Das Schlimmste ist, ohne echte Freunde zu sein
F. Bacon
Einleitung
Zara dachte immer öfter über die Werte von menschlichen Beziehungen in der Freundschaft nach. Wie echt es ist: „Wir kommen auf diese Welt alleine,und gehen alleine“. Doch warum benötigen wir im Laufe unseres Lebens Gesellschaft, wie wir Luft benötigen? Dazu nicht nur mit Verwandten, sondern auch mit Freunden. Wir überleben gekränkt die Zerwürfnis, wie ein Bildstreifen drehen wir alle Ereignisse um, welche den Streit mit den uns nahen Menschen verursachen. Wenn die Beziehungen in die Sackgasse laufen und wie eine Saite bespannt sind, ist das beste Mittel, nicht zu banalen Skandalen zu gehen, sondern diejenigen gehen zu lassen, mit denen es schwer ist in einem Raum zu atmen.
Eine Reihe von Verraten machte den Kreis der Freunde Zaras etwas kleiner. Waren es auch Freunde oder Lehrer, die nach der Schulglocke genau so schnell verschwanden, wie sie ihr Leben betreten haben und auf der Seele nur eine Narbe hinterlassen haben, die größer war, als die davor? Wir werden es erfahren.
Die Schulfreundschaft
Man sagt, viele Freunde hat man nicht. Und mit dem Älterwerden werden es immer weniger und weniger, und diejenigen, die bleiben, werden zu einem nahen Menschen, weil ein echter Freund der aller nächste Mensch ist, er wird zu einem Teil deiner Selbst. Und dieses Bewusstsein kommt meistens in der Schule. Wahrscheinlich, weil wir in der Schule lernen, zu erörtern. Vögeln gleich, sind wir aus dem Nest geflohen und lernen es, in der Gesellschaft zu leben. In der Nähe ist weder die Großmutter noch die Mutter. Doch in der Nähe kann der Freund sein! Es ist schrecklich, sich vorzustellen, wenn ein Mensch keine Freunde hat. Er wird zuhause am Computer sitzen und so die Welt erfahren, alles wissen, doch niemand ist da, dem er es erzählen kann. Zara dachte daran, dass in der neuen Zeit das Verständnis von Freundschaft sich verändern wird. Nun denken wir so über die Freundschaft:
„Was ist Freundschaft?“ fragte ich den Vogel.
„Das ist, wenn der Habicht die Meise trifft.
„Was ist Freundschaft?“ fragte ich das Tier.
„Das ist wenn die Katze die Maus mit der Pfote streichelt.“
„Was ist Freundschaft?“ fragte ich die Freundin?
„Wenn man sich trifft! Wenn alle beisammen sind. Das ist wenn die Jungs die Mädchen nicht ärgern. Wenn die Eltern die Kinder verstehen. Wenn in der Schule es keine schlechten Noten gibt. Wenn sich alle respektieren. Wenn du am Morgen die Blumen gießt; wenn du mit einem Freund, einer Freundin, einem Hund spazieren gehst; wenn wir gemeinsam zum Training laufen, keiner schimpft wegen der Tattoos. Wenn du in der Schule frei singst. Wenn du deine Freunde abschreiben lässt.
So ungefähr verlief meine Schulzeit. Wie ich dachte, so machte ich es auch. Und das war klasse.
Die Schuljahre sind eine besondere Zeit, dann wenn dein Leben Menschen eintreten, von denen du denkst, dass du nicht von ihnen trennen wirst. So dachte auch Zara. So denke auch ich. Zara und ich – ein Gesicht. Doch wenn ich versuche auf mein Leben zu blicken, nenne ich mich beim Namen. Und jetzt vertiefe ich mich ebenfalls in die Erinnerung der Schulfreundschaft. Und ich gehe in die tiefste Tiefe meiner Seele, und entwirre den Knäuel der Erinnerungen. Die erste Freundin, das Schulschwänzen, die Wanderungen in den Bergen, das Zusammensein auf dem Hof, Übernachten bei der jeweils anderen, Geburtstage, Schuldiskotheken in den höheren Klassen, Geheimnisse, die kein Ende nahmen.
