Kristina Moreva. Ist es dir egal?

„Roma, hast du mein Kleid im Wäschesalon abgeholt? Roma?“ Toma begann schon die Stimme zu heben, um die Aufmerksamkeit des jungen Mannes auf sich zu ziehen, welcher, ohne von dem Bildschirm aufzublicken, GTA spielte. „Roma, wen frage ich?“

„Was denn? Was hast du gefragt?“ Roma widmete seine Aufmerksamkeit endlich  Toma und nahm die Kopfhörer ab.

„Ja, ich fragte, ob du mein Kleid aus dem Wäschesalon abgeholt hast? Ich erinnerte dich morgens daran.“

Toma beobachtete das Zimmer: hier herrschte eine ideale Ordnung, bis auf die Ecke, wo Roma seine Spielsachen aufbewahrte. Als Toma es sah, wackelte sie mit dem Kopf: ein Fußball, Legosteine, eine Sammlung von Autos, welche, konnte Toma nicht wirklich sagen.

„Welches Kleid?“ Sogar ohne Kopfhörer, hörte Roma nicht auf zu spielen.

„Machst du dich lustig? Wir müssen in dreißig Minuten los, die Gäste versammeln sich!“ Die Augen Tomas füllten sich mit Tränen.

Sie wollte ihren Geburtstag nicht feiern, doch Roma bestand darauf. Er fand, dass nach der kürzlichen Tragödie mit der unglücklichen Schwangerschaft, Toma sich ablenken musste. Obwohl Toma selbst nicht so dachte. Doch die Einladungen waren schon verschickt, das Restaurant bezahlt und nun sollten auch die Gäste langsam ihre Plätze einnehmen.

„Och Liebes, ich habe es vergessen.“ Roma klopfte sich mit dm Controller auf die Stirn, „Die Jungs und ich haben seit dem Morgen Fußball gespielt und ich hatte es nicht mehr im Hinterkopf. Zieh eine Jeans an, du bist auch so hübsch.“

Roma stand vom Sofa auf und umarmte Toma. In diesem Moment rollte der Ball in die Mitte des Zimmers.

„Ich habe eine Million Mal darum gebeten, das Spielzeug verschlossen zu halten,“ Toma distanzierte sich von dem jungen Mann und schubste den Ball leicht zurück in die Ecke. „Ich ziehe mich an. Sei in zehn Minuten fertig.

„Toma, was stimmt nicht?“ Roma verschnellerte den Schritt und versuchte neben Toma zu gehen, „habe ich was falsches gesagt?“

„Geh weg von mir. Es stimmt alles nicht. Roma, alles.“

Toma verschnellerte den Schritt.

„Ja und, habe mit der Unbekannten ein paar Späße gerissen, das war nichts ernstes, habe einfach einen Witz erzählt, was fängst du wieder an?“ Roma versuchte die junge Frau an der Hand zu nehmen, doch bei seiner Berührung zog sie ihre Hand weg.

Der Abend war verdorben. Der Teil der Gäste bemerkte noch im Restaurant, wie Roma mit irgendeiner Blondine flirtete. Sie schauten Toma mitleidig an und begannen nach hause zu gehen. Nach einer kurzen Zeit, unter den mitleidigen Blicken der restlichen Gäste, verließ die junge Frau das Restaurant.

Toma blieb unerwartet stehen. Sie drehte den Kopf Richtung Roma:

„Du warst der Initiator dieses unnötigen Abends. Wozu?“

Roma schloss sie Augen und wackelte mit dem Kopf.

„Hast du dich die letzten drei Monate beobachtet? Wo ist die Toma, mit der wir immer Spaß hatten? Mit der wir wandern gingen in den Bergen und die Bars unsicher machten? Denkst du für mich ist es leicht, das zu beobachten? Auf dich, die du ewig traurig bist? Ich wollte dich aufrütteln.“

„Besser wäre es wenn du öfter zu hause bleibst und mich nicht aufrüttelst! Roma, ich habe ein Kind verloren, nicht eine Tasche mit Dokumenten. Ich habe ihm Sachen gekauft. Und jetzt ist es nicht da. Bedeutet das nichts für dich?“

„Tut es,“ er nahm ihre Hände ins seine.

„Warum bist du dann diese ganzen drei Monate nicht bei mir, sondern spielst Fußball oder deine Spielchen?“

„Krümel, du verstehst das nicht…“ fing Roma an.

Toma nahm ihre Hände aus seinen Handflächen und begab sich zurück zum Restaurant, wo sie ihr Auto geparkt hatten.

„Ich verstehe es nicht. Ich bin müde, bring mich nach hause.“

    ***

„Wo bist du?“ sprach Toma nervös in das Telefon. „Wie, du kommst nicht? Du hast versprochen mir beim Aufräumen zu helfen.“ Stille. „Ist klar, tschüss.“

Die junge Frau legte den Hörer auf, atmete auf, schaute sich das Zimmer an, stand auf und begab sich ins Badezimmer, um einen Eimer Wasser zu holen.

Sie füllte den Eimer mit Wasser und kehrte ins Zimmer zurück. Sie mochte es, das Aufräumen mit dem Wohnzimmer zu beginnen, um die Ordnung zu bewahren. Und in den letzten Monaten, als alles irgendwie falsch verlief, wollte man wenigstens eine Ordnung haben. 

Toma schob den Sessel weg, um dahinter zu wischen. Der Fußball rollte wieder in die Mitte des Zimmers. Als sie das sah, schmiss sie den Besen hin und sprang aus dem Zimmern. Sie kehrte nach einem Augenblick zurück mit einem Küchenmesser in der Hand.

„Du doofer, blöder Ball,“ schrie Toma schwer atmend und stach auf den Ball ein. „Ich hasse es, ich hasse es.“

Nach ein paar Minuten blieben vom Ball nur ein paar Fetzen. Kraftlos legte Toma das Messer neben die Fetzen, umarmte ihren Bauch mit den Händen und weinte lautlos.

Ca. fünfzehn Minuten saß Toma regungslos da. Dann stand sie auf, ging zum Waschbecken, wusch sich, dann näherte sie sich dem Schrank mit den Sachen, nahm von dem obersten Regal Romas Sporttasche und begann seine Sachen darin zu verpacken. Die Autos und die Playstation legte sie in eine extra Tasche. Oben drauf legte sie die Reste des Fußballs.

Sie überprüfte noch einmal, ob alle Dinge in der Tasche lagen, stellte die Tasche in den Flur und schrieb eine SMS: „Ich habe deine Sachen gepackt, nimm sie bald mit und verlass mein Haus und mein Leben.“

Auf dem Gesicht Tomas zeigte sich ein Lächeln, so leicht fühlte sie sich schon seit Monaten nicht mehr.

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