Vlada Baronec

Die Stimmen der gefangenen Petunien (die Gedichte im russischen Original befinden sich in der Februarausgabe aus dem Jahr 2024 von daktil.kz)

***

Mihail Nemcev dreht einen Film über den krieg

echte Menschen buddeln ein Rohr aus

auf dem Lavendelacker

krabbeln kleine Katzenkinder

alles wird ins Heft notiert

Milch in der Milch

ein Kriegesklang auf der Lippe

Literaturabende

in alphabetischer Anordnung

Michail und die Deutschen

wie glaubwürdig

an diesem Ort spielt das Fortepiano

sich vor dem Wild wegbeugend

o liebes Heft der geheimnisvollen Milch

wenigstens ein Kätzchen

einen Michail male doch 

dies wird ein Krieg über den letzten Film sein

über den Lavendel der auf der Lippe klingt

über das Rohr das ich für dich buddele

um zu finden nicht den poetischen Buchstaben

sondern den Rand des berührten Ackers

 ***

Brot Brot Brot

hört man in der Zeit des Krieges

also an beliebigen Tagen

die Ergebnisse meiner Examina

unter den Trümmern

blicken sich an

nach fünf Jahren

Brot auf dem Grund

setzen Sie sich vor das Instrument

erschaffen Sie etwas nicht rückgängig zu Machendes das Ihnen gehört

überall auf der Welt gibt es Klaviertasten

drücke ich hier auf eine von diesen

hört man mich dort und antwortet

vor fünf Jahren

das ist immer        

es war mal besser und es lebten

diese Pflanzen die erschufen

jenen Klang von dem

glücklich wurden die Schatten auf den Kleidern

***

diese Kibitka bewegt sich

auf vier Rädern

in den Wald der vier Krähen

weiter als Meere und Felder

mit dem Kopf wackelnd

dies ist nicht der Wald der Worte der sich bewegt

sondern die Räder der Grundlagen

Brot und einige Pflaumen

spricht man in den Traum um vier Uhr

das langsame Geplätscher der Hitze

in den Berg vom Berg aus

das ist Theorie

und dann 

als du dich bewegtest und nicht in der Lage warst

es zu beschreiben als die Mutter schwieg

es gibt hier nichts worauf man blicken kann

es gibt hier nichts was man sagen kann wohin

die Kibitka von ihr schweigen

mit dem ganzen Feld das Schweigen der Krähen

es gibt die Sinnlosigkeit des Rades

den Wald des Gesichtes

***

Ein Hase der durch die Geschwindigkeit rast

gänzlich in die Möglichkeiten von Allem vertieft

trittst du ein und der Jegor sitzt

ist ganz zu Ende erzählt vom Alter

ein Kater und ein Hund ganz voll

sagt man erinnere sich

ist es wahr und dauert es lange kurz

das was Jegor uns erzählt hat

oder ging es um etwas anderes

dem Schmied der schlimm gehemmt wurde

das ist die Wahrheit sagt Jegor

dessen Stimme ihm ähnelt

ein geflohener Hase der im Falken geschliffen wird

erzählt die Wahrheit im Spiegel

mit einer Sklaven-Entfernung-Möglichkeit

ihr werdet uns selbst erkennen uns erzählen

und sie gehen hinaus aus den sandigen Tränen

der Welle ähneln der Kater und der Hund

***

hier auch der Stuhl

die Lehne seiner Eiche

eine kindliche Landschaft

mit einer fünf am Ende

ein kleiner Punkt auf einer Karte

hier alles

geschieht

auch der fallende Lärm

hallt bis hierher

wenn ich in der Organisation bin

eine Glocke das ist

eine Pause

der Fotos

der verinnerlichten Momente

ein russisches Erwachen

in der Mitte der Versammlung

man lebte und arbeitete

was denn sonst noch

was denn sonst noch

zwischen man lebte und arbeitete

was fehlt noch

was wollen die denn von mir

***

die kleine Zunge des Schlangenschuhs

eine einsame kleine Mitte

eine Fotografie von Surek

auf dem Konzert klatschte er

doch am Ende wurde mit übel

nur von weitem  

bildhaft übel

und Surek blickte

bebildert nicht schlecht

und Surek blickte streng drein

im Rahmen des Schwanenkonzerts

wo soll man die Schmerzende Stelle finden

die kleine Zunge höckerig nach rechts

weil sie nach links nicht das Recht hat

zwischen dem Wegzug und dem Konzert

des ersten und des letzten Kilometers

stotternd stolpernd

sy-Sardine sch-Schwester

er tut auf der Fotografie weh

hat An-Angst das Märchen zu erzählen 

***

Petunien

sie wurden

weiß rosa 

riechend nach der Schattierung des Lilanen

süß oder mehr dünn

damit man sie noch schlechter erkennt

doch das half nichts

Petja lief

lief und b

lieb stehen: Käfer 

laufen schnell weg von hier

schwimmen zum lebendigen Wasser

nur die Kinder wachsen in den Steinen auf

nur die Nägel

bewahren etwas

mit solch nicht richtigen Händen

wurde jeder Hase

zu einem anderen

über mir die Geometrie

der Tannen der Blumen der Grabstätten

die Stimmen der gefangenen Petunien

Petja liegt im Urlaub

und sie wenigstens

sterben aus aller Kraft

die Form störend die Staatsbürgerschaft verlierend

damit man sie schlechter erkennt

Vlada Baronec ist Poetin und Kritikerin. Sie wurde 1981 in der Oblast‘ Rostov geboren. Sie absolvierte die philologische Fakultät der Rostover Staatsuniversität. Sie arbeitet als technische Übersetzerin. Ihre Gedichte und kritischen Artikel wurden in den Zeitschriften „Novyj Zhurnal“, „Kvartal“, „Novyj mir“, „Formaslov“, „Prosodia“, „Novaja Junost‘“, im Almanach „Artikulacija“ und anderen Zeitschriften und Almanachen publiziert. Sie lebt in Sankt Petersburg und Samara.

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