Wie berauschend sind die süßen Erinnerungen über die Schulfreundschaft! Übrigens, das erste Verständnis über die Gesetze des Lebens kommt ebenfalls in der Schule. Und eines davon werde ich folgendermaßen formulieren: die Schule erzieht besser als die Familie. Die liebenden Eltern verzeihen den Kindern ihre Faulheit, ihre Verantwortungslosigkeit, ihre Schwächen. Die Schule ist streng wie das Leben selbst. Und in ihr soll man nicht lernen, wenn die Ärmel unten sind. Und wenn ein fabelhaftes Mädchen durch das Examen fällt, wird man sie nicht trösten. Sie wird aus der Schule gehen müssen. Und Tränen werden ihr auch nicht helfen – das ist ein Kampf. Und wenn du auf der Schultreppe stolperst, dann werden dir auch die Lebensexamen nicht helfen. Leider bestätigt das die Lebenserfahrung. Ich hole aus den Geheimfächern der Seele meine Geschichten und glaube, dass sie irgendjemandem zum Nutzen sein werden. Und überhaupt meine Geschichten über die Freundschaft, der ich so treu bin, die ich immer suche, weil ein Freund für mich alles ist. Ich bin in ihm. Er ist in mir. So.
Eine meiner besten Freundinnen, wie ich damals fand, war meine Schulfreundin Gul’mira. Wir beide kamen gleichzeitig in die neue Schule, in der sechsten Klasse. Was mich empört hat beim ersten Treffen? Das war die Dissonanz der groben Stimme mit der schmalen, zarten Figur. Am meisten erinnere ich mich an ihren Kleidungsstil, Sie war immer wie ein Püppchen gekleidet: mit Geschmack, modern und adrett. Doch am meisten unterschied sie sich von den Mitschülern in ihren Schuhen: ausgesucht, aus Leder und sicher nicht aus den lokalen Boutiquen. Sie war das aller luxuriöseste Mädchen in der ganzen Klasse. Ich schaute Gul’mira an und war wirklich neidisch. Meine Mutter kleidete mich ein wie sie nur konnte, wie sie wollte, wie es bei ihr klappte, deswegen schaute ich Gul’mira mit Begeisterung an: neben den anderen Mitschülerinnen, sah sie ganz anders aus. Und dazu hatte sie nicht einen Pickel im Gesicht. Die schneeweiße Haut leuchtete. Zarte Gesichtszüge. Lange, aristokratische Finger. Schwarze Haare. Doch am meisten beeindruckte mich das Leuchten ihrer freundlichen Augen, in denen sich die wunderbaren Bilder ihrer Umgebung spiegelten; die Eindrücke jener leuchtenden Ereignisse, welche ihr Leben betrafen. Ein solches Portrait einer Marmorpuppe legte sich in meiner Erinnerung. Keine äußere Schönheit, sondern eine innere, ihre Weiblichkeit zog wie ein Magnet ihre Freundinnen an.
Man wollte mit Gul’mira befreundet sein, von ihr umgeben sein: ein leichter Charakter zieht immer an. Wir fanden schnell eine gemeinsame Sprache und konnten uns ein Leben ohne einander nicht vorstellen. Ich, die nach den häuslichen Gesetzen der Mutter lebte, war die Erziehung der delikaten, intelligenten Mutter Gul’miras und ihrer Schwester Gul’zhan eine Neuheit für mich.
Nach der Trennung von einem bekannten Künstler des Landes, erzog Meerim Adamkulova die Mädchen alleine und das klappte vorzüglich, weil sie in die Erziehung der Töchter ihr ganze Liebe legte. Sie setzte den Kindern keine Grenzen, vertraute ihnen und machte sich Sorgen. Die Töchter hatten das allerbeste, denn in den 90ern arbeitete sie in der deutschen Botschaft und fuhr oft zum Arbeiten nach Deutschland und in die Schweiz. Sie brachte ihren Kindern moderne Sachen, ausländische Leckereien. In ihrem Haus gab es eine besondere Atmosphäre der Ordnung und Gastfreundlichkeit. Manchmal nahmen wir an geselligen Abenden teil. Ich berauschte mich am Gespräch: jedes Wort – Gold, der Halbton. Es schien, als ob man mehr mit den Augen sprach. Nun verstehe ich, dass eine solche ruhige Unterhaltung sich durch ein Gespräch über Seelen kennzeichnet, das nicht viele Worte verlangt: für alle ist alles verständlich nur von einem Wort, einem Blick. Das war jene Situation im Haus, die mir in unserem Heim fehlte. Die vielen Menschen, Chaos und grenzenlose Kontrolle riefen den Wunsch hervor, sich zu verstecken und weg zu laufen. Ich hatte mein eigenes Ventil.
Wenn Mama ins Ausland fuhr und der Stiefvater zu seinen Eltern, lud ich Gul’mira und die Hoffreundinnen zu mir ein und wir erfreuten uns an einem freien, unkontrolliertem Gespräch: keiner beeilte sich irgendwohin, man trank Tee und aß Plätzchen, hörte Musik, tanzte und probierte Mutters Schmuck und Stöckelschuhe an.
Und wenn Tante Meerim ins Ausland fuhr, versammelten wir uns bei Gul’mira.
