Nacht. Ich gehe die Eisenbahnbrücke entlang, die sich über einen winzigen Fluss zieht. Wahrscheinlich war dieser einmal breit gewesen, wenn man eine solche Brücke gebaut hat. Im Umkreis nur Ödland, in der Weite leuchten die Lichter des Privatsektors. Wie sagte er noch einmal? „Wenn du nicht zur Meinen wirst, werde ich mich von der Brücke werfen.“ Ich hätte sagen sollen – hau ab und mach das. Doch er tat mir leid. Die Mutter hat recht wenn sie sagt, man solle kein Mitleid haben. Nun nennt mich sein Vater Schlampe, und er…Hat sich nicht einmal für mich eingesetzt. Sitzt da und murmelt etwas. Ihr könnt mich alle mal.
Im Umkreis ist niemand. Ich schaue auf die Sterne und beruhige mich langsam. Ein Sternchen bewegt sich am Himmelszelt und wird größer. Die Farbe wechselt von weiß zu gelb. Näher, noch näher, nun hat es die Größe eines Tennisballes. Ich erstarre und beobachte die Bahn seines Fluges. Was ist das? Vielleicht ein Sputnik? Vielleicht ein UFO? Gleich wird sich das Schiff direkt vor mich auf das Gleis setzen und mich von hier mitnehmen. Und dann fliegen wir auf einen anderen Planeten, weiter weg von Saschka und seinen Verwandten. Ich schaue, wie mein Sternchen, ohne mich zu erreichen, sich in der Dunkelheit auflöst. Zu viel geträumt.
„Hey Mädel, hast du das UFO gesehen?“, hört man eine männliche Stimme von unter der Brücke.
Ich erzittere. Was ist das für ein Mann dort unten am Fluss? Er sieht mich und ich ihn nicht. Doch ich antworte trotzdem:
„Habe ich.“
„Und ich dachte, ich habe Hallus“, schreit er. „Wohin gehst du?“
„Nach Hause.“
Ich verschnellere mein Tempo. Nicht, dass er zu mir auf das Gleis klettert, um über die Außerirdischen zu sprechen. Vor mir sehe ich eine Kette von gelben Lichtern. Ich denke mir, noch ein Kilometer und das Ödland hört auf. Dort ist eine große Straße, eine Stadt, die Zivilisation. Irgendwie schaffe ich das.
Nach einer Zeit führen mich die Gleise zu einer Autobrücke. Ich klettere auf die Aufschüttung. Der Kies knirscht unter den Füßen. Ich klettere über die Abgrenzung und finde mich auf einer beleuchteten Straße wieder. Es sind nur wenige Autos da. Die Stadtviertel sind ganz in der Nähe, alles ist nicht so furchtbar wie auf de Ödland. Neben mir bremst ein kleiner Bus.
„Enkelin, wohin gehst du so alleine? Setze dich, ich nehme dich mit.“
Hinter dem Steuer sitzt ein großer, grauhaariger Alter. Vielleicht kann er mich wirklich nach Hause fahren? Oder wenigstens in die Nähe? Ich klettere in das Auto und setzte mich neben den Fahrer. Der Bus startet. Der Alte beobachtet mich.
„Ich komme vom Dienst, habe alle nach Hause gebracht. Hungrig, wie ein Hund. Meine Alte hat mir etwas Essen mit auf den Weg gegeben. Lass uns anhalten und etwas speisen. Oder bist du in Eile?“
„Nein, bin ich nicht“, sage ich und füge dann hinzu: „Ich habe mich mit meinem Freund gestritten. Er lud mich zum Angeln ein, sagte, dass wir um vier Uhr nachts starten und ich über Nacht bleiben soll. Da lenkte der Vater ein und blickte auf die Nacht. Er mag mich nicht. So habe ich sie alle zum Teufel geschickt und gehe nun nach Hause.“
Der Alte nickt mit Verständnis. Er fährt einen Seitenweg entlang und biegt in irgendeinen Hof ab. Bleibt stehen.
„Lass uns in den Salon gehen, Enkelin, und was essen. Ich bin müde von dem langen Arbeitstag.
Er löst den Gurt, macht die Tür auf und springt heraus. Ich klettere ebenfalls heraus. Oh. Der Alte ist riesig von seiner Statur, ein Meter neunzig, nicht weniger. Er blickt mich von oben bis unten an und schmunzelt.
