Olga Kuz’mina: Am Rande der Erinnerung

Gedichte.

Quelle zum russischen Text: https://daktilmag.kz/45/poetry/olga-kuzmina/na-krayu-pamyati/725

Ein Garten-

ein angebrochener Zweig

im alten Blumenübertopf

Ein toter Spatz

auf dem Pfad zum Haus.

Ich hob ihn auf, beerdigte ihn.

Ich werde es überleben.

Überweinen.

 ***

Einfach mal hier stehen.

Stehen.

Aufsaugen die Gerüche der Züge,

der Abschiede, der Piroggen

in den Straßencafés, das Leben aufsaugen.

Einfach mich an dich erinnern,

Flammen, in der Hälfte des warmen Sommers.

Warte auf mich am Rande der Erinnerung.

Signatur: des Sommers.

 ***

Im Rachen der Tasche,

auf dem Grund,

in einer Papierschachtel-

eine kleine herzliche Anhänglichkeit,

eine schwache,

eine zweiwöchige.

Taschenphrasen-

für alle Fälle.

Der Schrei einer Möwe,

die Sirene eines Schiffes,

ein Foto – Aushängeschilder mit ять-Buchstaben,

Spuren des Verrates. 

***

I.

Von der Zärtlichkeit angeschlagen,

versteckt unter der Ferse Gottes-

gerettet und vergeben

die Liebe beschwörend.

Mein Glück.

Meine dursichtige Zärtlichkeit-

Fließwasser.

Die Geschichte beginnt bei den vielen Punkten.

II.

…ich stehe auf dem Bahnsteig

Und höre dem Chor deiner Flügel zu,

die den Frühlingsschnee aufstäuben,

die in die Rettung bergen

deine Gedanken – deine Strophen,

die grünen Augen, die das Lachen weinen.

Das Schweben der zerzausten Federn

wechselt sich ab mit der Musik von Treppenhäusern.

III.

Eine zufällige Verkäuferin

verinnerlicht uns

mit einem geübten Auge

und raucht eine, aufatmend über das Eigene.

Neigt den Kopf zum Himmel-

mit dem kribbelnden Auge.

Sie will so sehr…

Wie sehr will sie bloß –

im weißen Kleidchen

auf dem Bahnhofsplatz – 

sich verwirklichen,

wieder richtig leben,

emporfliegen –

es gibt keinen Anfang und kein Ende…

IV.

Das war

und wird sich wiederholen –

dort gibt es keinen Anfang und kein Ende.

Auf einmal kommt es mir vor,

dass ich etwas älter geworden bin,

und du stärker als ich

um ein ganzes Leben.

Doch auch das –

Verzeihe ich dir.

***

Auf der Handfläche – an der Lebenslinie entlang –

kleine Höcker, Gruben.

                                      Seltener – Hügel.

solch kleine Tannen.

Und ich bin zwischen ihnen – groß.

Und ich – blicke um sie herum…

Das war und war nicht –

wer wird es später verstehen,

wenn ich mich unter sie lege?

***

Wenn in deinem Haus

Dinge aus

Einer anderen Realität aufzutauchen beginnen,

Schaue hinter den Horizont

Bist du auch wirklich in deinem eigenen Haus?

***

Auf dem Springbrunnenplatz eine Attraktion

durchdacht von einem außerirdischen Verstand.

Solch eine Maschine, die reine Energie einsammelt

Bei den gutgläubig-jungen Bürgern,

die sprunghaft in die fünfte Dimension schreiten,

um zu Göttern zu werden.

Und nachdem die Jahre vergehen –

wirst du Finsternis überwinden

auf dem stillen unerforschten Planeten

und genau solche Attraktionen errichten.

***

Hier dröhnt sogar der Wind,

in den Grund und Boden der Steinplatten

kriechend, durch die Finger sich windend.

Die Straßen beschweren sich über die Wanderer,

die Hotels – über die Gäste,

denn Stein dämpft die Schritte nicht ab.

Nur lüge nicht, dass deine Stiefel

das Ufer des Flusses nicht verletzen.

Du fließt ja sowieso wie ein Starkregen

oder eine reflexive Bewegung

in die Mengen der Menschen auf den Straßen.

Du versuchst dich nicht zu beugen.

um nicht aufzufallen,

gesegnet zu sein oder verstümmelt,

zertrennt auf sieben Straßen

von diesem Riesen Stadt.

***

Egal welche Texte

die auf deinen Nachnamen referieren

plane ich nie im Leben zu publizieren.

Doch das Leben hat anders entschieden.

Sie ist – mein Verleger.

 Olga Kuz’mina – ist Poetin, Künstlerin und Theaterschauspielerin. Sie studiert am Kulturinstitut in Samara „Regie des Laientheaters“ Sie ist Preisträgerin des Preises des Penser Gebietes, der im Bereich Kultur vergeben wird. Sie ist auch Teilnehmerin des XXII Forums der jungen Schriftsteller Russlands, der GUS-Staaten und des Auslandes. Kuz’mina ist Autorin des Gedichtbandes „Ohne Zucker“ („Без сахара“) und des Solotheaterstückes „Die Biomechanik der Seele“ („Биомеханика души“). Sie lebt und arbeitet in Pensa.

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