Man schmiedete Pläne, wie man gemeinsam auf Reise durch Europa geht oder ein Ozean umkreisen, bis zu den Niagarafällen fliegen, einen Zwischenstopp in London machen und im Buckingham Palace spazieren gehen, wo die aller wirklichste Königin lebt. Und dann laufen wir zum Treffen mit dem legendären Detektiv Sherlock Holmes, machen Fotos mit der Polizei und den aller echtesten Zofen des 19. Jahrhunderts: Im Spielzugwarengeschäft Hamleys kaufen wir uns fest gekleidete Puppen: denn jedes Mädchen ist immer im Inneren ein Kind.
Ich war bezirzt von den Gesprächen von Tante Meerim über sie Schweiz und wünschte mir, dieses kleine, wunderbare Land zu bereisen. Und noch liebten wir es die Romanze zwischen Meerim und Onkel Hans zu beobachten. Ja, ja. Die Mutter Gul’miras traf sich mit einem Deutschen und wir Schülerinnen fanden es spannend an einem Ort mit einem Ausländer zu sitzen. Wir saßen da, machten den Mund auf und verstanden dabei nicht ein Wort auf deutsch.
Manchmal übersetzte Gul’miras Mutter uns das, was uns im Gespräch bekannt vorkam. Doch wir interessierten uns für alles. Als ich die Romanze der erwachsenen Leute beobachtete, probierte ich an mir die Rolle der Verliebten aus, träumte davon, alle Sprachen zu sprechen und erwartete mit vollem Herzen das Glück der Tante Meerim mit Hans. Doch es war eine kurze Romanze nicht wie im Märchen, sondern wie im Leben: er fuhr fort und sie blieb.
Weil man mich und Gul’mira, als Neue in die deutsche Klasse einstufte und nicht in die englische, freundeten wir uns an. Gul’mira befahl Gott selbst, diese mir verhasste Sprache zu lernen: ihre Mutter arbeitete als Deutschlehrerin in der Botschaft. Doch die Rede aus ihrem Mund zu hören, war ungewohnt, und sie klang sehr rau. Doch wir hatten Glück mit der Deutschlehrerin und es war leicht die Sprache zu lernen. Doch ich beschloss, dass im Institut ich nur englisch lernen würde: eine heilige Naivität…
Eine Sprache wie Sprache, doch in den anderen Fächern hatten wir Probleme. Und deswegen liefen Gul’mira und ich dem Unterricht davon und gingen in den Parks und Geschäften spazieren. In der höheren Klasse transformierte sich unser Treffen. Ich fuhr fort Puppen zu spielen und träumte von einer Karriere als Fotomodel. Gul’mira wurde erwachsen. Sie schmiss die Schule. Gul’mira hatte mich verbittert: ich wurde einfach uninteressant für sie. Modernes Chillout, die ersten Liebhaber. Ich kannte so etwas nicht: jedes Ausreißen aus dem Haus wurde streng kontrolliert, deswegen erfreute ich mich an den seltenen Besuchen der Diskothek.. Ich mache mir große Sorgen, darüber dass Gul’mira mich nicht braucht, und die anderen Mädchen wurden für sie das Zentrum des Universum. Doch man kann nichts machen: wir wissen nicht, was ohne uns geschieht.
Nach dem Abschluss der Schule zog ich nach Alma-Ata und Gul’mira blieb in unserer Heimatstadt. Zu Beginn besuchte sie mich. Nicht oft doch sie tat es. Ich versuchte aus allen Kräfte unsere Freundschaft aufrecht zu halten. Doch all meine Versuche waren umsonst. Zu meinem zwanzigsten Geburtstag lud ich natürlich Gul’mira und die nahen Freundinnen aus dem Institut ein. Sie kam vorbei. Doch die Zeit zeigte, dass sie nicht mich brauchte, sondern ihren Liebhaber, der später ihr Ehemann wurde. Sie kam eigentlich zu mir, doch ging immer nur zu ihm. Und mit blieb nichts anderes als zu warten , wann sie zurück kehrt und ich Zeit habe mit ihr zu sein. Zu dem Treffen mit ihrem Liebsten nahm sie mich natürlich nicht mit. Und mir fehlten jene Minuten, welche für uns beide blieben.
An einem Geburtstag freute ich mich über das Gespräch mit Gul’mira, mir schien, als ob wir uns wieder nah wären und die Freundschaft wieder auflebt. Wir waren eine ganze Woche zusammen. Ich zog mich ehrlich zu ihr und erwartete es auch von ihr. Doch von ihr kam mir nur Kälte entgegen.