„Hast du nicht damit gerechnet? Ich bin Ilya Muromec. Und ich heiße Ilya Ivanych. Und du?“
„Aljena. Mama nennte mich Lölja, doch das kann ich nicht ertragen.“
„Wie alt bist du denn, dass du bereits einen Freund hasz?“
„Sechzehn. Ich bin eigentlich volljährig. Habe vor kurzem meinen Ausweis bekommen.“
„Wenn das so ist….Lass uns in den Salon gehen. Ich habe dort eine Thermoskanne mit Tee und Pirogen. Du bist doch hungrig?“
„Nein, ich bin böse.“
Ilya Ivanovich macht die Tür des Salons auf, lässt mich durch und betritt diesen keuchend selbst.
Er nimmt den ganzen Raum des Wagens ein.
„Lass uns auf den Rücksitz setzen, ich habe alles da.“
Er setzt sich schwerfällig hin, nimmt seine Tasche heraus und kramt in ihr. Ich setzte mich neben das Fenster.
Ivan Ivanovych nimmt die in Zeitung eingewickelten Piroggen heraus und reicht mir eine.
Anstatt einer Thermoskanne befindet sich in der Tasche eine Flasche Wodka und zwei Plastikbecher. Der Alte reicht mir einen davon.
„Lass uns trinken. Es gibt keinen Tee. Die Alte hat vergessen die Thermoskanne mitzugeben.
Nun, den Tee hat sie vergessen und den Wodka nicht. Ich glaubte ihm.
„Nein danke, ich trinke nicht.“
„Dann iss Piroggen und ich werde trinken“, der Alte gießt sich einen vollen Becher Wodka ein, atmet aus und trinkt den Wodka in einem Zug. Dann wischt er sich den Mund mit dem Ärmel ab, beißt in die Pirogge. Er schmatzt und isst sie auf.
„Äch, wie gut. Wo wohnst du denn, Enkelin?“
„Im dreiundzwanzigsten Bezirk.“
„Oh, das sind fünfzehn Kilometer von hier.“
„Können Sie mich nicht fahren?“
„Ich habe getrunken. Was ist, wenn wir Bullen treffen?“ Als er bemerkt, dass ich aufstehe, nimmt er meine Hand und drückt mich wieder auf den Sitz. „Warte, warte. Beeile dich nicht. Wir können einen Umweg fahren, ich darf nicht die Hauptstraße nehmen, sonst nimmt man mit den Führerschein weg. Wer soll dann arbeiten?“
„Sind Sie nicht Rentner?“
„Ja, seit kurzem. Doch die Leitung lässt mich nicht gehen. Ich bin unaustauschbar.“
Der Alte nähert sich mit. Sein kariertes Hemd riecht nach Schweiß. Dazu noch ein sauerer Geruch, den nur Alte an sich haben. Da umarmt er mich und legt sich auf mich, flüsternd:
„Was ist Enkelin. Gib mir. Meine Alte gibt es mir seit zehn Jahren nicht mehr.“
Vor Überraschung erstarre ich und kann mich nicht bewegen. Der Alte zieht mich an meiner Bluse und drückt sich mit seienr unrasierten Wange in meinen Hals.
„Enkeltochter, ziehe dich aus. Ilya Ivanovich braucht nicht viel. Nur einmal.“
Er ist robust und stark. Ich habe das Gefühl, als ob ein riesiger Baum auf mir liegt. Die grauen Strähnen klettern in meinen Mund. Ich spucke sie aus und huste. Da fange ich an noch mehr zu husten und berühre meinen Hals.
„Asthma…ich habe Asthma…“
Ich verdrehe die Augen und zittere.
„Meine Tropfen…machen Sie dir Tür auf….Luft…“
Der Alte lässt mich los. Er ist erschrocken.
„Gleich Enkeltochter, gleich“, murmelt er. Er zieht mich zum Ausgang, macht die Tür des Wagens auf.
Ich rutsche an ihm vorbei und finde mich draußen wieder.
Ich falle ins Gras. Man darf nicht langsam sein. Die Angst, die mich davor so übermannte, gibt mir nun Kraft. Ich stehe abrupt auf, ohne auf das Auto oder den Alten zu blicken, laufe ich in Richtung des nächsten Mehretagenhauses.
