Kharaglysh – ein kasachisches Märchen
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Es lebten einmal fünf Brüder. Sie setzten viel Korn neben einem großen Baum.
Als das Korn reif war, merkten die Brüder, dass irgendeiner des nachts kommt und es aufisst. So begannen sie auf das Korn aufzupassen. Als erster begann der große Bruder, doch er hat niemanden bemerkt. Nach ihm begannen die weiteren drei Brüder aufzupassen, und am fünften Tag, der jüngste Bruder, mit dem Namen Kharaglysh.
Als er das Korn beobachtete, flog vom Himmel eine schwarze Stute und begann das Korn zu essen. Kharaglysh fing die Stute. Da begann diese plötzlich zu sprechen:
„Lass mich los, Kharaglysh. Ich habe fünf Fohlen. Wenn du mich gehen lässt, gebe ich sie dir und deinen Brüdern.“
Kharaglysh ließ die Stute gehen. Diese brachte ihm die Fohlen und verteilte sie an die Brüder. Das kleinste Fohlen schenkte sie Kharaglysh.
Als die Brüder die Fohlen laufen ließen, war das Fohlen Kharaglyshs als erstes da. Eines Tages sah Kharaglysh an einem Ort Rauch. Er fuhr näher und sah die Behausung der Hexe. Diese Hexe hatte fünf Töchter. Kharaglysh betrat die Behausung der Hexe: auf dem Boden saßen ihre Töchter und spielten. Als sie Kharaglysh sahen, liefen sie davon. Er versteckte sich unter dem Teppich. Als die Töchter zurück kehrten, schnappte er sich diese: Vier nahm er unter die Achsel, die fünfte auf die Schulter, dann setzte er sich auf das Pferd und ritt davon. Doch die Hexe fing ihn ab und sagte: „Kharaglysh, ich werde dir morgen meine Töchter geben, und nun übernachte bei mir.“
Kharaglysh kehrte zur Hexe zurück und gab ihre ihre Töchter. Des nachts baute die Hexe eine Jurte für Kharaglysh auf. Nach einiger Zeit ging er heraus und bemerkte, dass sein Fohlen weinte.
„Die Hexe möchte dich diese Nacht töten. Sie ging in die Schmiede, um ihren Zahn zu spitzen.“
Kharaglysh hörte sich an, was das Fohlen ihm erzählte und kehrte in die Jurte zurück. Vor Angst konnte er nicht einschlafen. Da kam jemand zu ihm. Das war die Hexe. Sie wollte überprüfen, ob er schläft. Und als sie bemerkte, dass er noch nicht schläft, sprach sie:
„Schlafe, du Guter!“
Doch er konnte nicht schlafen.
Nach einiger Zeit kam die Hexe wieder zu der Jurte, blickte in den Spalt. Und bemerkte wieder, dass Kharaglysh nicht schläft. Da sprach sie:
„Schlafe, du Guter!“
So kam sie einige Male vorbei, bis zum frühen Morgen, doch Kharaglysh schlief nicht. Da musste die Hexe ihre Töchter den Brüdern abgeben, die bald zu Kharaglysh kamen. Als sie ihre Töchter hergab, sprach die Hexe:
„Nicht weit von hier sind drei Berge. Hütet euch davor, auf dem mittleren zu übernachten.“
Als der Abend kam, legten sich die Brüder auf den mittleren Berg, um dort zu schlafen, und Kharaglysh legte sich auf den Berg in der Nähe.