Ich spürte es: die vergangene Freundschaft gibt es nicht mehr. Ich bin einfach die, bei der ich Halt machen könnte. Sie hätte jeden Moment zu ihren Liebhabern gehen können und dann zurück kehren wie eine strahlende Sonne und ihre Dinge zu packen und nach hause zu fahren. Ich zog nach Bischkek wegen der Familie und Gul’mira heiratete früh. Die Ehe war nicht erfolgreich, der Mann schlug sie, doch sie gebar ihm Kinder und wurde zu einer guten Hausfrau – der Hüterin des Herdes. „Opfer und Täter“ das ist ihre Wahl. Die Ratschläge der Verwandten und Freunde gingen an ihr vorbei. Jeder Mensch hat ein eigenes Kreuz. Doch ich wünschte ihr ein solches Leben nicht. Ich versuchte sie zu überreden, den Psychopathen und dem Tyrannen-Ehemann wegen der Familie zu verlassen, doch die Versuche waren erfolglos. So trennten sich auch unsere Pfade. Nun unterstützen wir unser Verhältnis mit Briefen, Anrufen an Feiertagen und Likes in den Sozialnetzen , in der Schulgruppe per Whatsap, mit Treffen von Schulabschlussjubiläen. Ich erinnerte mich sehr an das fünfzehnjährige Schuljubiläum, als nach dem Vergnügen im Restaurant, einige der Klassenkameraden sich in die Karaoke-Bar begaben. Der ausgezeichnete Abend brachte uns in die schönsten Schulerinnerungen: als wir die Schule blau machten , die Jungs das Klassenbuch stahlen und verbrannten. Man erinnerte sich auch an die Spitznamen, mit denen wir uns selbst benannten so wie die Lehrer.: unterhaltsam. Und wie dramatisch waren die ersten Vergnügungen der Mädels und Jungs. Es gab in unsrem Leben auch etwas Unerlaubtes: irgendjemand machte die Bekanntschaft mit der Zigarette und jemand anderes traf sich mit Kerlen und Mädels als Erwachsene. Doch man dachte, man traf sich heimlich, doch es wussten alle. Für einen Augenblick schien es uns, als ob wir die selben sind wir früher . Schüler der Zentralschule.
Ich kann nicht sagen dass ich das Schulleben nicht liebte, doch in diesem gab es ausgezeichnete Mitschüler, zu denen zu meinem Glück die Verbindung nicht unterbrach…Doch Gul’mira löste sich auf bei dem Treffen in der Masse und meine schulisch-studentische Verbindung zu ihr wurde schwächer. Alles blieb in der Vergangenheit. Es bleibt bloß ein Knoten in der Erinnerung. Und die Assoziationen mit den uns teuren Menschen, selbst wenn wir nicht zusammen waren, sind ein besonderes Thema So ruft auch das Parfum „Tresor“ von der Parfummarke Lancome in mir angenehme Erinnerungen an Gul’mira. Sie gebrauchte dieses im Jahr 1996 und das Aroma betrat mein Leben und wurde zu meinem Lieblingsduft. Das Herz bewahrt die Erinnerungen an das Mädchen, an die Marmorpuppe, die mir so viel bedeutet doch die Wege trennten sich. Ich möchte mit ganzem Herzen dass Gul’mira glücklich wird, geliebt, gebraucht, dass die Kinder ihre Stütze sind, wenn sie sich über ihre weibliche Rolle bewusst werden. Zwanzig Jahre Leben mit einem Unhold…
Haben wir etwa davon geträumt?
Die studentische Freundschaft
Ich wuchs als unauffälliges Kind auf. Niemand schenkte mir Aufmerksamkeit. Ich war kein Magnet für andere, hatte keinen besonderen Erfolg bei Männern. Und erst in den Studienjahren im dritten Semester, ereignete sich eine Romanze. Diese warf mein ganzes Leben um. Als ob das Universum explodierte und einen neuen Gang der Ereignisse einleitete, welches in Ordnung brachte, was mein leben erfasste, mit der Bewegung gegen den Uhrzeigersinn und es lenkte mich in das Zentrum meiner Lebenswelt, zum eignen Herzen.
Vor diesem Moment fühlte ich nur Schmerz von Liebesverhältnissen, sogar mit Freunden oder Freundinnen. Und ich verstand wirklich nicht, wo man wahre Freunde finden sollte. Deswegen wenn auf dem Horizont Mädels auftauchten, die mir ihr Interesse zeigten und sich ein Verhältnis anbahnte , war meine Freude grenzenlos. Ich hielt mich an diesen Verhältnissen wie eine Ertrinkende am Grashalm . So ist es also, ein ungeliebtes Kind in der Familie zu sein, mit Komplexen, unsicher, das von sich selbst denkt, dass es nichts besseres verdient hat. Als ich die Schule beendete und an die Uni kam, glaubte ich daran, dass die Welt sich mir gegenüber mit der Sonnenseite zuwendet.. Doch Alma-Ata empfing mich Kühle. Doch meine ganze Kindheit verbracht ich in dieser Stadt und hielt sie für meine vertraute Stadt und die Stadt meiner Kindheit .
