Dienstags, Donnerstags und Samstags wählt er die Kasse, die am nächsten zum Ausgang ist. Montags, Mittwochs und Freitags – die Zweite, diese gefällt ihm weniger. Sonntags geht er nicht einkaufen.
Heute ist Mittwoch, deswegen geht er mit schwerem Atem zu jener unangenehmen Kasse, da ist die Schlange länger und die hohe Frau lädt auf das Fließ-band eine große Vielzahl von Lebensmitteln.
Dienstags bewegt sich die Schlange etwas schneller, doch er schaut nicht einmal in ihre Richtung. Er wartet.
„Junger Mann!“, die blonde Kassiererin winkt ihm mit der Hand. „Bei mir ist frei, kommen Sie!“
Die hohe Frau fährt eilig damit fort, drei Stangen Wurst, zwei Packungen Milch, eine Packung Cornflakes auf das Fließ-band zu legen, und er beobachtet sie dabei, hält dabei seinen Korb mit dem Kefir, Baguette und der Tafel dunkler Schokolade, Cherrytomaten und eine Sammlung von fünf Schwämmen zum Spülen vom Geschirr.
Die Kassiererin wackelt mit den Schultern und dreht sich zu der Frau mit der Lederjacke, die sich ihr gerade erst näherte. Er atmet ruhig aus und fährt fort mit dem Warten.
Endlich packt die hohe Frau all ihre Waren ein und nimmt die Karte heraus, um zu bezahlen.
„Gibt es einen Rabattzettel?“, murmelt wie gewohnt die Kassiererin mit den schwarzen Locken.
„Nein.“
„Wollen Sie einen?“
Ihre blonde Kollegin, die der Frau in der Lederjacke bereits mit ihren Einkäufen geholfen hat, blickt wieder auf ihn, doch er blickt prinzipiell auf den Stand mit den Zigaretten. Natürlich raucht er nicht, doch er erreicht, was er will: die Kassiererin beschließt ihn nicht weiter zu rufen, noch siebzehn Sekunden und die hohe Frau schnappt die letzte Tüte und geht langsam zum Ausgang.
Er breitet mit Vergnügen die Einkäufe aus. Zuerst den Kefir, dann die Schwämme…
Die Lockighaarige schaut nicht einmal auf die Waren, während sie diese scannt. Doch blickt sie ihn auch nicht an. Ihr Blick ist in eine andere Zeit gerichtet, entweder in eine sorgenvolle Vergangenheit, oder in die Zukunft, wo es auch nichts lichtes gibt, und die Hände machen die Arbeit. Solche gefallen ihm nicht. Sie kontrolliert nicht die umgebende Realität, weiß nicht wo sie sich befindet, und macht alles automatisch. Solche machen oft Fehler.
„Haben Sie einen Rabatt+?“
„Nein“, antwortet er kühl.
„Wollen Sie einen?“
„Nein.“
„Dann bekomme ich von Ihnen zweitausendvierhundert neunundneunzig.“
Er kommt sich vor, als würde man ihm ins Gesicht schlagen. Es wird heiß.
„Entschuldigen Sie, wie viel?“…“
Die Lockighaarige rollte für eine Sekunde mit den Augen.
„Zwei vierhundert neunundneunzig.“
Er stellt sich vor, wie er sie mit dem Gesicht an die Kasse schlägt und auf dem Gesicht bleiben die Eindrücke der Zahlen. Er atmet aus und lächelt unbequem:
„Das kann nicht sein. Ich habe alles berechnet. Es sollte zweitausend vierhundert sechsundachtzig herauskommen.“
„Junger Mann“, die Lockighaarige spricht in einem solchen Ton, also ob sie dreißig Jahre älter ist als er.
„Meine Kasse zählt alles automatisch, denken Sie, dass Sie schlauer sind als die Maschine?“
Er richtet seine Brille.
