Veröffentlicht in Daktil‘ Nr 11, August 2020
An jenem Morgen, zum ersten Mal im Frühling, erwachte Aziza von dem Trällern der Nachtigall, sie sprang sofort vom Bett auf und schaute aus dem Fenster. Zuerst fiel ihr Blick auf das Nachbargebäude mit einem halbrunden, leeren Speicher, durch welchen man die glänzende Scheibe der Sonne sehen konnte. Dann schaute sie nach unten auf den Apfelbaum, welcher bereits Blüten trug, auf das klar-grüne, noch winzige Laub des Ahornbaumes, auf die Abzäunung des Vorgartens und einen Haufen welken Laubs vom letzten Herbst. Das Thermometer hinter dem Fenster zeigte fünfzehn Grad, die Uhr halb sieben. Die beste Zeit für einen Spaziergang, solange die Patrouille noch nicht auf den Straßen aufgetaucht ist.
„Tach. Ist es Ihr Zwinger?“ fragte die Nachbarin aus dem Nachbartreppenhaus, als Aziza in Sportkleidung und Turnschuhen den Hof betrat.
„Guten Tag! Welcher Zwinger?“
Zhazira zeigte mit einem Blick auf die quadratische, teils verrostete, metallische Konstruktion hinter den schrägen Ställen.
„Natürlich nicht. Wozu brauche ich sie? Antwortete Aziza erstaunt.
„Nun, ich weiß nicht. Vielleicht wollen Sie Hunde züchten, Sie sagten doch einmal, dass Sie sich einen Hund anschaffen wollen.“
Aziza wollte natürlich die Nachbarin umstimmen, doch aus Erfahrung von anderen Gesprächen wusste sie, wie viel Zeit das raubte und überlegte es sich anders. Man hätte sich empören können, das würde auch gehen, doch sie wollte sich nicht schon am Morgen die Stimmung vermiesen. Aziza atmete tief die Morgenluft ein, lächelte und ging weiter. Zhasira schaute ihr hinterher und drehte den Finger an der Schläfe. Noch ein paar weitere Nachbarn fragten Aziza innerhalb dieser einen Woche, ob sie wisse, wem der Zwinger gehöre.
Anna Ivanovna wedelte ihr ein mal mit der Hand aus dem Fenster der ersten Etage und lud sie ein, sie zu besuchen. „Warum nur habe ich bei ihr vorbei geschaut?“ dachte Aziza. Die Alte war nicht langweilig, eher nervig, wobei das kein Problem darstellte. Der Geruch ihrer Wohnung – das bereitete Aziza Sorgen. Wenn man einen stickigen Gestank als Geruch bezeichnen konnte, welcher damals auftauchte, als die Alte neunzig Jahre alt wurde. Dieser Gestank verteilte sich schnell im Treppenhaus, wenn die Hausherrin die Haustür öffnete.
In der Zweizimmerwohnung Anna Ivanovnas herrschte eine ideale Ordnung, die blassblauen, hölzernen Quadrate auf der Decke glänzten, als ob man sie gerade eben gewaschen und poliert hätte. Der höhere Teil der Wände war mit einer Kalkschicht bestrichen, die Paneele mit blauer Farbe. Von der Türschwelle aus sah man die Küche mit dem schwarz-weißen Herd, möglich die erste sowjetische Variante. Töpfchen, Teekannen, Löffel lagen auf dem Tisch bei der hohen, engen Fensterbank und leuchten in den Sonnenstrahlen. Im Wohnzimmer, rechts über dem Sofa, hing ein Wollteppich, im Glasschrank – Kristall. Auf der Schwelle – ein bunter, synthetischer Teppich, so sauber, dass man sich gar nicht traute, auf diesen zu treten. Doch woher kam diese stickige Luft? Aziza und ihr Ehemann hatten sogar die Theorie aufgestellt, dass es der Geruch des Alters sei – eine Metapher des Unterganges des Lebens, wobei sie noch nie diesen Geruch bei anderen Alten verspürt haben oder es ist ihnen nicht aufgefallen.
„Hast du etwa vor, Hunde zu züchten?“ Die Alte warf sich von der Schwelle aus auf Aziza.
„Welche Hunde?“ Die Frau krümmte den Mund.
Die Alte grinste heuchlerisch und zeigte ihre kleinen, gelben Zähne.
