Reflexion zu Nina Trox‘ Kurzgeschichte „Die Zeichen der Stille“

Die Bar: eine bunte Insel der Freiheit im Irgendwo einer halb provinziellen Stadt. Dort findet der Dialog von Maya und Anja statt, und zwar zur lauten Technomusik, in einem Land, in dem kasachisch und am Rande russisch gesprochen wird.  Maya ist Gebärdensprachendolmetscherin. Diese Fähigkeit liegt wie ein Film über dem Sujet; Stille wird zum Narrativ – Anjas Gedankengänge sind gekennzeichnet durch Psychologisieren, Erahnen, Hoffen.

Die Liebe erblüht hier auf ihre Weise, mit Himbeeren, einer Eiche und dem Sternenhimmel. (M)eine Begegnung. Ein Moment des Glücks, der für immer bleibt.

Verschachtelung des Sujets ist eine Spielart der Autorin. Die lineare Handlung macht Platz für Rückblicke in die Zukunft bevor eine Vergangenheit überhaupt beginnen kann. Vertrautheit weicht Fremde, Gefühl der Vernunft. Ein Streit entsteht, weil Anja die Gebärdensprache und die Welt jener Menschen nicht nachvollziehen kann. Trost findet Anja im heimatlichen Herd, bei der Mutter, wo sie gemeinsam Sylvester feiern und Lecho aus Tomaten und Paprika essen, selbstgemacht natürlich. Und die Wiederkehr zum Beginn der Geschichte findet fast am Ende statt – das zufällige Treffen der beiden Frauen in der Ausstellung, bereits nach dem vollzogenen Bruch. Der Grund dafür – die Abwesenheit von Stille. Maya kann ohne diese nicht und die Beziehung zerbricht daran. „Vielleicht ist es gerade der Schmerz, der in uns das Verständnis von Liebe konzeptualisiert.

Der Text entlässt den Leser mit einem zufriedenen Gefühl; die Liebe ist wie ein Kaugummi, an dem man lange ziehen kann – in einer halb provinziellen Stadt im Irgendwo einer Welt, die hoffentlich nie verlernt Verschiedenartigkeit anzunehmen.

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