Am nächsten Morgen hörte Kharaglysh, dass seine Brüder weinen, und jemand spricht zu ihnen:
„Führt mich zu eurem Bruder, dann lasse ich euch gehen!“
Kharaglysh betrat die Jurte der Brüder und sah darin eine Schlange, die die Brüder nicht gehen ließ. Er blieb bei der Schlange, und seine Brüder gingen. Da sprach die Schlange zu ihm:
„Ein mächtiger Zar hat eine nicht sterbliche Tochter, führe mich zu ihr! Dann lasse ich dich gehen!“
Kharaglysh war einverstanden und begab sich auf die Reise. Auf dem Weg traf er einen Menschen, der einen Berg auf einen weiteren Berg stieß. Kharaglysh fragte ihn:
„Was machst du hier?“
Jener antwortete ihm:
Ich soll der Begleiter Kharaglyshs sein und warte hier auf ihn.“
Kharaglysh begab sich weiter, gemeinsam mit dem Riesen. Auf der Fahrt trafen sie einen weiteren Menschen. Dieser konnte das ganze Seewasser in den Mund nehmen. Sie nahmen ihn ebenfalls mit sich. Dann trafen sie einen Menschen, der besonders gut hören konnte; dann begegnete ihnen ein guter Schütze und anschließend ein Läufer. Der letztere war flink.
Sie setzten sich alle auf Kharaglyshs Pferd und begaben sich auf die Suche nach der Zarentochter. Sie fuhren lange und erblickten zwei Berge: Von dem einen floss Blut, und von dem anderen Schmutz. Hinter diesen Bergen befand sich ein Aul des Zaren, der die unsterbliche Tochter hatte.
Die Berge bestanden aus Knochen derer, die die Zarentochter zur Braut nehmen wollten und dabei starben. Kharaglysh ging direkt zum Zaren und sprach:
„Ich komme, um deine Tochter zu holen!“
„Gut“, sagte der Zar. „Ich gebe dir fünf Aufgaben. Wenn du diese erfüllst, dann gebe ich dir meine Tochter. Wenn nicht, dann befehle ich, dich zu töten.“
Kharaglysh war einverstanden mit diesen Bedingungen.
Zuerst schickte man die Pferde los: Es ergab sich, dass das erste Pferd, das Fohlen Kharaglyshs war. Dann sollte ein Wettlauf der Menschen statt finden. Kharaglysh ließ seinen Begleiter, den Läufer, laufen, und der Zar irgendeine Alte. Diese nahm einen Eimer Honig mit sich. Auf dem Weg gab sie ihrem Feind etwas Honig und machte ihn betrunken. Der Läufer schlief ein. Die Alte stellte ihren Eimer neben ihm und lief weg…
Kharaglysh befahl seinem Hörer zu erfahren: wie viele Menschen gehen diesen Pfad?“ Jener hörte zu und sprach:
„Nur ein Mensch!“
Da befahl Kharaglysh seinem Begleiter, dem Schützen, in den Eimer zu zielen. Dieser tat es und der Läufer wachte auf. Und als er bemerkte, dass die Alte weit vor ihm war, nahm etwas Sand mit und begann er sie einzuholen. Er schaffte es und sprach zu der Alten:
„Blicke hierher, Alte!“
Und just als sie in die Richtung des Läufers blickte, warf er Sand in ihre Augen. Sie bedeckte mit der Hand die Augen und konnte nicht weiter laufen. Der Läufer war als erster da. Schon wieder gewann Kharaglysh.
Endlich befahl der Zar allen, sich in das Eiserne Haus zu begeben, das auf heißen Kohlen gebaut wurde. Da nahm Kharaglyshs Begleiter Wasser aus dem See in den Mund. Und als das Haus beinahe zu verbrennen begab, ließ er das Wasser darauf und rettete alle vor dem Tod. Der Zar war genötigt, seine Tochter Kharaglysh abzugeben. Dieser nahm sie und kehrte zu der Schlange zurück, seine Begleiter blieben dort, wo sie ihn zum ersten Mal getroffen hatten. Als Abschiedsgeschenk wollte er ihnen seine Kleidung geben, doch diese nahmen sie nicht zu sich.
Kharaglysh gab der Schlange die Tochter des Zaren und kam gesegnet zu den Brüdern zurück.