In der Uni verfolgte mich das selbe Problem wie in der Schule: Meine Kommilitonen distanzierten sich von mir. Nur wenige Menschen wollten mit mir befreundet sein. Das waren Zugezogene, wie ich. Die eingesessen Almatiner redeten nicht mit uns. So teilte sich die Gruppe in Klans auf. Ich glänzte nicht mit Erfolgen im Lernen, war auch keine Schönheit oder Stilfigur. Mein Gewicht war ein realer Grund für das Sich-lustig-machen. Ich hatte starke Komplexe, schämte mich.
Fakten und Ereignisse meines studentischen Lebens, bestätigten mir ständig, dass die Menschen in ihrer Natur sehr böse sind. Keiner achtet auf seine Worte und Taten. Doch diese können zu Triggern der Tragödie werden. So geschah es auch mit dem Kommilitonen Amir: Er hängte sich auf, bevor er das letzte Examen abschließen konnte. Ich verstand seine Sorge und warum er sich so entschieden hat, weil er keine Unterstützung bekam. Die Schuld lag in de Einsamkeit: Das Ausgestoßen-sein von der Gesellschaft, Gleichgültigkeit. Ein junger Mensch ging dahin. Ist es denn keine Tragödie? Er brauchte uns und alle waren mit sich selbst beschäftigt. Ich persönlich habe im fünften Semester allen meine Beleidigern meine Meinung gesagt und erinnerte sie an alle Demütigungen. Ich habe diese überlebt und wurde dadurch stärker. Ich versicherte mich, dass man nicht viele Freunde haben kann und man nur auf sich selbst zählen kann. Und in dieser mir gegenüberliegenden Masse, freundete ich mich mit Ajnur an. Wir waren beide hergezogen. Das vereinigte uns . Sie liebte meine herzzerreißenden Romanzen, meine Liebhaber, dank welchen ich selbstsicher und offener wurde. Ja, dank der Liebhaber fühlte ich mich mehr wert. Ich verstand, dass man mich lieben kann, erkannte meine weibliche Schönheit und erblühte in seiner Nähe.
Liebe ist Liebe. Doch selbst mit Ajnur konnte ich die Freundschaft nicht halten. Es stellte sich heraus, dass man mit einer solchen Freundin auch keine Feinde zu haben braucht. Sie machte sich über mich lustig, indem sie meine potentiellen Liebhaber verführte. Eine solche muss man erst einmal finden; stecke ihr deinen Finger nicht in den Mund, sonst beißt sie deine Hand ab und verschluckt sich daran. Und sie sah aus wie ein Engel, die Ruhe selbst und die Freundlichkeit. Doch das dauerte nur, bis am Horizont ein Mann erscheint.
So machte mich die Freundschaft mit den Klassenkameradinnen stärker. Das Almatinerinstitut blieb als die Schmiede der Freundschaft: jeder für sich; lebe wie du kannst; mein Haus ist am Rande, ich weiß nichts…Eine solche antisoziale Ertüchtigung. Doch als ich mich an der Uni einschrieb, glaubte ich selbst an die studentische Einheit, dass mich hier eine Fülle an Offenbarungen erwartet; die Freiheit vom totalitären Regime der Familie gibt mir das Vergnügungen die Freundschaft mit Gleichgesinnten zu genießen. Doch ich bin ehrlich mit mir selbst: die Studienjahre, vor allen der letzte Kurs waren leuchtend wie der Altweibersommer, von dem du immer träumst und nie möchtest das er zu ende geht. Das war eine Zeit voller Hoffnungen: wenn du das Treffen mit dem aller wichtigsten Menschen deines Lebens erwartest, wenn das Herz erstarrt und du wirklich an ein Wunder denkst. Es gab Treffen, es gab Freude, es gab Fehler.
Doch meine Fehler sind meine Erfahrung. Ich bereue sie nicht, sie waren, ich bin keine Heilige. Die Mehrheit der Menschen wünscht sich ein komfortables Leben, Liebe. Mich nicht ausgeschlossen. Meine Pläne waren es, die Uni ab zu schließen, zu heiraten und eine sorgenvolle Mutter und Ehefrau zu werden. Doch wie man sagt, wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen. Der Schöpfer hatte andere Ideen für mich…
Und noch sagen Menschen, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind. Und dieses Geschenk muss man sich verdienen. Es sieht so aus als ob ich es nicht verdient hätte: der Charakter ist kein Zucker…Der Freund ist ebenfalls ein besonderer Mensch in einem Leben und ich bin sehr vorsichtig mit Freundschaften. Und ich hätte mir nie vorstellen könne, dass die beste Freundin hinter deinem Rücken hinterlistig sein kann, nur um böse zu dir zu sein, sich selbst zu bereichern.
