Eine Holztreppe. Es regnet. Ein echter, fernöstlicher, kalter Augustregen. Ein solcher Regen erschafft in einem Augenblick die Pfützen, auf denen man springen kann, das Gesicht neigen in den Wasserstrahl, und du wirst augenblicklich nass. Wobei, wahrscheinlich rede ich über einen anderen Sommerregen, wenn aus dem Himmel, sogar aus dem Wölkchen, ohne die Sonne zu verschließen,„Natalija Limar‘: „Der kalte Regen““ weiterlesen
Monatsarchiv:März 2021
Lidija Koshutskaja: „Die Schatulle“
Es erklang die Musik des Windes. „Entschuldigen Sie bitte…“ „Nicht Entschuldigensiebitte, sondern Tantchen Til’da“, korrigierte ich die eben Eingetretene. „So nennen mich alle.“ Die junge Frau blinzelte, machte den Mund auf, dann wieder zu. Ihrem Alter nach war sie siebzehn Jahre, langes, helles Haar, das chaotisch nach einem Lauf oder einem schnellen Gang hin und„Lidija Koshutskaja: „Die Schatulle““ weiterlesen
Natalija Limar‘: „Winter, Sibirien, Feuerstelle“
Winter. Sibirien. Sehr viel Schnee. Der Schnee knirscht unter den schnellen Füßen. Ein Kerl läuft zum Auto, im Innenraum des Wagens ist es wärmer, doch warm wird ihm trotzdem nicht. Ist ganz durchfroren. Läuft so vor sich hin, so schön und jung, tänzelnd, der trockene Schnee knirscht unter den Stiefeln. Der Hut liegt schräg, der„Natalija Limar‘: „Winter, Sibirien, Feuerstelle““ weiterlesen
Evgenija Lomakina: „Business auf Kamelen“
Es war ein gewöhnlicher, grauer Tag. Draußen war Frühling, doch nicht jener, wenn die Knospen wachsen, Vögel trillern und in der Luft die Erwartung des Wunders fliegt und der Erneuerung, sondern jener Frühling, wenn der Schnee beginnt zu tauen, sich mit dem Schmutz zu vermischen und aus dem Schnee kommen die vorjährigen Blätter und der„Evgenija Lomakina: „Business auf Kamelen““ weiterlesen
Olga Romanova: „Die Makel der Liebe“
Wohin man auch schaut, es kamen Wolken auf, über dem Meer hing ein Nebeldunst. Dieser löschte die Bläue des Meeres, verschloss die violetten Berge und die bunten Häuser. So versteckt sich auch manchmal die Liebe und tut so, als wäre sie unsichtbar. Mal hat man ganz viel von ihr, die mit der ganzen Sonne leuchtet,„Olga Romanova: „Die Makel der Liebe““ weiterlesen
Dana Kanafina: „Die Geliebte“
Um die Wohnung zu erreichen, in der du in Prag wohntest, musste ich zuerst die U-bahn nehmen und dann die Tram. Das Warten inbegriffen, nahm der ganze Weg ca. 40 Minuten hin und zurück ein. Als du dir den Arm gebrochen hattest, fuhr ich jeden Tag zu dir. Du strittest immer mit mir, wenn ich„Dana Kanafina: „Die Geliebte““ weiterlesen
Elena Vovnova: „Die Mandarinen reifen im Dezember“
In der Hoffnung, wenigstens eine noch nicht verfaulte Mandarine zu finden, nahm Jana langsam und nachdenklich aus der großen Holzkiste, das heraus, was von den Mandarinen übrig war und legte die orange Paste auf den Teller auf der Fensterbank. Die Kiste mit den Aufklebern von Fluglinien und Flughäfen stand neben der Wand, von der aus„Elena Vovnova: „Die Mandarinen reifen im Dezember““ weiterlesen
Aisulu Beken: „Der Weg nach Hause“
Ich blickte pausenlos auf die Uhr. Ich wollte so schnell wie möglich diesen Ort verlassen. Eine halbe Stunde dauerte solange wie eine Ewigkeit. Wir saßen im kleinen Minivan und warteten auf unseren Chauffeur, der mit einem anderen Chauffeur ein Gespräch führte. Sein Passagier war zu spät dran. Meine Mitreisenden waren bestürzt: auf wen warten wir?„Aisulu Beken: „Der Weg nach Hause““ weiterlesen
Natal’ja Löwina: „Der Hase“
Natal’ja Löwina Ich fand mich zufällig in Tula wieder. Als im Waggon eine Stimme widerhallte, die den Stopp des Zuges in dreiundzwanzig Minuten, ankündigte, da verschnellerte das Adrenalin den Rhythmus des Herzens vom Trab zum Galopp. Ich hielt die Zeit auf dem Handy fest. Dreiundzwanzig Minuten. Wird mir das reichen? Die Stimme am Bahnhof sprach„Natal’ja Löwina: „Der Hase““ weiterlesen
Olga Kapitova: „Solange der Kafee kocht“
„Möchtest du Kaffee?“ Seröga antwortet nicht und schluckt laut den Speichel herunter. „Nun, Schweigen ist ein Zeichen der Einverständnis“, ich zucke die Schultern und nähere mich dem Schrank. Ich öffne die Dose – leer. Seltsam, gestern noch, war sie voll. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und nehme von dem höheren Regal eine neue Packung.„Olga Kapitova: „Solange der Kafee kocht““ weiterlesen