„Ja, ich habe nicht daran geglaubt, wobei mich Zhazira lange davon überzeugen wollte, dass es dein Zwinger ist, hinter den Ställen. Sie sagt, ihr Mann sei zurück gekehrt, hat das Trinken aufgegeben, und so haben sie beschlossen, auf dem Hof, Hunde zu züchten.“ Die Alte verbarg nicht ihre Neugierde und beobachtete die Reaktion Azizas.
„Anna Ivanna, lassen Sie uns sachlich sprechen,“ die Frau krümmte die Augenbrauen.
„Ähm…Das ist, schau mal, der Zählerstand, dort in der Ecke, ich komme da nicht hin, mein Kopf dreht sich…“
Aziza öffnete das Türchen des Zählers und diktierte der Alten die Ziffern.
„Wenn das alles ist, dann gehe ich. Ich habe keine Zeit,“ sagte sie und öffnete die Eingangstür.
„Nun geh, natürlich, nur diese Seuche, wie nennt sie sich?“ fragte die Alte verwirrt.
„Koronavirus,“ sagte Aziza.
„Ja, man sagt, man habe in der Stadt den Verkehr verboten, der Sohn kann mich nicht besuchen, möchte mich zu sich holen. Ich lasse meine Wohnung allein…“
Aziza sah die Nachbarin zum ersten Mal verwirrt, sie hielt sich noch eine Weile auf der Türschwelle und machte wieder die Tür zu.
„Machen Sie sich nicht zu große Sorgen, Anna Ivanna. Die Quarantäne wird zu ende gehen, Sie werden zurück kehren. Und wir werden nach Ihrer Wohnung schauen.“
„Was wird dann mit dem Zwinger werden. Bitte vertausche du in meiner Abwesenheit nichts, weder im Treppenhaus, noch im Garten,“ sagte die Alte.
„Anna Ivanna, wer braucht schon unser Treppenhaus, Sie sagte ja schon selbst, das seitdem dieses im Jahr 1953 erbaut wurde, hat man es nie renoviert.
„So ist es, man sagt nur, dass man die Ställe abbauen möchte. Höre zu, ohne mich keinen Abbau, das steht meine Marmelade und ich horte Sachen darin. Wenn sie kommen, dann sage ihnen, dass ich es nicht erlaube, ich bin sechsundneunzig Jahre alt, ich bin ein Arbeiterveteran, sag es ihnen, man kennt mich im Akimat. Ich ahne schon, dass wenn ich weg fahre, sie die Bäume in meinem Vorgarten fällen und die Ställe abreißen…“
„Machen Sie sich keine Sorgen, Anna Ivanna, lassen Sie mir Ihre Nummer da, ich werde mit Ihnen in Kontakt tretet, wenn was ist.“
„Nein, ich kann Ihnen die Nummer nicht geben, nimm die von der Alten Altynaj aus dem zweiten Treppenhaus. Sonst werden alle anrufen, und ich bin dort bei Gast. Wem wird so etwas gefallen?“
„Gut, Anna Ivanna, ich wünsche Ihnen Gesundheit, wir sehen uns nach der Quarantäne.“ Aziza verließ die Wohnung und eilte auf die Straße, um noch etwas zu atmen.
Auf dem Hof stand der Vertreter des KSK, Vasilij Ivanovich, die Anwohner nannten ihn hinter seinem Rücken Chapaj. Der Alte war nicht hoch von Statur, quadratisch, als ob er in die Breite ginge, anstatt nach oben zu wachsen, mit Glupschaugen und einem eingefrorenem Blick.
„Guten Tag, Vasilij Ivanch!“ grüßte Aziza.
„Guten Tag, wissen Sie zufällig, wem dieser Zwinger hinter den Ställen gehört?“ fragte er,
„Hat man Ihnen auch erzählt, dass ich dort Hunde züchten möchte?“ antwortete die Frau mit einer Gegenfrage.
Die Augen des Vertreters schienen wie aus der Augenhöhle ausgetreten zu sein, in seinem Blick tauchte eine lebendige Bewegung auf.
„Wie, Hunde züchten? In der Wohnung oder auf dem Hof?“
„Im Stall,“ spornte Aziza den Vertreter an.
Er wölbte noch stärker die Augen auf.
„Haben Sie eine Erlaubnis?“
„Nein, ich mache natürlich nur Spaß,“ lächelt die Frau.