Alles, was das Verhältnis mit Ajnur betraf, ohne auf das andere Geschlecht zu achten, war eine Idylle…Wie mir schien. Wir verbrachten viel Zeit zusammen: wie freundeten uns an und vergnügten uns viel. Das Uni-Leben bedeutet Frivolität, die Unbekümmertheit mit neuen Bekanntschaften. Es schien, als ob diese goldene Zeit ewig dauern würde: du schaust auf das Leben durch eine rosa-rote Brille. Und das Leben erscheint dir in seiner Natur und dann wirst du du selbst…
Nach den Verraten der Lügen-Freundin antwortet ich ihr mit den gleichen Manieren wie sie mir. Und als sie nach hause zurückkehrte um dort zu arbeiten, freute ich mich sogar. Doch sogar aus der Entfernung schaffte sie es, mir zu schaden. Für mich war es ein Rätsel, wie in einer glücklichen Familie, Schlampen zur Welt kommen, ausschweifende Weiber, die eine Freundschaft nicht schätzen können und weitere ehrliche Werte?
Ich war ehrlich begeistert von der Familie Ajnurs. Die wunderbare Tante, welche ihr eigenes Café eröffnet hatte. Und Ajnur warf einen Schatten auf sie mit ihren Ausschreitungen. Die Eltern unterstützten sie sehr. Während sie studierte, schickten sie ihr Geld. Sie lebte bei der Tante und nagte nicht am Hungertuch. Lerne und erfreue deine Nächsten mit den Erfolgen. Ja, in diesen Jahren lernten wir, gingen aus und schwänzten die Schule. Es gab alles. Das war das studentische Leben. Doch was Ajnur und ihrer Schwester fehlte, verstand ich immer noch nicht. Lügen, Stehlen, die Kerle ausspannen, ins Gesicht lächeln und dann verraten? Das alles ist so unvereinbar. Und meine Gedanken zu der Nicht- Adäquatheit Ajnurs wurden nach einer Zeit bestätigt.
Es kam die Nachricht aus ihrer Heimatstadt darüber, dass sie für drei Monate in die Psychiatrie verlegt wurde. Man sollte denken: Die Fakten sprechen für sich.
Als sie zu Gast war, begann sie das Kind ihrer Freundin mit der eigenen Milch zu nähren. Sie unterhielt sich nun mit dem Ehemann der Tante, mit dem sie in einer Firma arbeitete. Das Geheimnis kam ans Licht und es kam zu einem Skandal. Sie ließ sich ohne Scham immer in neue Unanständigkeiten. Und das Ergebnis war das Eingesperrt sein…
Ich erinnere mich, wie ich nach dem Abschluss des Institutes, so freundlich wie ich war, ihrer Schwester Ajgerim bei mir leben ließ und als dank stahl sie mein Handy und einige Sachen. Ich versuchte das Gestohlene zu mir zurück zu nehmen, wandte mich an ihre Tante, und anstatt Entschuldigungen, kamen an meine Adresse Beleidigungen und Drohungen. Die Cousine Ajnurs, sagte mir ehrlich, als ich ihr diese Geschichte erzählte, dass für Ajgerim der Diebstahl eine gewöhnliche Sache sei.
Man gab es zwar zu, doch keiner gab mir das Gestohlene wieder, geschweige denn entschuldigte sich bei mir. Schade. Es heißt: „Mache keine Freude, dann wirst du auch nichts Böses bekommen…“
Nach der Trennung von der Freundin, war ich von der weiblichen Freundschaft enttäuscht. Und es ist schade, dass ich aus der Masse der Studierenden, keine Freundin gewonnen habe, mit der ich durchs Leben hätte gehen könnte und zusammen Freude und Enttäuschungen teilen. Die Kommilitoninnen blieben Bekannte, deren Wege sich mit meinen kreuzten. Die Treffen waren flüchtig, die Gespräche um nichts: der hat abgenommen, die ist dicker geworden, deren Manieren sind nicht gut; dieser hat eine Seele ohne Körper und die einen Körper ohne Seele…Nein, ich kritisiere nicht gerne. Und deswegen werde ich lieber schweigen. Alleine, dann alleine…
Ich bin immer noch die selbe nur stärker, doch ich hätte eine andere werden können. Erinnern Sie sich an die Worte A. Saint – Exuperys:
„Ein Stein kann sich nicht in irgendetwas anderes verwandeln, doch wenn er sich mit anderen Steinen verbindet, wird er zu einer Kirche“?