Ich laufe und betrete einen Hof. Dieses Haus geht. Ich springe in das zweite Treppenhaus, gehe die Leiter hoch und drücke auf den Knopf des Aufzuges. Dieser macht Geräusche. Das Herz springt im Hals, in den Ohren ein Rauschen. Schneller, Schneller. Ich drücke und rücke auf den Knopf. Endlich kommt der Aufzug und öffnet sich. Ein Lämpchen leuchtet trüb. Die Türen gehen langsam zu als ich auf den Knopf der achten Etage drücke. Der Alte weiß nicht, dass ich hier bin. Dass ich in genau diesem Haus bin. Der alte Bock, glaubte mir, dass ich Asthma habe. Ich zittere immer noch. In dem schmutzigen Spiegel des Aufzuges sehe ich mein Spiegelbild. Wilde Augen, zotteliges Haar, der Kragen der Bluse ist zerrissen. Ich berühre mit den Händen meine Haare und versuche sie zu glätten. Die Handflächen sind kalt und feucht.
Der Aufzug hält an. Ich gehe auf Zehenspitzen an den Wohnungen vorbei und steige die Treppe hinab. Ich schaue aus dem Fenster. Unten beleuchten die Laternen den Spielplatz. Eine Rutsche, ein Sandkasten, Schaukeln. Der weiße Bus umfährt den Hof und verschwindet beim Ausgang des Hauses gegenüber.
Долгая ночь
Ночь. Я иду по железнодорожному мосту, протянувшемуся над мелкой речушкой. Наверно, когда-то она была широкой, раз такой мост отгрохали. Вокруг пустырь, вдали мерцают огоньки частного сектора. Как он там говорил? «Если ты не станешь моей, я пойду и сброшусь с моста». Надо было сказать, – ну и вали, бросайся! Пожалела. Правильно мама говорит – этим местом не жалеют. Теперь его папаша называет меня шлюхой, а этот… Даже не вступился! Сидит и мямлит что-то себе под нос. Да пошли вы все!
Вокруг никого. Смотрю на звезды и постепенно успокаиваюсь. Одна звездочка движется по небосклону и увеличивается. Цвет из белого становится желтоватым. Ближе, еще ближе, вот она уже размером с теннисный мячик. Я замираю и наблюдаю траекторию ее полета. Что это? Может, спутник? А вдруг, это НЛО? Сейчас их корабль опустится передо мной прямо на рельсы, и заберет меня отсюда. А потом мы полетим на другую планету, подальше от Сашки и его родственничков. Я смотрю, как моя звездочка, не долетев до меня, постепенно тает во тьме. Размечталась.
– Эй, девчонка! НЛО видела? – доносится мужской голос из-под моста.
Я вздрагиваю. Что за мужик там внизу, возле речки? Он меня видит, а я его нет. Но все равно отвечаю:
– Видела.
– А я думал, у меня глюки, – кричит он, – Ты куда идешь?
– Домой иду.
Ускоряю шаг. Не хватало, чтоб он залез ко мне на рельсы поговорить о пришельцах. Впереди вижу цепочку желтых огней. Думаю, еще с километр, и пустырь закончится. Там большая дорога, город, цивилизация. Как-нибудь доберусь.
Через некоторое время рельсы подводят меня к автомобильному мосту. Я карабкаюсь на насыпь. Гравий осыпается под ногами. Перелезаю через ограждение и оказываюсь на освещенной дороге. Машин мало. Городские кварталы уже близко, – все не так страшно, как на пустыре. Рядом тормозит микроавтобус.
– Внучка, ты куда идешь одна? Садись, подвезу.
За рулем крупный седой дед. Может, и правда, подвезет до дома? Или хотя бы поближе?
Я залезаю и сажусь рядом с водителем. «Газель» трогается. Дед рассматривает меня.
– Я со смены еду, всех развез. Голодный, как собака. Мне тут бабка еды с собой завернула, давай остановимся, перекусим? Или ты торопишься?
– Не тороплюсь, – говорю я, и вдруг выпаливаю – Я с парнем поругалась. Он на рыбалку меня пригласил, сказал, выходим в четыре утра, приезжай с ночевкой. Тут папаша его прицепился, на ночь глядя. Ни с того, ни с сего. Не нравлюсь я ему. Вот, послала их всех к черту и домой иду.
Дед кивает понимающе. Съезжает на боковую дорогу и заворачивает в какой-то двор. Останавливается, глушит двигатель.
– Пойдем в салон, внучка, поедим. Целый день баранку кручу. Устал.
Он отстегивает ремень, открывает дверь и спрыгивает. Я тоже выхожу. Ого! Дедок-то оказывается огромного роста, метр девяносто, не меньше. Он смотрит на меня сверху вниз и посмеивается.
– Не ожидала? Я Илья Муромец. Меня и зовут Илья Иваныч, а тебя как?