„Ich habe einen Doktor in Mathematik, deswegen denke ich, dass ich schlauer bin. Kann man noch mal durch zählen?…“
„Was hast du das Doktor? Wurst?“, murmelt die Kassiererin und erhebt die Stimme. „Das gehört sich nicht. Bezahlen Sie ihre Einkäufe. Bitte.“
Er stellt sich vor, wie er sie an der Hand nimmt, wie ein Kind, sie aus dem Supermarkt führt, dann hinter die Häuser, wo die Eisenbahn ist. Er möchte, dass sie nichts versteht, so wie sie auch jetzt nichts versteht, und dass sie mit Vergnügen auf den Schienen sitzt, bis er ihr zur Verabschiedung zuwinkt.
Die Blonde, so sah es aus, fuhr fort ihn zu beobachten, rechnete mit dem letzten Kunden ab und befand sich hinter dem Rücken der Lockighaarigen, sie sprach ganz schnell mit einer hohen Stimme:
„Nun denn, natürlich denken wir nicht, dass sie nicht recht hatte! Lasst uns alle Daten vergleichen…Entschuldigen Sie…Professor? Wie heißen Sie?“
Er schwieg, fuhr fort mit dem Lächeln und dachte, wie er mit Vergnügen ihr Haar um seine Faust wickeln würde. „Sehen Sie, die Sache ist die: Die Tomaten haben ein falsches Gewicht, deswegen kosten sie mehr… Doch das ist nichts schlimmes, stimmt es= Und wollen Sie, ich werde schnell laufen, eine neue Packung holen, da sind neue Preise drauf….“
Er stellt sich vor, wie viele Cherris in ihren Rachen passen würden und spricht leise:
„Nein, nein, machen Sie sich keine Sorgen“, schade, dass er heute nicht ihre Kasse auswählen durfte. Dann hätten die Bilder im Kopf aufgehört zu blinken. Dann müsste er nicht denken, wie er die beiden würgen wollte. ER würde einfach schnell nach hause gehen, Kefir trinken und das Mittagessen vorbereiten. Ja, auf dem Tisch, lag das Huhn, welches gerade auftaute. Dieses ähnelt sehr dem weichen, weiblichen Fleisch, und er würde in Ruhe essen, ohne sich darüber Sorgen zu machen, dass der Zug lange nicht kam und die Kassiererin war gerettet. „Alles in Ordnung. Ich zahle.“
Ihm wurde heiß, als man von der Karte mehr abhob, als nötig war, doch er biss sich auf die Wange von Innen und fuhr fort zu lächeln. Zum Glück hat die Blonde die Lebensmittel eingepackt, während die Lockighaarige schon mit dem nächsten Kunden sprach. Ihm kam es schlimm vor, wenn sie wieder seine Einkäufe berühren würde.
„Einen schönen Tag!“ die Blonde reichte ihm seine Tüte. Und er war frei.
Er ging nachhause, seine Gedanken hassend. Er verstand, dass er sie nicht kontrollieren konnte und beruhigte sich, dass es nur Gedanken waren. Er machte nichts. Tat nichts der Lockighaarigen. Und die Ziffern legten sich in seinem Kopf nicht richtig…Macht nichts, er weiß, wei man diese in Ordnung bringt, und nun wird alles gut sein. Er lobte sich noch einmal für seine Zurückhaltung, und machte die Tür des Hauses hinter sich zu.
„Ich bin zurück“, sprach er laut. Aus dem Schlafzimmer hörte man niemanden und er eilte dorthin: Was ist, wenn ihr irgendetwas zugestoßen ist? Doch nein, sie wartete immer noch auf ihn, im rosa Kleid mit roten Mustern. „Stell dir vor, was mitr heute zugestoßen ist“, und er berichtete über die Ereignisse im Supermarkt. „Und nun sitzt jene teuflische Zahl zweitausend vierhundert neunundneunzig in meinem Kopf. Dumm, stimmt es? Doch ich weiß, wie ich es los werde. Man muss es einfach aus sich ausspülen, verstehst du?“
Sie hob die Augen. ES schien, als ob sie gar keine Kräfte mehr hatte.
„Ich weiß, dass du müde bist, doch ich benötige deine Hilfe.“
Er nahm aus dem Kleiderschrank einen Pullover, senkte sich neben sie. Sie stöhnte leicht. Mit einem Ruck hob er ihr Kleid nach oben.
„Du bist meine Starke“, lächelte er. „Und schlau, warst immer die Beste in meinem Fach. Nun, zähle mit mir: eins…zwei…drei…