Doch in dem Fehlen einer echten Freundschaft gibt es auch eigene Pluspunkte. Du musst nicht die Zeit für leere Gespräche verschwenden. Du hast die Möglichkeit die Umgebung zu beobachten und musst nicht anderen erklären, was du gesehen hast. Du kannst viel nachdenken. Du kannst anderen helfen, doch nur ein wenig, weil es eine Falle sein kann, in die du unbedingt gerätst. Sie werden dich vereinnahmen und es bleibt keine Zeit mehr für dich. Wenn du alleine bist, kannst du die anderen beobachten, so dass sie dich nicht bemerken. Du kannst das Leben in seiner ganzen Fülle sehen. Manchmal fliegt das Leben nur so vorbei. Und viele haben es nicht einmal bemerkt.
In den Studentenjahren kam mir das Bewusstsein, dass es keine Beweise gibt, dafür dass wir glücklich wären wenn wir nahe Freunde gefunden hätten. Und ich fand dafür eine Bestätigung. Es gibt zwei Zugänge zu Menschen . Der erste: kritisch, wenn du in allem den Mangel findest. Und der liebende, wenn du den Menschen so annimmst, wie er ist, und sogar die Minuspunkte in Pluspunkte verwandelst. Und nur dann fühlst du dich glücklich.“ Ich nehme das Gefühl des Glückes an und nehme alle, die in mein Leben treten, so an wie sie selbst sind.
.
Die Freundschaft zwischen Erwachsenen
Als ich die neue Arbeit antrat, glaubte ich mit Interesse daran, dass inmitten der Kollegen unbedingt auch Freunde sein werden. Zu meinem Glück war es auch so. Die Freunde kamen, doch wenige blieben in meinem Leben. Nach meinem Wechsel in die neue Filiale, begann ich erst nach einem Jahr Freundinnen zu finden, mit denen ich mich auch in der Freizeit traf. Dann begannen wir uns, bei uns zu Hause zu treffen, die Mädels luden uns zu ihren Hochzeiten ein. Der Kreis variierte. Doch ich danke jedem Mädchen für ihre Freundschaft: Darja, Sveta, Vika…
Als ich Darja zum ersten Mal sah, ahnte ich nicht, dass wir Freundinnen sein werden.
Sie war gesprächig und schlau und nahm direkt die Rolle meiner Mutter an. Doch mit der Zeit half ich ihr diese Rolle zu verlassen. Sie war sehr stark, und mir schien, dass sie mit ihrer Autorität ihren Mann unterdrückte. Sie war schmal und zart und schaffte es auf ihren Schulter Haus und Arbeit zu tragen. Und um noch energischer zu werden, befasste sie sich mit der eigenen Entwicklung.
Darja war wach, gesprächig, doch mit mir oft grob. Und mich reizten ihre Durchsetzungsfähigkeit und dass sie die Grenzen nicht wahrte von meinem persönlichen Raum. Ich bin ganz verzaubert von ihren wunderbaren Kindern: sie sind mir wie meine eigenen, seit ihrer Geburt an. Doch Darja wurde mir nicht zu einer Freundin, von der ich Wärme bekommen habe und Verständnis. Egal was ich ihr erzählte, über meine Sorgen, nahm sie als Bajonette wahr. Ich erwartete eine einfache Unterstützung von mir nahen Menschen und nicht Besserwisserei und Kritik.
Ich stieß bereits zuhause auf Unverständnis. Doch mit anderen war sie sehr lieblich. Ich erinnere mich daran, wie Darja vor einem Mitarbeiter sanft lächelte, und mir gegenüber sich grob und rau verhielt. Ich wollte sie so gern ins Gesicht schlagen für ihre hinterlistige Verhaltensweise mir gegenüber. Ich bin selbst schuld daran, dass ich es mir erlaubte, so mit mir zu verhalten. Die ganze Umgebung wurde mir gleichgültig. Ich nutzte die Pause dafür, um mein Leben umzudenken. Dies war eine freiwillige Isolation . Doch zum finalen Punkt in unserer Freundschaft, wie auch in anderen Geschichten , die sich früher ereigneten, wurde ein Ereignis auf der Arbeit. In für mich schweren Augenblicken, zeigte mir Darja ehrlich ihr wahres Gesicht:
Bei der Wahl von Leitern oder Freunden, stand sie auf der Seite des Chefs, wissend dass er nicht recht hat (der Sohn eines Goldbonzen, der zum Direktor ihrer Filiale aufstieg). An ihrer Stelle hätte ich mich für die Freundin eingesetzt. Ich war erfreut über ihre Immigration aus dem Land. Wir schreiben uns selten. Ich denke das ist zum besten, dass uns Kontinente trennen…
Ungefähr zu dieser Zeit freundete ich mich mit einer Marketingfachfrau unserer Firma – Diana, an. Ich freute mich, dass die lächelnde Diana sich sehr unterschied von der frechen Darja, sie wurde zu meiner Gleichgesinnten in der Kunstwelt. Wir besuchten Konzerte , Ausstellungen, Museen. Doch nach traurigen Ereignissen in unserer Firma, distanzierte sie sich von mir. Und auch ich war so blöd, sich mit Asel‘ anzufreunden, welche schon lange die Bekanntschaft mit Diana machen wollte und mich immer wieder überredete gemeinsam spazieren zu gehen, sich zu treffen außerhalb der Arbeit.