„Sie haben vielleicht Späße. Ist es nun ihr Zwinger?“
„Nein, ich habe keine Beziehung zu diesem Zwinger. Was haben sie mit diesem Metallteil? Sie sollten besser einen Hausmeister engagieren, der Hof wurde ein halbes Jahr nicht aufgeräumt. Im Vorgarten ist ein Haufen Laub vom letzten Herbst.
„Einen Hausmeister habe ich schon gefunden, er kommt heute Nachmittag. Dann werde ich auch diesen Zwinger weg bringen, denn er stört hier alle.“
„Wozu brauchen Sie den?“ fragte Aziza
„Ich werde ihn zersägen und zum Altmetall abgeben. Er nimmt die Hälfte des Parkplatzes ein, alle beschweren sich.“
„Dann gebe ich es selbst zum Altmetall ab, ich brauche Geld. Meine Tochter ist behindert, das wissen Sie genau,“ sagte beleidigt die unauffällig herannahende Zhasira.
„Nun bitteschön, nehmen Sie es, nur wie wollen Sie es zersägen?“ fragt Chapaj.
Aziza dreht sich um und geht nach hause, ihren Dialog nicht zu Ende hörend. Der Zwinger stand weiter auf seinem Platz, als ob der Vertreter und die Zhazira ihn nicht geteilt hatten.
Nach einem Monat sah Aziza auf der Tür des Hauses einen Aushang darüber, dass die Ställe abgerissen werden und es notwendig ist, diese innerhalb der nächsten Tage zu leeren. Anna Ivanovna hatte Recht. Die Frau eilte in das Nachbartreppenhaus, stieg in die zweite Etage und klingelte an der Tür der Alten Altynaj.
Die Alte überrumpelte Aziza mit der Nachricht vom Tod Anna Ivanovnas.
„Wie ist sie gestorben? Ich habe doch vor der Quarantäne mit ihr gesprochen und hatte sie besucht.“
„Sie hatte sich das Bein gebrochen, der Sohn brachte sie ins Krankenhaus, und dort infizierte sie sich mit dem Covisrus, ist nach zwei Tagen gestorben…Nun sitzen alle Verwandten in der Quarantäne. Sie erlaubten es nicht einmal, mich zu verabschieden, ließen mich nicht herein. Sie wissen nicht einmal, wo sie beerdigt wurde,“ die Alte atmete bitter auf.
„Das gibt es doch nicht! Und ich wollte sie anrufen, ihr sagen, dass die Ställe abgerissen werden, sie hat dort doch Marmelade gelagert, sagte sie…“
„Wie, man reißt die Ställe ab?!“ Das Gesicht der Alten wurde vor Neugierde breit.
Da hörte man von der ersten Etage die Stimme Zhaziras:
„Sie haben nicht das Recht, ich werde schreiben, ich werde es ihnen zeigen!“
„Man soll den Chapaj anrufen im KSK, interessant, ob er Bescheid weiß? – fragte Aziza.
„Natürlich weiß dieser Ganove Bescheid. Er hat diesen Aushang angebracht. Hast du etwa nicht gesehen, es stand KSK „Nursulan“,“ antwortete Zhazira.
„Ich werde ihn gleich anrufen,“ sagte Aziza und wählte die Nummer des KSK.
Der Vertreter begann zuerst, sich zu rechtfertigen:
„Ich habe einen Anruf vom Akinat bekommen, man sagte mir unbedingt die Anwohner zu informieren.“
„Haben Sie Dokumente für den Stall?“ fragte Chapaj.
„Man soll es prüfen,“ antwortete Aziza, „auf wessen Seite stehen Sie?“
„Natürlich auf Ihrer,“ sagte der Vertreter.
„Warum haben sie dann den Aushang befestigt ohne die Erlaubnis der Anwohner?
„Das ist die Erlaubnis, ich wurde vom Akimat beauftragt.“ antwortete Chapaj.
„Was hat das Akimat damit zu tun? Sie wurden von den Anwohnern ausgewählt, nicht vom Akimat. Ich werde Sogymtaev schreiben, ich schreibe ihm heute einen Brief, werde es vorbereiten und die Unterschriften der Anwohner sammeln,“ entschied sich Aziza spontan.