– Алёна. Мама зовет Лёлей, но я этого терпеть не могу.
– А сколько лет тебе, что ты уже с парнями гуляешь?
– Шестнадцать. Я совершеннолетняя вообще-то. Недавно паспорт получила.
– А-а-а, ну, раз так… Пошли в салон, у меня там термос с чаем, пирожки с капустой. Ты ж, поди, голодная?
– Нет, я злая.
Илья Иванович открывает дверцу салона, пропускает меня, следом, кряхтя, залезает сам. Он заполняет собой все пространство «Газели», пробирается назад.
– Айда на заднее сиденье, у меня все там.
Тяжело садится, достает походную сумку, роется в ней. Я устраиваюсь возле окна. Илья Иваныч вытаскивает газетный сверток с пирожками и подает мне, – на, мол, разворачивай. Вместо термоса в сумке оказывается бутылка водки и два походных пластмассовых стаканчика. Дед протягивает мне стакан.
– Давай по маленькой? Нету чая. Бабка термос не положила.
Ну да, чай забыла, а водку не забыла. Так я и поверила.
– Нет, спасибо, я не пью.
– Ну, тогда пирожками угощайся, а я выпью, – дед наливает полный стакан «Русской», выдыхает и залпом выпивает его весь. Вытирает рот рукавом, откусывает пирожок с капустой. Чавкает, и в два присеста съедает пирожок.
– Эх, хорошо! Так ты где живешь, внучка?
– В двадцать третьем микрорайоне.
– Ого! Это ж пятнадцать километров отсюда!
– Вы меня не подвезете?
– Я выпил уже, а вдруг менты? – Видя, что я встаю с сиденья, хватает меня за руку и усаживает обратно, – стой, стой, погоди. Не торопись. Может, в объезд и доедем. Нельзя мне по центральной, не дай бог, прав лишат. Кто потом работать будет?
– А вы разве не на пенсии?
– Недавно вышел, начальство не отпускает. Незаменимый я.
Дед придвигается ко мне. Его клетчатая рубашка воняет потом и мазутом. Еще примешивается какой-то кислый запах, который бывает только у стариков. Вдруг он обхватывает меня руками и наваливается сверху всей тушей, шепча:
– А что, внуча, ты дай мне, внуча. Бабка моя десять лет уже не дает.
От неожиданности я цепенею, не могу двигаться. Дед тянет за ворот блузки и тычется своей небритой харей мне в шею.
– Внуча, раздевайся. Илье Иванычу много не надо. Один разок.
Он кряжистый и сильный. Я чувствую, будто меня придавливает огромным деревом. Седые космы лезут мне в рот, я выплевываю их и откашливаюсь. Внезапно в мозгу что-то щелкает. Я начинаю сильнее кашлять, таращу глаза и хватаюсь за горло.
– Астма… у меня астма…
Закатываю глаза, трясусь в припадке удушья.
– Мои капли… откройте дверь… воздух…
Дед отпускает меня, он испуган.
– Сейчас, внуча, сейчас, – бормочет он. Тащит меня к выходу, открывает дверь «Газели». Я проскальзываю мимо него и вываливаюсь наружу.
Падаю в траву. Медлить нельзя. Страх, который до этого сковывал меня, теперь дает мне силы. Резко встаю и, не глядя на машину и деда, бегу в сторону ближайшей многоэтажки. Нет, не сюда, слишком близко. Пробегаю мимо и ныряю через арку в соседний двор. Вот этот дом подойдет. Заскакиваю во второй подъезд, вверх по лестнице, жму кнопку лифта. Он гудит и дребезжит вверху. Сердце колотится в горле, в ушах гул. Ну, быстрей, быстрей! Я давлю и давлю на кнопку. Лифт наконец-то приезжает и открывается. Тускло светит лампочка. Дверцы медленно-медленно закрываются, когда я нажимаю на кнопку восьмого этажа. Дед не догадается, что я здесь. Что я именно в этом доме. Старый козел, поверил, что у меня астма! Меня бьет дрожь. В грязное зеркало лифта я вижу свое отражение. Дикие глаза, волосы растрепаны, порван воротничок блузки. Провожу руками по волосам, пытаясь их пригладить. Ладони холодные и мокрые.
Лифт останавливается. На цыпочках крадусь мимо квартир и спускаюсь на один лестничный пролет. Смотрю в окно. Внизу фонари освещают детскую площадку. Горка, песочница, качели. Белая «Газель» объезжает двор по периметру и скрывается в арке дома напротив.