Ich war immer selbst schuld daran, dass ich in meiner Gutmütigkeit, meine potentiellen Liebhaber, meinen Freundinnen schenkte und den Freundinnen anderer Freundinnen. Niemand hat mir das seine gegeben, mich mit guten Menschen bekannt gemacht.
Der Amor war ich – ein naiver Dummkopf. Asel‘ zeigte einen sehr großen Einfluss auf Diana. Sie freundeten sich an, und ich blieb allein. Vielleicht war sie immer so. Das war ich, die versuchte das Schöne in den Menschen zu sehen und zog mich an diese, die sich überhaupt nicht für mich interessierten. Die Zeit stellte alles auf seinen Platz. Und wie sagte mein ehemaliger Chef: „Es gibt keine Freundschaften unter Frauen!“
Ich bin einverstanden mit ihm zu hundert Prozent. Die freundschaftliche Ehrlichkeit ist eine Gabe von oben. Doch nur Zeit zeigt, was wertvoll ist und was nicht. Ich bin überzeugt davon.
Epilog
Freundlichkeit ist schlimmer als Diebstahl. Für die Güte und die Treuherzigkeit wurde ich im Leben oft bestraft. Und eines Tages setzte ich Grenzen, in dem ich mich einfach von seelenlosen Menschen distanzierte. Hinter der Grenze war auch die Verwandtschaft. Ich wurde ruhig und begann es zu schätzen. Die Ruhe ist der beste Zustand und ich schätze diesen.
Die Freundschaft bedeutet nicht unbedingt, viele Freunde zu haben. Ich schätze die Freundschaft von jedem, der in mein Leben tritt. Doch es gibt auch eine Kraft in der Einsamkeit. Die Einsiedler sind starke Menschen, die keine pseudo- Freundschaft und giftige Verhältnisse benötigen. Mit den Jahren verstehst du es, dass man auf der Arbeit entweder keine Freunde hat, oder man diese an zehn Fingern abzählen kann. In der Schule und in der Uni hat man eine größere Chance, Freunde zu treffen. Doch auch sie bleiben nicht für immer. Für mich war es schmerzhaft zu hören – ein Geständnis einer ehemaligen Freundin: „Was hast du denn gedacht? Dass ich mit dir bis zum Altwerden befreundet sein werde?“ So stehen die Dinge! Ich konnte mir ein Leben ohne unsere Freundschaft nicht vorstellen: nicht eine Schwester war mir so nahe wie Ira. Nun, ich respektiere die Wahl eines jeden. Ich freue mich darüber, dass ich mich wert schätzen kann, egal was man über mich erzählt.
Ich weiß, das Gerüchte und Neid, Teil des Lebens sind. Eines Tages hörte ich von meiner Lehrerin, der Schauspielerin Veroniki Nasal’skij über einen Dialog mit dem Professor zum Thema „Gerüchte und Neid in intellektuellen Kreisen.“ Sie fragte den Professor darüber, ob es Gerüchte in intellektuellen Kreisen gäbe? Man hörte, dass in den Boheme-Kreisen, immer Konkurrenz, Neid und Intrigen existierten. Darauf antwortete der Professor: „Wir essen uns gegenseitig, ohne zu schmatzen!“ Hier hast du deine Geschichte.
Das Selbe über Freundschaft. Du wartest auf eine Freundschaft wie die von Krokodil Gena und Cheburaschka, dann taucht anstelle von Cheburaschka die freche Shapokljak mit der Ratte Lariska auf und macht Schabernack bis zu dem Punkt, an dem du die Zähne zeigst und sie in den Hintern trittst. Ich machte einen Punkt in den Verhältnissen mit solchen „Freundinnen“ und lebe wunderbar ohne sie, ohne jemanden zu brauchen. Und heute werde ich umgeben von den aller ehrlichsten Freunden, die ich in den Jahren meines Lebens gewann. Ich liebe sie und schätze sie sehr. Doch diejenige, die ich aus meinem Leben gestrichen habe, werden nie in meinem herzen bleiben. Sie gehören alle der Vergangenheit an…Ich danke ihnen für die Erfahrung und die Möglichkeit stärker zu werden und weiser.