„Ja schreiben Sie, nur etwas schneller, und lasst mich wissen, wenn Ihr eine Antwort bekommt. Nur habe ich Angst, dass der Brief, zur Begutachtung zurück in unser Akimat kommt. Denken Sie, das ist das erste Mal in unserem Bezirk?“ warnte Chapaj.
„Aziza-Apaj, ich heiße Dauren, ich rufe Sie aus dem Akimat an. Wie fühlen Sie sich?“
„Gut,“ murmelte Aziza unzufrieden, eine Falle spürend.
„Ich wollte mich wegen der Ställe unterhalten. Man sagte mir, Ihr seid gegen den Abriss, alle anderen sind einverstanden. Können wir einen Kompromiss finden?
„Wie bin ich die einzige, alle anderen sind auch gegen den Abriss!“ Ich werde keinen Kompromiss mit Ihnen finden, wir haben einen Brief vorbereitet für den Akim der Stadt, er soll erst einmal antworten, dann schauen wir weiter,“ sagte die Frau beleidigt.
Am nächsten Tag passte Dauren Aziza auf dem Hof ab.
„Guten Tag, sind Sie Aziza-Apaj?“ fragte mit einer priesterlichen Stimme der Mann.
„Ja, wer sind Sie denn?“
„Ich bin Dauren, aus dem Akimat, ich habe Sie gestern angerufen,“ sagte der Mann und zeigte den Schein.
„Ich werde nicht mit Ihnen sprechen, bevor ich nicht Antworte bekomme von dem städtischen Akimat.“
„Gut, Apaj, darf ich eine Frage stellen? Wem gehört dieser Zwinger ?“ fragte er.
„Ich weiß nicht, wem dieser Zwinger gehört und will es auch nicht wissen!“ antwortete die Frau.
„Hören Sie mir bitte zu, ich kann Ihnen helfen, um eine Erlaubnis für die Züchtung der Hunde zu bekommen.“
„Ich habe gar nicht vor, Hunde zu züchten!“ erhöhte Aziza die Stimme.
„Dann werde ich Ihnen einen neuen Stall bauen, einen großen, schönen, nur an einem anderen Ort.“
Die Frau eilte nach Hause, ohne ihm zu Ende zuzuhören.
Wie Chapaj erwartet hatte, gab der Akim der Stadt den Brief für die Begutachtung dem Gebietsakim. Aziza erfuhr davon erst einen Monat später von Dauren. Er selbst tauchte auf dem Hof des Hauses mit einer Brigade von Bauarbeitern auf, als die Quarantäne zu Ende war und das Grün der Bäume bedeckte günstig die Ställe. Er stellte den Anwohnern den Brigadier Zhamil‘ vor und hielt eine kurze Rede.
„Nun, liebe Anwohner, nun ist Ihr Hof an der Reihe. Zhamil‘ und die Brigade werden eine ganze Renovierung machen, von dem Territorium, welches dem Haus angehört. Innerhalb von zwei Wochen wird er hier einen Spielplatz bauen, Sportplätze, Beleuchtung und einen Schlagbaum. Die Ställe werden wir nicht abreißen, da die Meinung der Anwohner – die wichtigste ist für das Akimat.
Wir werden Ihre Ställe renovieren. Noch eine gute Nachricht – wir werden durch Ihren Hof eine Straße führen lassen, da Sie keinen Zugang haben für die Einfahrt eines Feuerwehrwagens.“
„Deswegen der Trubel! Sie möchten durch unseren Hof eine Straße zu diesem Eigenheim legen!“ schrie Zhazira und zeigte auf das Zweietagenhaus hinter den Ställen. „Die Ställe abreißen und ihnen unser Territorium verkaufen!“
„Nein, wir haben nichts mit dem Eigenheim zu tun, wir beschäftigen uns mit der Wohnkultur Ihres Hofes. Und Sie, anstatt uns zu danken und von der Möglichkeit zu profitieren, das Leben zu verbessern, macht hier ein Affentheater!“ setzte plötzlich in das Gespräch der Brigadier Zhamil‘ ein.
Da begann ein Heidenlärm, fast alle Anwohner des Hauses verursachten diesen und unterbrachen einander. Nach einer Stunde der Debatten konnte man am Gesicht des Brigadiers ablesen, dass er es bereut, in den Scharmützel eingetreten zu sein. Aziza bemerkte auf der zweiten Etage des Eigenheimes einen hinter dem Vorhang durch-blinzelnden Schatten, jemand machte das Fenster auf.
