Händen los.
„Möwe, hilf uns!“ Al’ka wedelte mit den Händen. Der Vogel sah, dass die Natter die Beine Al’kas umschlungen hat, sie flog und pikte diese in den Schwanz. Die Natter sprang zurück, zischte und kroch eilig hinter den Rollstein.
„Äch, das Nest!“ schrie die Möwe, als sie bemerkte, dass es auseinander gefallen war. „Die Küken schlüpfen bald und ich schaffe es nicht, ein neues Nest zu bauen!“
„Wir müssen ein Nest für die Möwe bauen,“ sagte Al’ka zu Tomka.
„Hier habe ich einen Strohhut,“ schlug sie vor.
Al’ka pflückte etwas weiches Gras, es entstand ein gemütliches Netz, sogar besser als das alte.
„Danke!“ schrie die Möwe zum Abschied und bewegte die Flügel-
Al’ka und Tomka gingen zum Café am Ufer, bestellten Eis und Coctails.
„Ich hatte überhaupt keine Angst,“ begann Tomka vom Geschehenen zu erzählen. „Eine Natter, na und? Eine Schlange wie eine Schlange.“
„Und wer hat geweint?“ lächelte Al’ka.
„Ich habe ein Korn im Auge gehabt. Die Möwe hat sich auch nicht erschreckt,“ gab sie an.
Al’ka wurde diesmal nicht böse, im Gegenteil dachte er, dass Tomka mutig und nett war. Seitdem waren sie befreundet.
Ein Monat verging und Tomka wurde zum Flughafen gebracht. Plötzlich erschien eine Möwe im Himmel, mit ihr drei Küken. Sie kreisten über dem Auto und flogen weg.
„Komm in den nächsten Ferien wieder zu uns,“ sagte Al’ka.
„Unbedingt,“ versprach Tomka.