Die Stimmen der gefangenen Petunien (die Gedichte im russischen Original befinden sich in der Februarausgabe aus dem Jahr 2024 von daktil.kz)
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Mihail Nemcev dreht einen Film über den krieg
echte Menschen buddeln ein Rohr aus
auf dem Lavendelacker
krabbeln kleine Katzenkinder
alles wird ins Heft notiert
Milch in der Milch
ein Kriegesklang auf der Lippe
Literaturabende
in alphabetischer Anordnung
Michail und die Deutschen
wie glaubwürdig
an diesem Ort spielt das Fortepiano
sich vor dem Wild wegbeugend
o liebes Heft der geheimnisvollen Milch
wenigstens ein Kätzchen
einen Michail male doch
dies wird ein Krieg über den letzten Film sein
über den Lavendel der auf der Lippe klingt
über das Rohr das ich für dich buddele
um zu finden nicht den poetischen Buchstaben
sondern den Rand des berührten Ackers
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Brot Brot Brot
hört man in der Zeit des Krieges
also an beliebigen Tagen
die Ergebnisse meiner Examina
unter den Trümmern
blicken sich an
nach fünf Jahren
Brot auf dem Grund
setzen Sie sich vor das Instrument
erschaffen Sie etwas nicht rückgängig zu Machendes das Ihnen gehört
überall auf der Welt gibt es Klaviertasten
drücke ich hier auf eine von diesen
hört man mich dort und antwortet
vor fünf Jahren
das ist immer
es war mal besser und es lebten
diese Pflanzen die erschufen
jenen Klang von dem
glücklich wurden die Schatten auf den Kleidern
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diese Kibitka bewegt sich
auf vier Rädern
in den Wald der vier Krähen
weiter als Meere und Felder
mit dem Kopf wackelnd
dies ist nicht der Wald der Worte der sich bewegt
sondern die Räder der Grundlagen
Brot und einige Pflaumen
spricht man in den Traum um vier Uhr
das langsame Geplätscher der Hitze
in den Berg vom Berg aus
das ist Theorie
und dann
als du dich bewegtest und nicht in der Lage warst
es zu beschreiben als die Mutter schwieg
es gibt hier nichts worauf man blicken kann
es gibt hier nichts was man sagen kann wohin
die Kibitka von ihr schweigen
mit dem ganzen Feld das Schweigen der Krähen
es gibt die Sinnlosigkeit des Rades
den Wald des Gesichtes
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Ein Hase der durch die Geschwindigkeit rast
gänzlich in die Möglichkeiten von Allem vertieft
trittst du ein und der Jegor sitzt
ist ganz zu Ende erzählt vom Alter
ein Kater und ein Hund ganz voll
sagt man erinnere sich
ist es wahr und dauert es lange kurz
das was Jegor uns erzählt hat
oder ging es um etwas anderes
dem Schmied der schlimm gehemmt wurde
das ist die Wahrheit sagt Jegor
dessen Stimme ihm ähnelt
ein geflohener Hase der im Falken geschliffen wird
erzählt die Wahrheit im Spiegel
mit einer Sklaven-Entfernung-Möglichkeit
ihr werdet uns selbst erkennen uns erzählen
und sie gehen hinaus aus den sandigen Tränen
der Welle ähneln der Kater und der Hund
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hier auch der Stuhl
die Lehne seiner Eiche
eine kindliche Landschaft
mit einer fünf am Ende
ein kleiner Punkt auf einer Karte
hier alles
geschieht
auch der fallende Lärm
hallt bis hierher
wenn ich in der Organisation bin
eine Glocke das ist
eine Pause
der Fotos
der verinnerlichten Momente
ein russisches Erwachen
in der Mitte der Versammlung
man lebte und arbeitete
was denn sonst noch
was denn sonst noch
zwischen man lebte und arbeitete
was fehlt noch
was wollen die denn von mir
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die kleine Zunge des Schlangenschuhs
eine einsame kleine Mitte
eine Fotografie von Surek
auf dem Konzert klatschte er
doch am Ende wurde mit übel
nur von weitem
bildhaft übel
und Surek blickte
bebildert nicht schlecht
und Surek blickte streng drein
im Rahmen des Schwanenkonzerts
wo soll man die Schmerzende Stelle finden
die kleine Zunge höckerig nach rechts
weil sie nach links nicht das Recht hat
zwischen dem Wegzug und dem Konzert
des ersten und des letzten Kilometers
stotternd stolpernd
sy-Sardine sch-Schwester
er tut auf der Fotografie weh
hat An-Angst das Märchen zu erzählen
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Petunien
sie wurden
weiß rosa
riechend nach der Schattierung des Lilanen
süß oder mehr dünn
damit man sie noch schlechter erkennt
doch das half nichts
Petja lief
lief und b
lieb stehen: Käfer
laufen schnell weg von hier
schwimmen zum lebendigen Wasser
nur die Kinder wachsen in den Steinen auf
nur die Nägel
bewahren etwas
mit solch nicht richtigen Händen
wurde jeder Hase
zu einem anderen
über mir die Geometrie
der Tannen der Blumen der Grabstätten
die Stimmen der gefangenen Petunien
Petja liegt im Urlaub
und sie wenigstens
sterben aus aller Kraft
die Form störend die Staatsbürgerschaft verlierend
damit man sie schlechter erkennt
Vlada Baronec ist Poetin und Kritikerin. Sie wurde 1981 in der Oblast‘ Rostov geboren. Sie absolvierte die philologische Fakultät der Rostover Staatsuniversität. Sie arbeitet als technische Übersetzerin. Ihre Gedichte und kritischen Artikel wurden in den Zeitschriften „Novyj Zhurnal“, „Kvartal“, „Novyj mir“, „Formaslov“, „Prosodia“, „Novaja Junost‘“, im Almanach „Artikulacija“ und anderen Zeitschriften und Almanachen publiziert. Sie lebt in Sankt Petersburg und Samara.