„Verehrte Bürger, wir gehen Ihnen entgegen, doch auch Sie müssen uns verstehen. Ich rufe euch zur Teilnahme auf, verzeiht mir, ich werde zur Arbeit berufen, auf dem Platz gibt es ein Problem, das Rohr ist gerissen,“ kündigte Dauren das Treffen an, er blickte vom Bildschirm des Smartphones und eilte zum Auto.
Am nächsten Tag, als Aziza für alle Fälle, die Gegenstände in dem Stall ausräumte, hörte sie unfreiwillig ein Gespräch zwischen Zhazira und dem Brigadier.
„Ist es Ihr Zwinger?“ fragte Zhamil‘ sie.
„Natürlich nicht, ich züchte keine Hunde,“ antwortete die Frau.
„Was haben die Hunde damit zu tun? Wer züchtet hier die Hunde?“ fragte verständnislos Jamil‘.
„Aziza aus der siebten Wohnung.“
„Ich habe sie doch schon gefragt, sie weiß nichts über diesen Zwinger.“
Aziza verließ den Stall und grüßte laut. Zhazira warf einen verwirrten Blick in ihre Richtung, dann näherte sie sich ihr und flüsterte:
„Das habe ich absichtlich gemacht, damit er, wie Chapaj auch, den Zwinger nicht anblicken. Sie sind doch wohlhabend und Ihr Mann verdient gut. Sie verstehen es nicht, aber mir wurde sogar keine Unterstützung angeboten, wie soll ich ein behindertes Kind erziehen?“
Aziza schaute Zhazira direkt in die Augen.
„Hören Sie, wenn Sie materielle Hilfe benötigen, wenden Sie sich an die Sozialhilfe. Und ich bitte Sie, hören Sie auf damit, über mich zu tratschen, als ob ich Hunde züchte,“ sagte sie relativ laut und ging wieder in den Stall.
Zhazira folgte ihr, blieb an der offenen Tür stehen und schaute mit Neugierde hinein:
„Aziza, Sie haben alles falsch verstanden. Ich bin doch alleinerziehende Mutter, meine Tochter ist behindert…“
„Also, was benötigen Sie von mir?“
„Ich wollte diesen Zwinger zum Altmetall bringen…doch muss man diesen zersägen, dafür muss man Leute engagieren, das kostet alles Geld…Kann mit Ihr Mann helfen?“ fragte wehleidig die Frau.
„Er ist doch Programmierer und kein Schweißer, er hat nicht einmal die Werkzeuge dafür, fragen Sie jemand anderen. Und lassen Sie mich endlich in Ruhe mit diesem Zwinger!“ erhöhte Aziza die Stimme.
Doch Zhazira ging nicht weg, sie blieb am Stall stehen und wandte sich wieder an Aziza:
„Was denken Sie, wenn ich diesen an Zhamil‘ verkaufe, um wie viel Geld soll ich bitten?“
„Machen Sie was Sie wollen,“ sagte Aziza und schloss die Tür des Stalls.
Sie führte ein Oline-Seminar mit Studenten durch , als sie auf dem Bildschirm des Smartphones fünf verpasste Anrufe von Zhamil‘ sah. Sie beendete den Unterricht und rief sofort den Brigadier an.
„Aziza-Apaj, guten Tag! Können Sie auf den Hof gehen, hier ist Willkürherrschaft!“ schrie Brigadier in den Hörer.
„Was ist passiert?“
„Die bringen hier den Zwinger weg! Und ich habe Zhazira-Apaj zehn Tausend dafür bezahlt.
„Was habe ich damit zu tun?
„Das ist doch Ihr Zwinger! Sie sagte, dass sie Ihnen das Geld gibt.“
„Hören Sie, ich habe keine Beziehung, weder zum Zwinger, noch zu Zhazira,“ Aziza drückte auf den Knopf für die Freigabe und schaute aus dem Fenster heraus.
Im Spalt des Dachbodens des Nachbarhauses war ein reiner blauer Himmel, auf dem Platz des Vorgartens – schwarzer, frischer Asphalt. Auf dem Thermometer hinter dem Fenster fünfundzwanzig Grad Wärme. Vom Hof fährt geräuschvoll ein Lastwagen und auf seinem Laderaum – ein riesiger, teils verrosteter Zwinger.