Julia Kim Ein karmisches Ereignis

In der Kindheit war ich davon überzeugt, dass alle Katjas sich aufteilen in schlechte und gute. Gute – das sind meine Cousine, die Eiskunstläuferin Gordeeva und die Großmutter vom Markt, welche die besten Piroggen mit Pilzen macht. Zu den schlechten Katjas in meiner Bekanntschaft zählt nur eine – Samohina, die ich in der Gruppe „Schwalbe“„Julia Kim Ein karmisches Ereignis“ weiterlesen

Meruert Tair: Sonnenaufgang

Rote Mohnblumen Irgendwo im Wald erklang ein Schuss. „Und im Schnee erblühten wieder die roten Mohnblumen…“ flüsterte Sjaomin ohne den Blick von dem düsteren Wald abzuwenden. Die Großmutter machte irgendetwas im Haushalt: „Sjaomin, hör endlich auf, aus dem Fenster zu blicken, bald kehrt der Herr von der Jagd zurück, und das Abendessen ist noch nicht„Meruert Tair: Sonnenaufgang“ weiterlesen

Oral Arukenova: Vom November zum Nauryz

*** Der November – ein gelber Hals des Herbstes trocknet mit der Hitze des Altweibersommers strickt die faule Sprache mit dem Nachgeschmack der verwelkten Schwüle die Spinne rundlich-schwarz bildet Kokons im Spinnennetz ein Schmetterling flattert im Nicht-linearen *** der Morgen der Wintersonnenwende Spuren auf dem frisch gefallenen Schnee – zwei Zeilen von der Außentreppe auf„Oral Arukenova: Vom November zum Nauryz“ weiterlesen

Talshyn Chukaeva: Dzhigida

Ich erinnere mich selbst nicht daran, warum ich auf diese Dzhigida geklettert war. Ihre Blätter waren grau-blau, und winzig die Früchte – trocken wie Fell. Doch die Dzhigida selbst ist während der Jahrhunderte so gewachsen, dass selbst ein Dutzend Jungs sich in ihrer Krone verstecken konnten. Ich kletterte immer höher und höher, und da saß„Talshyn Chukaeva: Dzhigida“ weiterlesen

Alma Dzhumanbaeva Ainalajyn, Kasachstan (ein Auszug)

Mit dem Alter verdichtet sich die Zeit, taucht auf mit leuchtenden Bildern in der Erinnerung und es scheint, noch einen Augenblick, und das ganze Leben passt in eine Handfläche, und du wirst es betrachten und es wird dir leid tun, dass du es nicht rechtzeitig geschafft hast, nicht konntest, nicht wolltest…und das Verpasste kann man„Alma Dzhumanbaeva Ainalajyn, Kasachstan (ein Auszug)“ weiterlesen

Aurelia Akmullaeva Das Erwachsenwerden

Wenn es an der Tür klopft, Scheint es mir warum auch immer, Dass es Chekisten sind. Wenn es an der Tür klopft, Scheint es mir warum auch immer, dass das Jahr 37 noch nicht vorbei ist. Wenn es an der Tür klopft, Scheint es mir warum auch immer, Dass man mich fesseln wird Für das„Aurelia Akmullaeva Das Erwachsenwerden“ weiterlesen

Zauberhafte Bilder von Margarita Davydova

Ich schnappte mir meinen Rucksack, Trekking – Stöcke, Handschuhe und rannte nach draußen. Ich habe mich vorbereitet, machte heiße Butterbrote, Leckereien und Tee in der Thermoskanne – nun bin ich spät dran. Die Uhr zeigt fast sechs Uhr morgens, die Zeit, in der  die Jungs und ich uns treffen wollten –  bei dem Tor zum„Zauberhafte Bilder von Margarita Davydova“ weiterlesen

Witch Daughters von Anna Ganich

Ich gebe zu, das war meine erste Bootsfahrt. Das Kris zu erzählen, war peinlich. Sie führte unser Motorboot sehr gewagt. Ich hielt mich zuerst hinten auf, warum auch immer, war ich dort sicher mit meiner Seekrankheit, dann wurde ich mutiger, ging zum Bug und die Reste der Verlegenheit lösten sich auf in salzigen Spritzern und„Witch Daughters von Anna Ganich“ weiterlesen

Der Schlitten, von Oral Arukenova

Danik schaute auf die Uhr, richtete den Halswickel und ging zum Fenster. Von der fünfzehnten Etage aus hatte man einen guten Blick auf das rosa Zweietagenhaus neben dem Park. Ein Auto näherte sich dem Treppenhaus und hupte. Danik stellte das Fernglas richtig ein  und begann das Geschehen hinter der Tür zu beobachten. Bald ging diese„Der Schlitten, von Oral Arukenova“ weiterlesen

Banu Ahmetbekova: Das Haus der Einsamkeit (aus der Sammlung „Der weinende Stern“)

Quelle zum russischen Text: https://daktilmag.kz/6/prose/banu-akhmetbekova/dom-odinochestva/67   Jeder von uns, die wir irdisch und sterblich sind, hat seine eigenen Ängste. Jemand hat Angst vor der Dunkelheit, jemand vor Spinnen, manche haben ganze Labyrinthe von Angst. Doch es gibt die Angst, welche am stärksten ist – die Angst vor der Einsamkeit. Es gibt keine schmerzhafteres Gefühl als„Banu Ahmetbekova: Das Haus der Einsamkeit (aus der Sammlung „Der weinende Stern“)“ weiterlesen

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